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Achtsamkeit vermindert das Schmerzempfinden

Mittwoch 17 Oktober 2018

Von Natur aus „achtsame“ Menschen empfinden weniger Schmerzen als andere. Hirnscans zeigen, dass die an Schmerzen beteiligten Hirnareale bei diesen Menschen weniger aktiv sind. Meditationspraxis kann helfen, den Grad der Achtsamkeit bei jedem Menschen zu steigern.

Achtsamkeit bedeutet kurzgefasst, dass jemand bewusst und konzentriert den konkreten Augenblick wahrnimmt und nicht wahllos auf alle möglichen Arten von (Schmerz-) Reizen reagiert. Stattdessen erlebt er den Augenblick ohne übermäßige emotionale Reaktion und lässt ihn dann wieder los. Manche Menschen sind von ihrem Charakter her offenbar achtsamer als andere, und das hilft ihnen wahrscheinlich dabei, Schmerzen weniger intensiv zu empfinden, wie eine Studie der Wake Forest School of Medicine zeigt. Eine Vorveröffentlichung dieser Studie ist in der Zeitschrift Pain erschienen. [1]

Bereits in einer früheren Studie derselben Forscher hatte sich gezeigt, dass das Praktizieren von Achtsamkeit Schmerzen stärker lindert als die Einnahme von Placebo. [2] In dieser Folgestudie untersuchten die Wissenschaftler, ob ein angeborenes Maß an Achtsamkeit mit einer geringeren Schmerzempfindlichkeit assoziiert sein könnte. Außerdem wollten sie die entsprechenden Hirnareale identifizieren.

 

Schmerzreize aktivieren ein spezifisches Hirngebiet

An der Studie nahmen 76 gesunde Freiwillige teil, die noch nie zuvor meditiert hatten. Um den Grad ihrer natürlichen Achtsamkeit zu bestimmen, beantworteten die Teilnehmer die Fragen des Freiburger Fragebogens zur Achtsamkeit. Dann erhielten sie einen Schmerzreiz von 49 Grad Celsius, während ein fMRT-Scan durchgeführt wurde (mit dem der Bereich der stärksten Gehirnaktivität lokalisiert werden kann).

Die Scans zeigten, dass während der Einwirkung des Schmerzreizes ein bestimmter Gehirnbereich – der posteriore Cingularis-Cortex – bei den achtsameren Menschen weniger aktiv war, während bei den anderen Teilnehmern eine stärkere Aktivierung dieses Gehirnbereichs erfolgte. Außerdem gaben letztere an, mehr Schmerzen zu empfinden als die achtsame Gruppe.

 

Weniger verstrickt in schmerzhafte Erfahrung

Der posteriore Cingularis-Cortex ist ein zentraler Nervenknoten unseres default mode network (DMN), eines Netzwerks von Hirnregionen, das sich bis zum medialen präfrontalen Cortex erstreckt und an der Verarbeitung von (Schmerz-) Gefühlen beteiligt ist. Das DMN wird abgeschaltet, sobald man aktiv wird. Bei Aktivität weist das Gehirn die ankommenden Informationen dann anderen neuronalen Hirnregionen zu. Das DMN wird reaktiviert, sobald jemand zu selbstbezogenen Gedanken, Gefühlen und Emotionen zurückkehrt.

„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass achtsame Menschen offenbar weniger in schmerzhafte Erfahrungen verstrickt sind und dass diese Menschen offenbar deswegen berichten, weniger Schmerz zu empfinden“, schlussfolgern die Forscher.

 

Meditationspraxis ist sinnvoll

Auch Menschen, die von Natur aus weniger achtsam sind, können die Forscher durchaus Mut machen: „Bereits von früheren Forschungen her wissen wir, dass Meditationspraxis die Fähigkeit zur Achtsamkeit in relativ kurzer Zeit fördern kann. Meditation könnte also ein wirksames Mittel sein, um Millionen von Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, Erleichterung zu bringen.

 

Literatur

[1] Voorpublicatie in tijdschrift Pain, https://medicalxpress.com/news/2018-09-mindful-people-pain-mri-imaging.html

[2] Fadel Zeidan, Nichole M. Emerson, Suzan R. Farris, Jenna N. Ray, Youngkyoo Jung, John G. McHaffie, and Robert C. Coghill, Mindfulness Meditation-Based Pain Relief Employs Different Neural Mechanisms Than Placebo and Sham Mindfulness Meditation-Induced Analgesia, The Journal of Neuroscience, 18 November 2015, 35(46): 15307-15325.

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