Alternate Text

Antibiotika nicht nur für Darmflora schädlich

Donnerstag 15 März 2018

Durch zu häufige Anwendung von Antibiotika entwickelt sich Resistenz zum immer größeren Problem. Außerdem können Antibiotika die Darmflora schädigen und können – einer neuen Studie des MIT zufolge – sogar das Immunsystem schwächen.

 

Antibiotika rücken nicht nur pathogenen Bakterien, sondern auch nützlichen Darmbakterien zu Leibe. Dadurch ist die Darmflora nach einer Behandlung weniger vielfältig als zuvor. Zudem kann es lange dauern, bis die Darmflora vollständig wiederhergestellt ist [1]. Alles gute Gründe, um Antibiotika nur dann einzusetzen, wenn es wirklich notwendig ist.

 

Schwächung des Immunsystems

Seit kurzem gibt es vielleicht noch ein weiteres Argument für einen sparsameren Umgang mit Antibiotika. Eine Studie des MIT und Harvard an Mäusen zeigt, dass Antibiotika das Immunsystem auf unterschiedliche Weise beeinträchtigen [2]. Antibiotika können zum Beispiel die Fähigkeit der Immunzellen von Mäusen zum Töten von Bakterien einschränken.

Darüber hinaus können Antibiotika den bakteriellen Krankheitserreger sogar beschützen, indem sie die biochemische Umgebung  des Krankheitserregers verändern. Die Studie wurde in Cell Host & Microbe veröffentlicht.

 

Systemische Veränderungen in Metaboliten

Eine frühere Studie des MIT hatte bereits gezeigt, dass Metaboliten die Anfälligkeit von Bakterien gegenüber Medikamenten beeinflussen können [3]. Metaboliten sind kleine Moleküle, die von den Zellen als Zwischenprodukte der Stoffwechselreaktionen freigesetzt werden. In dieser neuen Studie wurden Mäuse, die mit E.-coli-Bakterien infiziert waren, mit dem weit verbreiteten Antibiotikum Ciprofloxacin behandelt.

Die Forscher stellten fest, dass das Antibiotikum systemische Veränderungen in den Metaboliten verursachte. Nicht – wie man vielleicht erwartet hätte – durch Beeinflussung des Mikrobioms, sondern durch direkte Einwirkung auf das Gewebe der Maus. Weitergehende Untersuchungen zeigten, dass die von den Mauszellen freigesetzten Metaboliten E. coli resistenter gegen Ciprofloxacin machen.

Außerdem schwächte das Antibiotikum die Immunfunktion durch Hemmen der Atmungsaktivität von Immunzellen. Dadurch waren Makrophagen weniger gut in der Lage, die E.-coli-Bakterien anzugreifen und zu fressen. Mit anderen Worten: Das Antibiotikum löste in dieser Studie eine ganze Reihe von Veränderungen aus, die der Therapie sogar zuwiderliefen.

Weitere Forschung ist notwendig, um diese Erkenntnisse in eine Behandlung des Menschen umzusetzen. Aufgrund des zunehmenden Problems der Resistenz erachten es die Forscher als äußerst wichtig, alle Effekte zu verstehen, die eine Behandlung hervorrufen kann.

 

Fazit

Antibiotika sind nützlich, um lästige bakterielle Infektionen zu bekämpfen. Jedoch wird dabei auch die Diversität der Darmflora beeinträchtigt und es wird möglicherweise eine ganze Reihe von Veränderungen ausgelöst, die der Therapie geradezu entgegenwirken. In dieser Studie schützte das Antibiotikum die E.-coli-Bakterien, indem es die biochemische Umgebung veränderte und die Immunzellen der Mäuse beeinträchtigte. Hierzu ist weitere Forschung notwendig und wünschenswert, gerade auch angesichts der zunehmenden Resistenz gegen Antibiotika.

 

Literatur

[1] Katri Korpela, Anne Salonen, Lauri J. Virta, Riina A. Kekkonen, Kristoffer Forslund, Peer Bork, Willem M. de Vos: Intestinal microbiome is related to lifetime antibiotic use in Finnish pre-school children. Nature Communications, 26 Jan 2016.

[2] Yang JH, Bhargava P, et al. Antibiotic-induced changes to the host metabolic environment inhibit drug efficacy and alter immune function. Cell Host & Microbe. Online November 30, 2017. DOI: 10.1016/j.chom.2017.10.020

[3] https://phys.org/news/2017-11-antibiotics-ability-immune-cells-bacteria.html

Bonusan verwendet Cookies um die Webseite zu verbessern und Ihnen eine bessere Dienstleistung anbieten zu können. Möchten Sie wissen, welche Cookies wir gebrauchen? Lesen Sie hier mehr.

Internetbureau W3S