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Bewegung gut für Mikrobiom

Dienstag 14 Juli 2020

Ernährung, Supplementierung, Stressverminderung: All das sind Wege, auf denen sich das Mikrobiom optimieren lässt. Aber die Erkenntnis, dass auch die Bewegung eine Rolle für die Zusammensetzung und Diversität der Darmflora spielt, ist relativ neu. Was können Sie damit in Ihrer Praxis anfangen?

Bewegung sorgt im Allgemeinen für eine bessere Durchblutung des Körpers, unter anderem auch im Darm. Das sorgt für eine bessere Nährstoffzufuhr und, infolge dessen, eine bessere Darmfunktion. Es gibt dabei auch eine günstige Wirkung auf die Motilität, wodurch die Faeces nicht zu lang im Körper bleiben. Aber die Erkenntnis, dass Bewegung für die quantitativen und qualitativen Aspekte der Darmflora günstig ist, ist relativ neu. Wie funktioniert das genau?

 

Umweltfaktoren und Darmflora

Schon früh im Leben spielen Umweltfaktoren eine wichtige Rolle für Umfang und Zusammensetzung der Darmflora (Browne et al., 2017). Ein stabiles und breitgefächertes Darmmikrobiom, das sich durch eine große Diversität an Darmbakterien auszeichnet, ist das ganze Leben über unverzichtbar für eine normale Darmphysiologie. Außerdem trägt es zu einer guten Kommunikation über die Darm-Mikrobiom-Gehirn-Achse und auf diesem Weg auch zur körperlichen und psychischen Gesundheit des Individuums bei (Monda et al., 2017).

Beispiele für Faktoren, die die Darmflora während des Lebens negativ beeinflussen können, sind:

• Pränataler psychosozialer Stress der Mutter,
• Adipositas der Mutter,
• Kaiserschnitt, kein oder nur kurzfristiges Stillen,
• Antibiotikaeinnahme, NSAR
• Nährstoffarme Ernährung, Toxine,
• Übermäßiger Zuckerverzehr,
• Mangel an fermentierbaren Ballaststoffen,
• Stress, Burnout, Alter, Krankheit.

 

Bewegung und Darmflora

Eine aktuelle, systematische Literaturstudie zeigt, dass Bewegung eine positive Wirkung auf die Zusammensetzung der Darmflora haben kann (Ortiz-Alvarez et al., 2020). Eine erhöhte körperliche Aktivität wurde mit einer größeren Diversität der Darmflora bei gesunden Erwachsenen assoziiert. Diese Wirkung trat nach lang andauernder Bewegung stärker hervor als bei kurzfristigen Bewegungsinterventionen.

Was aber macht die Bewegung genau mit der Darmflora und was bedeutet das für unsere Gesundheit? Exakte Mechanismen fehlen, aber möglicherweise spielen die folgenden Effekte eine Rolle:

 

Bewegung:

• erhöht die Diversität der Darmflora,
• verbessert das Verhältnis von Bacteroidetes/Firmicutes,
• stimuliert die Vermehrung nützlicher Bakterien,
• stimuliert die Bildung kurzkettiger Fettsäuren durch Bakterien.

Verschiedene Studien haben nachgewiesen, dass die Diversität der Darmflora bei kranken Menschen im Vergleich zu gesunden oft stark reduziert ist (Monda et al., 2017). Je größer die Diversität der Darmflora, desto gesünder. Jäger und Sammler wie die Hadza haben ein viel breiteres Mikrobiom als der westliche Mensch (Segata, 2015). Bei diesem Stamm - und vergleichbaren, traditionell lebenden Völkern - sieht man im Allgemeinen keine chronischen Krankheiten wie Diabetes Typ 2. Künftige Studien müssen klären, ob hier wirklich eine Ursache-Folge-Relation zwischen der Diversität der Darmflora und der Gesundheit vorliegt.

Außerdem legen Studien nahe, dass Bewegung das Verhältnis zwischen Bacteroidetes und Firmicutes verbessern und damit möglicherweise einen Beitrag zur Gewichtsreduzierung und Linderung von Magen-Darmbeschwerden leisten kann. Die Proliferation günstiger Bakterien kann zu einer positiven Wirkung auf die Barrierefunktion des Darms beitragen und reduziert so möglicherweise das Risiko auf Adipositas und metabolische Erkrankungen (Monda et al., 2017).

Es besteht eine sogenannte Kommunikation zwischen dem Darm und den Skelettmuskeln, was auch als Muskel-Darm- oder Darm-Muskel-Achse bezeichnet wird. Die Darmflora produziert kurzkettige Fettsäuren, um Nahrungsfasern verarbeiten zu können, die nach körperlicher Aktivität in erhöhtem Maße gefunden werden. Sie sind wichtig für die Pflege des Darmepithels und eine gute Darmfunktion und spielen vor allem eine Rolle bei der Regulierung des Glucose- und Energiestoffwechsels, des Fettstoffwechsels und des Immunsystems (Morrison et al., 2016).

 

Wirkungen der Dysbiose auf den Darm

Bei einer ungünstigen Entwicklung der vier vorstehend genannten Punkte kann das Mikrobiom sein Gleichgewicht verlieren. Dann liegt eine Dysbiose vor. Eine Dysbiose wird mit verschiedenen Krankheitsbildern in verschiedenen Bereichen assoziiert (Weiss et al., 2017), darunter:

• Verdauung (Bauchschmerzen, Verstopfung)
• Stoffwechsel (metabolisches Syndrom, Diabetes mellitus und Adipositas)
• Immunsystem (Entzündungen, Allergien, Ekzem, Zöliakie und chronische Entzündungen des Magen-Darmkanals, darunter Morbus Crohn und Colitis ulcerosa)
• Nervensystem (Autismus, neurodegenerative Erkrankungen, darunter multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit und Alzheimer-Krankheit)
• Lunge (Asthma, Bronchitis, COPD)

 

Wissen in der Praxis

Bewegung kann als Teil einer Behandlung zum Erhalt eines ausgewogenen Mikrobioms eingesetzt werden oder um dieses nach einer Dysbiose wieder ins Gleichgewicht zu bringen. So kann man den Gesundheitsstatus verbessern. Trotzdem sind weitere Studien nötig, um die Prozesse, die die Zusammensetzung und Funktion der Darmflora verändern, noch besser zu erfassen.

Zusammengefasst: Eine gute Gesundheit beginnt im Darm, wobei neben einer Intervention in die Ernährung - bestehend aus guter, faserreicher und zuckerarmer Nahrung - und einer Intervention zur Stressverminderung auch eine Bewegungsintervention bestimmt nicht außer Acht gelassen werden sollte.

 

Literatur

Browne, P. D., Claassen, E., & Cabana, M. D. (2017). Microbiota in health and disease: From pregnancy to childhood. Wageningen Academic Publishers, 1-344. https://doi.org/10.3920/978-90-8686-839-1_1

Monda, V., Villano, I., Messina, A., Valenzano, A., Esposito, T., Moscatelli, F., Viggiano, A., Cibelli, G., Chieffi, S., Monda, M., & Messina, G. (2017). Exercise Modifies the Gut Microbiota with Positive Health Effects. Oxidative Medicine and Cellular Longevity, 2017, 3831972. https://doi.org/10.1155/2017/3831972

Morrison, D. J., & Preston, T. (2016). Formation of short chain fatty acids by the gut microbiota and their impact on human metabolism. Gut Microbes, 7(3), 189–200. https://doi.org/10.1080/19490976.2015.1134082

Ortiz-Alvarez, L., Xu, H., & Martinez-Tellez, B. (2020). Influence of Exercise on the Human Gut Microbiota of Healthy Adults: A Systematic Review. Clinical and Translational Gastroenterology, 11(2), e00126. https://doi.org/10.14309/ctg.0000000000000126

Segata, N. (2015). Gut Microbiome: Westernization and the Disappearance of Intestinal Diversity. Current Biology: CB, 25(14), R611-613. https://doi.org/10.1016/j.cub.2015.05.040

Weiss, G. A., & Hennet, T. (2017). Mechanisms and consequences of intestinal dysbiosis. Cellular and Molecular Life Sciences: CMLS, 74(16), 2959–2977. https://doi.org/10.1007/s00018-017-2509-x

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