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Burnout – wie erkennen?

Dienstag 30 Januar 2018
Zahlen von CBS und TNO zeigen, dass Burnout ein wachsendes Problem darstellt. Die Zahl der von Burnout Betroffenen hat zwischen 2013 und 2017 von 12,4 Prozent auf 14,6 Prozent zugenommen. Wie erkennt man die Symptome und was kann man dagegen tun?

Burnout ist in Wirklichkeit nichts anderes als die Endstation von chronischem Stress. Wer dort ankommt, ist physisch, psychisch und emotional vollkommen ausgebrannt. Aber wie erkennt man frühzeitig die Anzeichen eines Burnouts? Und was kann man tun, wenn es soweit ist? Dazu wollen wir zunächst einmal den evolutionären Hintergrund von Stress betrachten.

 

Chronischer und akuter Stress

Akuter Stress ist ein Bestandteil der Flucht-Kampf-Reaktion, eines wichtigen Überlebensmechanismus, der sich bereits vor Hunderten von Millionen Jahren bei den Fischen entwickelt hat. Chronischer Stress ist hingegen ein evolutionärer Neuling, mit dem wir noch nicht umzugehen gelernt haben.

Unsere heutige Lebenswelt steckt voller Stressoren. Ein wichtiger Faktor hierbei ist, dass das Gehirn keinen Unterschied zwischen einem realen Grund für Stress – einem Raubtier, das uns auf den Fersen ist – oder einem imaginären Grund – der Angst, die Hypothek nicht mehr abzahlen zu können – macht. Die physiologische Reaktion ist in beiden Fällen dieselbe.

Das führt dazu, dass die Flucht-Kampf-Reaktion dauernd aktiviert wird, und dafür muss der Körper ständig Energie bereitstellen. Diese Energie gelangt folglich nicht zu anderen Organen, die für einen gut funktionierenden Stoffwechsel im Körper wichtig sind. Mit anderen Worten: Während wir aus evolutionären Gründen gut mit akutem Stress zurechtkommen, ist unser Genom nicht auf eine sechzigstündige Arbeitswoche, eine zu hohe Arbeitslast oder die Verpflichtungen, die eine hohe Hypothek mit sich bringt, vorbereitet.

 

Arbeit und Burnout

Der ein Burnout verursachende übermäßige Stress kann aus Arbeitssucht, nicht-adaptivem Perfektionismus und übertriebenem Pflichtgefühl entstehen. Übermäßiger Stress bei der Arbeit kann jedoch auch dann entstehen, wenn die Bedürfnisse oder Fähigkeiten des Arbeitnehmers nicht mit der Art der Arbeit übereinstimmen. Zu hoher oder gerade auch zu niedriger Arbeitsdruck, letzterer wegen des Gefühls der Sinnlosigkeit, aber auch mangelnde Klarheit bezüglich Zuständigkeiten und Funktionen können stressgenerierend sein.

Ein Burnout entsteht, wenn die extreme Arbeitsbelastung auf Dauer so hoch ist, dass sie letztlich zu physischer und psychischer Erschöpfung führt. Jemand bricht mit einem Mal emotional, körperlich und kognitiv zusammen. Es mag dann vielleicht so scheinen, als ob das Burnout plötzlich entstanden sei, aber in Wirklichkeit handelt es sich dabei immer um einen schleichenden Prozess.

Im Allgemeinen sind Beschäftige in Berufen mit intensivem zwischenmenschlichen Kontakt, zum Beispiel Pflegepersonal, Lehrer und Manager, einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Auch eine schlechte Arbeitsatmosphäre kann ein Problem darstellen. Darüber hinaus gibt es auch noch weitere Faktoren, die das Risiko eines Burnouts erhöhen.

 

Woran erkennt man ein Burnout?

Charakteristische Anzeichen von Burnout sind unter anderem:

  • keine Lust zu arbeiten haben und dennoch völlig von der Arbeit in Anspruch genommen sein,
  • an Konzentrations- und Gedächtnisproblemen leiden,
  • erschöpft, reizbar und vergesslich sein,
  • Gefühle von Inkompetenz, Schuld und Versagen haben,
  • zum Grübeln neigen und unter Schlaflosigkeit leiden,
  • chronisch unter Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Muskelschmerzen leiden,
  • erhöhten Blutdruck oder Insulinresistenz zeigen.

In der Regel werden diese Symptome von den Betroffenen ignoriert oder geleugnet. Wer jedoch trotz dieser Symptome immer weitermacht, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Zwölf-Phasen-Modell

Ein nützliches Hilfsmittel zur Bestimmung des Stadiums von Burnout liefert das Zwölf-Phasen-Modell von Freudenberger und North. Diesem Modell zufolge können bei der Entwicklung von Burnout die folgenden Phasen (jedoch nicht unbedingt immer gleich stark ausgeprägt und in der gleichen Reihenfolge) auftreten:

–  der (fast schon besessene) Zwang, sich zu beweisen,

–  immer mehr und härter zu arbeiten ohne damit aufhören zu können,

–  sich selbst in Bezug auf Schlaf, Ernährung und soziale Interaktion zu vernachlässigen,

–  Konfliktvermeidendes Verhalten, Probleme werden verleugnet,

–  nur die Arbeit ist wichtig, Freunde, Familie und Hobbys werden als unwichtig empfunden,

–  entstehende Probleme werden dem Zeit- und Arbeitsdruck zugeschrieben,

–  Rückzug in sich selbst, Gefahr von Suchtverhalten zur Stressreduktion,

–  Verhaltensänderungen beginnen Freunden und Familie aufzufallen,

–  Depersonalisation: sich und andere für wertlos halten, eigene Bedürfnisse werden nicht mehr wahrgenommen,

–  innere Leere und das Bedürfnis, dieses Gefühl durch das übertriebene Suchtverhalten aufzufüllen,

–  Depressionen,

–  Burnout-Syndrom.

 

Warum Medikamente kaum helfen

Hausärzte verschreiben hier schnell Medikamente gegen Depressionen wie zum Beispiel trizyklische Antidepressiva, moderne selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und MAO-Hemmer. Das Absetzen dieser Medikamente ist jedoch oft sehr schwierig. Häufig ist die Angst vor einem Rückfall sehr groß. Daher können Entzugssymptome gelegentlich mit der Rückkehr der Störung verwechselt werden. Darum werden diese Medikamente höher dosiert und länger eingenommen als nötig.

Nicht zu vergessen sind außerdem die unzähligen Nebenwirkungen, die diese Medikamente mit sich bringen können wie zum Beispiel: trockener Mund, verschwommenes Sehen, Schwindel, Benommenheit, Magen-Darm-Beschwerden, Harnverhalt, Nervosität, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Gewichtszunahme, Schlaflosigkeit, sexuelle Dysfunktionen, Blutgerinnungsstörungen und sogar verminderte Herzfunktion. Was sind die Alternativen und möglichen (orthomolekulare) Ergänzungen?

 

Ernährung und Nährstoffe

Obwohl ein Burnout nicht in erster Linie durch schlechte Ernährung verursacht wird, kann eine gute Ernährung zur adaptogenen Kapazität und zur Genesung beitragen. Hier sollte an eine Ernährung gedacht werden, wie sie in früheren Zeiten einmal üblich war, mit so wenig verarbeiteten Produkten wie möglich: Gemüse, Obst, Nüsse, Samen, Eier, Fleisch und Fisch.  Darin sind viele Substanzen enthalten, die für eine gute Funktion des zentralen Nervensystems wichtig sind. Auch adaptogene Pflanzen können von Nutzen sein. 

Sport

Beim Vorliegen eines (imaginären) Stressors werden Stresshormone gebildet. Dadurch steigen Blutdruck und Herzfrequenz, die Muskeln spannen sich an, die Sinne werden geschärft und die Schmerzempfindlichkeit nimmt ab. Mit anderen Worten: Der Körper wird auf eine intensive körperliche Anstrengung vorbereitet, zum Beispiel um wegzulaufen. Aber diese Anstrengung bleibt aus. Körperliche Anstrengung wie etwa Sport hilft Stresshormone abzubauen. Dieser Abbau ist bei akutem Stress eine normale Folge der Flucht-Kampf-Reaktion, sodass bei akutem Stress ausgeschlossen ist, dass sich der Stress chronifiziert.

Social Media und Nachrichten

Aufgrund unseres evolutionären Werdegangs sind wir Menschen vermutlich nicht in der Lage, mit mehr Kommunikationspartnern als einer Gruppe von bis zu 150 Personen zu interagieren, wobei Verwandtschaft und Familie im Mittelpunkt stehen. Bei Social Media wird diese Grenze vollkommen gesprengt. Dadurch erhalten wir viel mehr Informationen über das Leben und insbesondere auch über die Sorgen und Nöte anderer, als es in der Vergangenheit der Fall war. Das alles sind imaginäre Stressoren, meist abstrakt und nicht beeinflussbar, aber dennoch durchaus stresserzeugend. Wenn ein Klient kurz vor einem Burnout steht, ist es daher ratsam, Social Media und Nachrichten zu reduzieren. Niemand ist in der Lage, allein die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern zu tragen, insbesondere, wenn er ein Burnout hat.

Sozialer Kontakt

Sozialer Kontakt und Entspannung sind essenziell für das Wohlbefinden. Der Umgang mit wohlwollenden, nahestehenden Menschen kann eine große Hilfe sein. Kognitive Therapie, Achtsamkeit und Meditation können helfen, negative Denkmuster abzubauen. Die Loslösung von diesen negativen Gedanken ist unverzichtbar für eine erfolgreiche und dauerhafte Genesung.

 

Quellen

https://www.volkskrant.nl/wetenschap/aantal-burn-outs-schrikbarend-gestegen-en-dat-komt-deels-door-de-wildgroei-van-tijdelijke-contracten~a4537868/.

https://www.nrc.nl/nieuws/2017/02/09/ons-alarmsysteem-gaat-te-vaak-af-6619980-a1545503

https://www.ggzgroep.nl/klachten/burn-out

Kraft, U. (2006, July). Burned Out. Scientific American Mind, 17(3), 29–33.

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