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Desensibilisierung und Immunmodifikation bei Allergien

Donnerstag 19 April 2018

Früher wurde Eltern von Säuglingen und Kleinkindern davon abgeraten, ihrem Nachwuchs Nahrungsmittel zu verabreichen, die allergene Substanzen enthalten, weil man glaubte, dies würde das Risiko einer Allergie im späteren Leben erhöhen. Heute geht man jedoch eher davon aus, dass eine frühzeitige Exposition Allergien verhindern kann. Daher hier ein kurzer Blick auf Desensibilisierung und Immunmodifikation.

Es gibt Menschen, die so allergisch auf Erdnüsse reagieren, dass bereits kleinste Spuren davon in einem Lebensmittel zu einem anaphylaktischen Schock führen können. Menschen mit Erdnussallergie sollten daher immer genau darauf achten, was sie essen, denn das Allergen könnte (in Spuren) völlig unvermutet fast überall in der täglichen Nahrung enthalten sein. Millionen von Kindern sind gegen Erdnüsse allergisch. Dies kann besonders bei Müttern von Kindern mit Erdnussallergie zahlreiche Ängste auslösen. Im Folgenden werden zwei Methoden zur Linderung von Erdnuss- und eventuell auch anderen Allergien bei Kindern beschrieben: Desensibilisierung und Immunmodifikation.

Eine Warnung vorweg: Diese Methoden dürfen nicht in der therapeutischen Praxis oder zu Hause durchgeführt werden: Es kann zu gefährlichen Situationen kommen. Daher dürfen sie nur in sehr sicheren Umgebungen durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass Kinder, bei denen Reaktionen auftreten, sofort behandelt werden können.

 

Desensibilisierung

Früher wurde Eltern von Säuglingen und Kleinkindern davon abgeraten, ihrem Nachwuchs Nahrungsmittel zu verabreichen, die allergene Substanzen enthalten, weil man glaubte, dies würde das Risiko einer Allergie im späteren Leben erhöhen. Heute geht man jedoch eher davon aus, dass eine frühzeitige Exposition Allergien verhindern kann. Aber natürlich nur mit aller gebotenen Vorsicht und in angemessener Form, da ansonsten Erstickungsgefahr auftreten kann. Aus dieser Sichtweise heraus wurde damit begonnen, Allergiker zu desensibilisieren, indem man sie nach und nach immer stärker dem Allergen aussetzt.

In einer Doppelblindstudie (n=500) bauten Kinder (>4, <13 Jahre) Toleranz auf, indem sie über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg immer mehr Kapseln mit Erdnusspulver über die Nahrung verteilt zu sich nahmen. Das schließlich erreichte Niveau behielten sie sechs Monate lang bei. Am Ende der Studie konnten 67 Prozent der Kinder, die diese Behandlung erhalten hatten, das Äquivalent von etwa zwei Erdnüssen vertragen, verglichen mit nur 4 Prozent bei der Placebogruppe.

Vor der Desensibilisierung hatten manche bereits beim Zehntel einer Erdnuss Reaktionen gezeigt.

Bei der Desensibilisierung wurden selbstverständlich ausschließlich vollkommen sichere Dosierungen verwendet. Dennoch stiegen 20 % der Erdnussgruppe frühzeitig aus dem Experiment aus, davon 12 % wegen Reaktionen oder sonstiger Probleme. Das zeigt, dass Desensibilisierung nicht unbedingt für jeden geeignet ist. Bei einigen Teilnehmern zeigten sich zu viele Nebenwirkungen, sodass sie die tägliche Dosis nicht einnehmen konnten.

Es handelt sich also nicht um eine Heilung, nach der das Allergen wieder vollständig in die Nahrung integriert werden kann. Aber wenn die Behandelten anschließend eine Erdnuss tolerieren können, sind sie zu 95 % vor einer ernsten oder sogar tödlichen Reaktion geschützt, wenn sie versehentlich eine Erdnuss zu sich nehmen. Zurzeit ist noch unbekannt, was nach einem (vorzeitigem) Abbruch der Behandlung geschieht.

Sobald diese Behandlung von der amerikanischen Food and Drug Administration genehmigt wurde, kann sie auch in den Niederlanden zugelassen werden.

 

Beim anaphylaktischen Schock handelt es sich um eine lebensbedrohliche Immunantwort. Daher wurde untersucht, wie das Immunsystem dazu gebracht werden kann, normal zu reagieren, wenn das Allergen in den Körper gelangt.

Bei einer normalen Immunantwort wirkt Th2 gemeinsam mit Th1, bei allergischen Reaktionen wird jedoch zu viel Th2 gebildet und die Th1-Bildung heruntergefahren. Wenn dies verhindert werden könnte, wäre das Problem vielleicht gelöst. Die Zufuhr von Th1-Cytokinen vor der Allergenexposition zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts könnte daher eine geeignete Behandlung darstellen. Diese Cytokine sind recht schwierig zu verabreichen, gelingen könnte dies jedoch mithilfe von Nanopartikeln.

Bei Erdnussallergie-Mäusen wurden Nanopartikel in die Haut injiziert, die mit den benötigten Antigenen und Cytokinen gefüllt waren. Diese Nanopartikel wanderten dann bis in die Lymphknoten, wo sie sich auflösten. Die Antigene und Cytokine blieben zurück, um ihre Wirkung an der Quelle der Immunantwort zu entfalten. Tiere, die diese Therapie erhielten, erlitten keinen anaphylaktischen Schock, als sie anschließend Erdnüssen ausgesetzt wurden.

Die neue Toleranz war lang anhaltend, sodass es nicht notwendig war, sie vor jeder Exposition gegenüber dem Allergen zu wiederholen. Man könnte daher von einer Umprogrammierung des Immunsystems sprechen. Theoretisch könnte dieser Ansatz auch auf andere Allergene ausgedehnt werden, sogar auf Umwelteinflüsse wie Staub und Pollen. Das Konzept hat sich demnach im Prinzip bewährt, nun muss Forschung am Menschen folgen.

 

Literatur

Reducing peanut allergy risks in children—The Nurse Practitioner presents update

https://medicalxpress.com/news/2018-02-treatment-peanut-allergies.html#nRlv

Ashley L. St. John, Gladys W.X. Ang, Abhay P.S. Rathore, Soman N. Abraham. Reprograming Immunity to Food Allergens. Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2018; DOI: 10.1016/j.jaci.2018.01.020
Du Toit G. Roberts G. Sayre PH. et al. Randomized Trial of Peanut Consumption in Infants at Risk for Peanut Allergy The New England Journal of Medicine Feb 26, 2015 Massachusetts Medical Society

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