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Fruchtgetränke mit Fructose, was halten die Nieren davon?

Mittwoch 20 Februar 2019

Im Grunde wissen wir schon seit längerem, dass zuckerhaltige Getränke schlecht für die Gesundheit sind. Was das jedoch für die Nierenfunktion bedeutet, war im Großen und Ganzen noch weitgehend unbekannt. Nun hat eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern aus dem US-Bundesstaat Mississippi gezeigt, dass hoher Fruchtsaftkonsum auch mit einem Risiko für chronische Nierenerkrankungen verbunden ist.

 

Die Studie war Teil der Jackson Heart Study, aus der 3003 Männer und Frauen mit gesunder Nierenfunktion ausgewählt wurden. Das Konsumverhalten von Erfrischungsgetränken wurde prospektiv mit Hilfe von Fragebögen zur Häufigkeit von Nahrungsmittelkonsum gemessen. Den Teilnehmern wurde acht Jahre lang gefolgt. Die glomeruläre Filtrationsrate wurde als Maß für das Vorliegen von chronischem Nierenversagen verwendet (Rebholz, 2019).

 

Leichte und starke Konsumenten

Das Trinkverhalten wurde in vier Trinkmuster unterteilt, nämlich den Konsum von 1) alkoholischen Getränken, 2) Obst- und Gemüsegetränken, 3) fettreduzierten Getränken mit Zuckerersatzstoffen und 4) Getränken mit Zuckergehalt einschließlich Softdrinks und zuckerhaltigen Fruchtsäften. Gefragt wurde übrigens auch danach, wie häufig ganz normales Wasser getrunken wurde. Der Häufigkeit des Konsums der Getränke wurde in Werte von 1 bis 3 eingeteilt, wobei die niedrigste Punktzahl als Referenz diente. Je mehr Getränke pro Woche konsumiert wurden, desto höher die Punktzahl (Rebholz, 2019).

 

Zuckerhaltige Getränke sind eher bedenklich

Sechs Prozent der gesunden Männer und Frauen entwickelten während der Studie eine chronische Nierenerkrankung. Bei den ersten drei Trinkmustern wurde kein Zusammenhang mit Nierenversagen festgestellt. Das Trinken von zuckerhaltigen Getränken war hingegen signifikant mit dem Risiko der Entwicklung einer chronischen Nierenerkrankung verbunden. In dieser Gruppe unterlagen die Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl einem um 61 Prozent höheren Risiko, an einer chronischen Nierenerkrankung zu erkranken, als die Referenzgruppe mit der niedrigsten Punktzahl bei diesem Trinkmuster (Rebholz, 2019).

Dieses Resultat war unabhängig von Energieaufnahme, Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, BMI, Rauchverhalten, Bewegungsmuster, Bluthochdruck, Diabetes, Cholesterin, früheren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenfunktion bei Studienbeginn (Rebholz, 2019).

 

Fructose als Übeltäter?

Die Forscher spekulieren über den zugrunde liegenden Mechanismus dieses erhöhten Risikos. Übermäßiger Konsum von zuckerhaltigen Getränken kann zur Entwicklung von Adipositas beitragen. Diese bildet einen Risikofaktor für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch für chronisches Nierenversagen. Es könnte auch sein, dass die in zuckerhaltigen Getränken enthaltene Fructose die Ursache ist. Das Monosaccharid erhöht auf verschiedene Arten die Serumharnsäurekonzentration. Sorgfältige epidemiologische Studien haben gezeigt, dass dieser Anstieg ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung chronischer Nierenschäden ist (Mwasongwe et al. 2018).

 

Zucker und Darmflora

Gerne möchten wir noch viel mehr darüber wissen, welche Rolle die Darmflora bei der Entstehung von Nierenerkrankungen spielt, unter anderem, wenn die Nahrung (viel) Zucker enthält. Schon jetzt belegen wissenschaftliche Fakten, wie wichtig diese Frage ist. So weist zum Beispiel eine neue Tierstudie auf den Einfluss verschiedener Saccharide auf die Zusammensetzung von Darmkolonien hin (Townsend et al. 2019).

 

Quellen

Casey M., Rebholz, Bessie A. Young, Ronit Katz, Katherine L. Tucker, Teresa C. Carithers, Arnita F. Norwood and Adolfo Correa (2019). Patterns of Beverages Consumed and Risk of Incident Kidney Disease. Clinical Journal of American Society of Nephrology. 14 (1): 49-56. Doi: 10.2215/CJN.06380518

Mwasongwe, S.E., Fülöp, T., Katz, R., Musani, S.K., Sims, M., Correa, A., Flessner, M.F., Young, B.A. (2018). Relation of uric acid level to rapid kidney function decline and development of kidney disease: The Jackson Heart Study. J Clin Hypertens (Greenwich). 20(4):775-783. Doi: 10.1111/jch.13239.

Townsend, G.E., Han, W., Schwalm, N.D., Raghavan, V., Barry N.A., Goodman, A.L., Groisman, E.A. (2019). Dietary sugar silences a colonization factor in a mammalian gut symbiont. PNAS. 116(1) 233-238. Doi: 10.1073/pnas.1813780115

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