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Gehirn in der Natur aufladen

Montag 30 September 2019

Nicht immer fällt es leicht, den ganzen Tag über gleich konzentriert zu bleiben. Nun zeigt sich, dass sich die Konzentrationsfähigkeit schneller regeneriert, wenn man sein Gehirn bei einem kurzen Aufenthalt in der Natur wieder „auflädt“. Aber nur, wenn man dabei Laptop und Handy zu Hause lässt.

 

Wenn man sich konzentriert, ist das Gehirn ständig damit beschäftigt, unwichtige Dinge auszublenden. Dabei geht es nicht nur um störende Reize aus der Umwelt, sondern auch um die eigenen Gedanken, die mitunter versuchen, sich auf unerwünschte Weise selbstständig zu machen. Das ist anstrengend und kostet viel Energie. Dadurch fällt es einem auf die Dauer immer schwerer, die Konzentration aufrechtzuerhalten. Dies gilt nicht nur bei der Arbeit, sondern im Grunde überall, wo es um Konzentration geht. Hierzu gehören auch Tätigkeiten wie das Entwerfen und Ausführen von Plänen, Bewerten und Benoten, Lernen, Lösen von Problemen und die Pflege sozialer Beziehungen. Gegen nachlassende Konzentration hilft jedoch vielleicht ein ganz einfaches Rezept: die „Attention Restoration Theory“.


Dieser Theorie zufolge hilft ein Aufenthalt in einer natürlichen Umgebung dem Menschen, sich von geistiger Ermattung zu erholen. Natürliche Umgebungen und Szenerien wie Wasserfälle helfen unserem Gehirn, sich zu entspannen und so den Geist neu „aufzuladen“. Aber funktioniert dieser Regenerationseffekt auch dann, wenn man in der Natur einen Laptop benutzt? Diese Frage stellte sich ein Professor an der University of Illinois und startete dazu mit seinen Kollegen eine Studie.

 

Die Studie

In der Studie wurden die 81 Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in vier Gruppen eingeteilt: Zwei Gruppen verbrachten ihre Pause in einer grünen Umgebung, die eine mit und die andere ohne Laptop. Die anderen beiden Gruppen verblieben auch während der Pause in einer eintönigen Umgebung, die nur kahle Mauern als Ausblick bot. Auch hier erhielten die Mitglieder der einen Gruppe einen Laptop und die der anderen nicht. Überall gab es eine Internetverbindung, jedoch durften die Laptops während der Pause nicht für Arbeitszwecke verwendet werden. Freizeitaktivitäten wie das Anschauen von Social Media, Nachrichten, YouTube, Blogs, E-Mails, Online-Shopping und Spielen waren jedoch erlaubt.


Alle Teilnehmer absolvierten direkt eingangs einen Konzentrationstest und wurden anschließend 10 Minuten lang mit kognitiven Aktivitäten gefordert. Darauf folgte dann ein zweiter Konzentrationstest, gefolgt wiederum von einer der oben genannten 15-minütigen Pausenvarianten. Nach der Pause absolvierten die Teilnehmer dann einen weiteren Konzentrationstest. Nur diejenigen, die die Pause in einer grünen Umgebung ohne Laptop verbracht hatten, zeigten bei diesem letzten Test eine deutliche Verbesserung ihrer Ergebnisse. Beim Rest hatte die 15-minütige Pause keinerlei Effekt gebracht. Der Effekt war genauso, als hätten die Betroffenen überhaupt keine Pause eingelegt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Fachzeitschrift Environment and Behavior veröffentlicht.

 

Fazit

Die Regeneration der Konzentrationsfähigkeit, die beim Aufenthalt in der Natur normalerweise auftritt, wird durch die Verwendung technischer Apparate zunichte gemacht. Wenn Sie oder Ihr Klient also eine Pause brauchen, gehen Sie nach draußen und lassen Sie dabei ihre Mobilgeräte in der Schublade oder auf dem Schreibtisch. Selbst wenn Sie diese für scheinbar entspannende Aktivitäten wie das Betrachten von Social Media verwenden werden, hat dies nachteilige Auswirkungen auf ihr Gehirn. Nicht nur, dass ein ausgeruhtes Gehirn effektiver arbeitet, auch das Risiko eines Burnouts lässt sich so vielleicht wesentlich reduzieren. Kurzum: Hier gibt es noch jede Menge zu erforschen.

 

Literatur

Bin Jiang et al. How to Waste a Break: Using Portable Electronic Devices Substantially Counteracts Attention Enhancement Effects of Green Spaces, Environment and Behavior (2018)

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