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Genom nicht an monotone Ernährung gewöhnt

Dienstag 12 Dezember 2017
Dies ist seit Jahrzehnten eine zentrale Aussage unserer Ausbildungen: Wir leben gesünder, wenn wir uns so ernähren wie unsere Vorfahren. Eine neue, in der Fachzeitschrift Nutrition Reviews erschienen Vorveröffentlichung bestätigt einmal mehr, dass unser Genom mit „Grundgetreide und monotoner Ernährung“ allein nicht viel anfangen kann.

Die in den Nutrition Reviews erschienene Vorveröffentlichung befasst sich eingehend mit der Lücke, die sich den letzten zehntausend Jahren zwischen den Bedürfnissen unseres Genoms und dem heutigen Nahrungsangebot entwickelt hat [1]. Hierbei bauen die Forscher auf der Arbeit von Konner und Boyd Eaton aus dem Jahr 1985 auf. Deren berühmter Artikel im New England Journal of Medicine bildet noch heute die wissenschaftliche Grundlage der urzeitlichen Ernährung [2]. Auch Loren Cordain, bekannt aus „Die Paleo-Diät“, verwendet ihre Theorien als Grundlage.

 

Urzeitliche Ernährung zum Begriff geworden

Inzwischen wurde im Kielwasser dieser wissenschaftlichen Bewegung viel zur urzeitlichen Ernährung geforscht und sie ist mittlerweile zum vieldiskutierten Begriff avanciert. Die zugrundeliegende Theorie wird kontinuierlich auf unterschiedlichste Weise überprüft, zum Beispiel durch Erforschung der Hadza, doch bleiben die Schlussfolgerungen im Grunde immer die gleichen: Unser Genom benötigt diejenige Nahrung, mit der wir uns über Hunderttausende von Jahren ernährt haben. Dies konstatieren auch die Forscher in den Nutrition Reviews: „Es ist notwendig, unsere heutigen Ernährungssysteme besser auf die Ernährungsmuster auszurichten, wie sie in unserer evolutionären Vergangenheit bestanden haben.“

Dabei gelangen die Forscher zu dem Schluss, dass wir uns vor allem um eine höhere Qualität unserer Nahrung bemühen müssen. Hierzu müssen beispielsweise die Makronährstoffverhältnisse umgestellt werden, um insbesondere den Kohlenhydratanteil zu reduzieren. In einer bereits zuvor in diesem Jahr in The Lancet veröffentlichten Studie hatte sich in der Tat gezeigt, dass eine hohe Aufnahme von Kohlenhydraten mit einem höheren Risiko für vorzeitiges Sterben an allen Todesursachen assoziiert war [3].

 

Stiftung Voedingscentrum Nederland und WHO

Die Stiftung Voedingscentrum Nederland vertritt die Auffassung, dass 40 bis 70 Energieprozent unserer Nahrung aus Kohlenhydraten bestehen sollten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine vergleichbare Bandbreite: zwischen 55 und 75 Prozent. Doch wie ernähren sich eigentlich heute lebende Jäger und Sammler, deren Daten uns bekannt sind?

Von maximal 35 Prozent Kohlenhydrate, mit hoher Varianz nach unten, wenn der Lebensraum über dem 41. nördlichen Breitengrad liegt [4]. Die geschätzte Obergrenze bei Jägern und Sammlern liegt somit unter den von der Stiftung Voedingscentrum Nederland und der WHO angegebenen Untergrenzen. Daher erscheint eine Revision der Kohlenhydratempfehlung als durchaus berechtigt. Umso mehr, als es immer deutlicher wird, dass eine Reduktion von Kohlenhydraten auch der psychischen Gesundheit förderlich ist [5].

 

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Vielfältige Ernährung zu empfehlen

Ein weiterer, von den Wissenschaftlern behandelter Punkt betrifft die Breite der Ernährung. Der heutige Mensch ernährt sich zu abwechslungsarm, sodass sein Nährstoffbedarf nur unzureichend gedeckt wird. Aber was soll man denn nun essen?

Neueste Studien räumen mit der Vorstellung auf, dass unsere Vorfahren in erster Linie in der Savanne lebende Fleischesser waren [6]. Neben reichlich Fisch, Muscheln und ein wenig Fleisch scheinen wir uns vor allem von vielen Pflanzen ernährt zu haben. Mindestens fünfundfünfzig verschiedenen Arten, erklären die Forscher. An diese Form der Ernährung hat sich unser Genom angepasst.

Seit zwei oder drei Generationen ernähren wir uns jedoch vorwiegend nur noch von stark verarbeiteten Lebensmitteln. Infolge der landwirtschaftlichen Revolution ist die Vielfalt aus unserer Ernährung verschwunden. Hierin liegt eine wesentliche Erklärung für die Zunahme der Krankheitsbelastung.

Eine vielfältigere Ernährung bietet jedoch eine reichhaltigere Zufuhr an Nährstoffen, sodass wir nicht oder mit geringerer Wahrscheinlichkeit krank werden. Außerdem stellt eine breitere Ernährungsbasis sicher, dass wir in Zeiten von Knappheit auf mehr Energiequellen zurückgreifen können. Weiterhin wird die Aufnahme von Toxinen – zum Beispiel bei einseitiger Ernährung mit nur einer Pflanzenart – verringert. Daher gibt es viele Gründe, um wieder die nötige Abwechslung in unsere Ernährung zurückzubringen!

 

Ultra-verarbeitete Lebensmittel

Mit ihrer neuen Studie treffen die Forscher genau den wunden Punkt unserer heutigen Ernährungsweise [1]. Es scheinen nicht nur der Mangel an Abwechslung und die zu vielen Kohlenhydrate zu sein, die uns krank machen. Bestimmte Nährstoffe sollten wir ihrer Auffassung nach überhaupt nicht zu uns nehmen, weil sie nicht zu uns passen.

„Sowohl Mangel- als auch Überernährung können auf eine Ernährungsweise zurückzuführen sein, die von unserem evolutionär erworbenen, tatsächlichen Nahrungsbedarf abweicht. Dies betrifft insbesondere die von uns verzehrten Mengen an bestimmten Nahrungsmitteln wie zum Beispiel Grundgetreide und ultra-verarbeiteten Lebensmitteln. Öle, Mehl und Zucker waren keine Bestandteile unseres evolutionären Speisezettels. Dies könnte eine der wichtigsten Ursachen für Mangelernährung unter heutigen Bedingungen darstellen.“

Hierbei muss Mangelernährung als ein Zuwenig an qualitativ hochwertiger Nahrung gesehen werden. Qualitativ hochwertige Nahrung enthält ausreichende Mengen von Mikronährstoffen, das richtige Verhältnis an Makronährstoffen, keine verarbeiteten Lebensmittel und ausreichende Vielfalt. Als Folge von nährstoffarmer Nahrung „verhungern wir mitten im Überfluss“. Das genau ist die Botschaft, die wir seit Jahrzehnten in unseren Ausbildungen vermitteln und die durch evidenzbasierte Wissenschaft immer wieder aufs Neue bestätigt wird.

 

Literatur

[1] Genome–nutrition divergence: evolving understanding of the malnutrition spectrum, Nutrition Reviews, doi.org/10.1093/nutrit/nux055

[2] Eaton SB, Konner M, Paleolithic nutrition. A consideration of its nature and current implications, N Engl J Med. 1985 Jan 31;312(5):283-9.

 

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