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Hyperthermie vorteilhaft bei Depression

Dienstag 23 Januar 2018
Neben Gesprächstherapie, Ernährung, Bewegung und Supplementierung stehen Ihnen noch weitere Strategien zur Verfügung, um die Lebensqualität Ihrer depressiven Klienten zu verbessern. Zum Beispiel durch Anwenden einer hyperthermischen Umgebung, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Seit vielen Jahren sind die Behandlungsansätze bei Depression Gegenstand intensiver Forschung und zugleich heftig umstritten. Trotz der Fortschritte bei den therapeutischen Optionen spricht ein Drittel der depressiven Patienten nicht positiv auf die Einnahme von konventionellen Antidepressiva an. Viele Kliniker versehen diesen Ansatz daher inzwischen mit einem großen Fragezeichen. Aus Untersuchungen geht nämlich hervor, dass – abhängig von der Art der Depression – Patienten ebenso gut von kognitiver Verhaltenstherapie, gesunder Ernährung und/oder körperlicher Aktivität profitieren (Gartlehner, 2016, Stanton 2014).

 

Hyperthermisch baden

Es besteht also ein mehr als deutlicher Bedarf an effektiveren Behandlungen mit weniger Nebenwirkungen. Daher rücken komplementäre Behandlungsmethoden wie hyperthermisches Baden zunehmend stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Bei dieser Behandlung wird die Temperatur des gesamten Körpers mehrere Stunden lang erhöht. Diese Wärmebehandlung bewirkt unter anderem die Aktivierung bestimmter Bereiche des Gehirns wie zum Beispiel der Nuclei raphes (serotonerge Hirnstammkerne), die an der Stimmungsregulation beteiligt sind und mit positiven Emotionen im Zusammenhang stehen. Dies kann daher positive Wirkungen auf die Stimmungsregulation ausüben.

 

Sechzig Minuten im Hitzezelt

In einer klinischen Studie wurde eine starke antidepressive Wirkung nach der hyperthermischen Behandlung beobachtet. Dreißig depressive Patienten, deren Erkrankung eine relativ hohe Punktzahl (über 16) auf der Hamilton Depression Rating Scale (HDRS) erreichte, wurden randomisiert und bis zu sechs Wochen nach der Behandlung verfolgt.

Die Behandlungsgruppe (16 Patienten) wurde einer einmaligen Hyperthermie-Behandlung unterzogen, bei der die Körpertemperatur in einem Wärmezelt auf 38,5° C erhöht wurde. Anschließend blieben die Patienten weitere 60 Minuten im Zelt liegen, um wieder abzukühlen.

Die Placebogruppe (14 Patienten) erhielt eine ähnliche Behandlung, wobei die Körpertemperatur allerdings auf nur 37,7° C erhöht wurde. Anschließend wurde die Schwere der Depression anhand der HDRS nach einer Woche und nach sechs Wochen bestimmt. In dieser Studie zeigte sich, dass die Behandlungsgruppe nach sechs Wochen einen niedrigeren – und damit günstigeren – Score als die Placebogruppe aufwies (mehr als 4 Punkte Unterschied) (Janssen 2016).

 

Infrarotsauna ebenfalls vorteilhaft

Eine weitere Studie bei Patienten mit einer milderen Form der Depression deutet darauf hin, dass auch eine Wärmebehandlung in der Infrarotsauna bei allgemeinen Beschwerden wie Lethargie, Müdigkeit und Appetitlosigkeit hilfreich sein kann (Naumann 2017). Hierzu wurden 28 Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe besuchte fünfmal pro Woche eine 15-minütige Trockensauna bei 60 Grad Celsius, gefolgt von 30 Minuten Ruhezeit auf einem Bett. Die andere Gruppe wurde keiner Wärmebehandlung unterzogen. In der Thermotherapiegruppe nahmen die subjektiven mentalen Beschwerden im Vergleich zur nichtthermischen Gruppe ab. Außerdem nahmen bei der Behandlungsgruppe die Konzentration des Hungerhormons Ghrelin und somit der Appetit signifikant zu.

 

Fazit

Ist Hyperthermie ein neues Wundermittel zur Behandlung von Depressionen? Vielleicht schon, obwohl sicherlich noch weitergehende Forschung notwendig ist, da die durchgeführten Studien noch unter einigen methodischen Einschränkungen (geringe Anzahl der Teilnehmer, kurze Follow-up-Zeiten und eine im Lauf der Zeit abnehmende Wirkung) leiden. Hinzu kommt, dass Hoffnungen und Erwartungen einen Placeboeffekt sowohl beim Patienten als auch beim Therapeuten hervorrufen können. Andererseits ist es von größter Wichtigkeit, dass weiter nach alternativen Behandlungsmethoden gesucht wird, die über andere neurobiologische Wege wirken und weniger Nebenwirkungen verursachen.

 

Literatur

Naumann J, Grebe J, Kaifel S et al.Effects of hyperthermic baths on depression, sleep and heart rate variability in patients with depressive disorder: a randomized clinical pilot trial. BMC Complement Altern Med. 2017; 17: 172. doi: 10.1186/s12906-017-1676-5

Janssen CW, Lowry CA, Mehl MR, Allen JJ, Kelly KL, Gartner DE, Medrano A, Begay TK, Rentscher K, White JJ, Fridman A, Roberts LJ, Robbins ML, Hanusch KU, Cole SP, Raison CL. Whole-Body Hyperthermia for the Treatment of Major Depressive Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2016 Aug 1;73(8):789-95. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2016.1031. PubMed PMID: 27172277.

Masuda A, Nakazato M, Kihara T, Minagoe S, Tei C. Repeated thermal therapy diminishes appetite loss and subjective complaints in mildly depressed patients. Psychosom Med. 2005 Jul-Aug;67(4):643-7. PubMed PMID: 16046381.

Gartlehner G, Gaynes BN, Amick HR, Asher GN, Morgan LC, Coker-Schwimmer E, Forneris C, Boland E, Lux LJ, Gaylord S, Bann C, Pierl CB, Lohr KN. Comparative Benefits and Harms of Antidepressant, Psychological, Complementary, and Exercise Treatments for Major Depression: An Evidence Report for a Clinical Practice Guideline From the American College of Physicians. Ann Intern Med. 2016 Mar1;164(5):331-41. doi: 10.7326/M15-1813. Epub 2015 Dec 8. Review. PubMed PMID:26857743.

Stanton R, Reaburn P. Exercise and the treatment of depression: a review of the exercise program variables. J Sci Med Sport. 2014 Mar;17(2):177-82. doi: 10.1016/j.jsams.2013.03.010. Epub 2013 Apr 18. Review. PubMed PMID: 23602562.

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