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Insulin stimuliert biologische Uhr

Sonntag 12 Mai 2019

Unsere biologische Uhr reagiert nicht nur auf Melatonin, sondern auch auf das Hormon Insulin, wie eine aktuelle Studie erstmals zeigt. Deshalb ist es wichtig, nicht nur einen gesunden Tag-Nacht-Rhythmus einzuhalten, sondern auch die Mahlzeiten gut zu „timen“.

 

Die biologische Uhr, auch bekannt als circadianer Rhythmus, ist ein 24-Stunden-Zyklus, der jede Zelle des Körpers steuert und so den täglichen Rhythmus unserer Physiologie bestimmt: vom Zeitpunkt des Schlafengehens über das Auf und Ab unserer Hormonspiegel bis zur Reaktion auf Medikamente. Dieser Biorhythmus wird hauptsächlich durch die Einwirkung von Tageslicht und den Zeitpunkt der Mahlzeiten mit der Umwelt synchronisiert. Schichtarbeit, Schlafmangel oder Jetlag stören daher die biologische Uhr.


Wir wissen, dass Melatonin – unser „Schlafhormon“ – eine wichtige Rolle bei unserem Biorhythmus spielt, aber bisher war noch ungeklärt, wie die biologische Uhr auf Mahlzeiten reagiert. In der nun vorliegenden gemeinsamen Studie des MRC Laboratory of Molecular Biology (LMB) in Cambridge und der University of Manchester wurde erstmals gezeigt, dass auch Insulin als ein primäres Kommunikationsmittel am Biorhythmus mitwirkt. Dieses Hormon wird immer dann freigesetzt, wenn wir essen. Die Studie wurde in der Zeitschrift Cell veröffentlicht. [1]

 

Insulin stimuliert das PER-Protein

Die Experimente des Forschungsteams wurden zunächst an Zellkulturen durchgeführt und dann an lebenden Mäusen wiederholt. Dabei zeigte sich, dass Insulin den circadianen Rhythmus der verschiedenen Zellen und Geweben individuell anpasst, indem es die Produktion des PER-Proteins stimuliert. Das PER-Protein wird vom sogenannten Periodengen erzeugt und bildet einen wesentlichen Bestandteil der circadianen Uhr jeder einzelnen Zelle. Die Forscher fanden heraus, dass der Biorhythmus der Mäuse gestört wurde, wenn ihnen Insulin zu den Zeiten verabreicht wurde, in denen sie normalerweise ruhen.


„Schon lange steht fest, dass das moderne Leben unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden in vielerlei Hinsicht belastet. Doch auch Dinge, die wir für normal halten, wie zum Beispiel Schlafmangel, Schichtarbeit und Jetlag stören unsere biologische Uhr und gefährden so unsere Gesundheit. Immer deutlicher zeigt sich, dass circadiane Störungen das Auftreten und den Schweregrad vieler Krankheiten erhöhen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes hervorrufen können.“ [2]


„Diese Studie zeigt, dass zum falschen Zeitpunkt eingenommene Mahlzeiten einen wesentlichen Einfluss auf unsere biologische Uhr ausüben können“, lautet daher das Resümee eines Forschers. Zu beachten sei dabei auch, dass dies nicht nur diejenigen betrifft, die Schichtarbeit verrichten, sondern dass jeder (und ganz besonders ältere Menschen), auf die Zeiten zu achten sollten, zu denen man isst. Dies sei eine wirksame Methode, um einen gesunden Biorhythmus zu bewahren.

 

Intermittent Living

Wie bereits erwähnt, besteht die primäre physiologische Rolle von Melatonin darin, den 24-Stunden-Rhythmus zu steuern, dessen offensichtlichster Aspekt sich im Schlaf-Wach-Zyklus äußert. Doch unterliegen zum Beispiel auch Körpertemperatur, Blutdruck und Harnbildung einer Tag-Nacht-Schwankung. Dieser Rhythmus wird durch den Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit und die Nahrungsaufnahme reguliert. Melatonin synchronisiert die internen Hormonspiegel mit externen Faktoren. Wird Insulin zum falschen Zeitpunkt gebildet, hat dies in der Tat eine verzerrende Auswirkung auf den Melatoninspiegel, was zu chronischen Erkrankungen wie Adipositas, metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes führen kann. [3]


Für unsere Gesundheit ist es daher essenziell, dass die Freisetzung von Melatonin und Insulin im Körper richtig funktioniert. Daher sollten Sie Ihren Klienten empfehlen, den PNI-Richtlinien zu folgen und als „moderne Jäger und Sammler“ den Lebensstil unserer Vorfahren nachzuahmen. Das bedeutet: Mahlzeiten nur zu bestimmten Tageszeiten, wobei die letzten Mahlzeit nicht nach 18.00 Uhr stattfinden sollte, regelmäßiges Fasten, kein Sport nach 20.00 Uhr, körperliche Aktivität auf nüchternen Magen, kein bläuliches Bildschirmlicht am Abend und natürlich pünktliches Zubettgehen, so wie es die biologische Uhr uns sagt.


Mehr über Melatonin erfahren Sie in dieser Monographie der Natura Foundation:
http://naturafoundation.de/monografie/melatonin.html

 

Literatur

[1] Crosby, P., Hamnett, R., Putker, M., Hoyle, N.P., Reed, M., Karam, K.J., Maywood, E.S., Stangherlin, A., Chesham, J.E., Hayter, E.A., Rosenbrier-Ribeiro, L., Newham, P., Clevers, H., Bechtold, D.A., O’Neill, J.S., Insulin/IGF-1 drives PERIOD synthesis to entrain circadian rhythms with feeding time, Cell. 2019 May 2;177(4):896-909.e20.

[2] https://medicalxpress.com/news/2019-04-body-clock.html

[3] Peschke, E., Experimental and clinical aspects of melatonin and clock genes in diabetes, J Pineal Res. 2015 Aug;59(1):1-23. doi: 10.1111/jpi.12240. Epub 2015 Jun 6, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25904189

Peschke, E., Melatonin, endocrine pancreas and diabetes, J Pineal Res. 2008 Jan;44(1):26-40, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18078445

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