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Nicht jedes blaue Licht ist schlecht für den Biorhythmus

Mittwoch 07 Februar 2018

Blaues Licht, zum Beispiel aus dem Computermonitor, hemmt die Bildung von Melatonin und kann somit den Schlaf stören. Dieser Fakt ist möglicherweise schon allgemein bekannt, aber wie immer ist die Realität noch ein Stückchen komplizierter. Ab einer bestimmten Frequenz scheint blaues Licht nämlich doch wieder den Schlaf zu fördern.

Forscher der Universität von Granada haben kürzlich die Auswirkungen von blauem und weißem Licht auf akuten psychosozialen Stress erforscht. Dies führte zu überraschenden Ergebnissen, die die Bedeutung externer Zeitgeber für unseren Biorhythmus weiter unterstreichen.

 

Akuter psychosozialer Stress

Akuter psychosozialer Stress ist eine Form kurzfristigen Stresses, der in sozialen oder zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten kann. Das können zum Beispiel Streit mit dem Beziehungspartner oder plötzlich auftretender extremer Arbeitsdruck sein. Diese Form von Stress kommt recht häufig vor und wirkt sich negativ auf die Gesundheit und Lebensqualität aus.

Das Interessante dabei ist, dass psychosozialer Stress eine Reihe messbarer physiologischer Reaktionen auslöst. Das machten sich die Forscher bei ihrer Untersuchung zunutze. Zwölf Freiwillige wurden unter Stress gesetzt und anschließend in einem reizarmen Raum untergebracht, in dem die einzige Ablenkung in blauem oder weißem Licht bestand. Dabei wurden kontinuierlich ihre Herzfrequenz und Gehirnaktivität anhand eines Elektrokardiogramms und eines Elektroenzephalogramms gemessen.

Die Studie zeigte, dass blaues Licht mit einer Wellenlänge von mehr als 470 Nanometern den Entspannungsprozess nach akutem psychosozialem Stress im Vergleich zu herkömmlichem weißem Licht beschleunigt.

 

Kurz- und langwellig

Während sich langwelliges blaues Licht beruhigend auf unseren Körper auswirkt, verhindert blaues Licht mit einer Wellenlänge unter 470 Nanometern die Bildung von Melatonin. Dieser Scheitelpunkt von 470 Nanometern ist über unsere biologische Uhr an die Intensität des Sonnenlichts gekoppelt. Bei Sonnenaufgang wird Cortisol gebildet und wir wachen auf, bei Sonnenuntergang steigt die Melatoninbildung und wir werden müde. Sonnenlicht ist somit ein externer Zeitgeber, der dazu beiträgt, unsere biologische Uhr mit der Umgebung in Einklang zu bringen.

 

Künstliche Beleuchtung

Viele Ihrer Klienten verbringen den ganzen Tag in künstlicher Beleuchtung. Außerdem blicken wir alle immer öfter, auch abends, aufs Smartphone oder Tablet. Hierdurch wird die Kommunikation zwischen dem natürlichen Zeitgeber (Tageslicht) und unserem circadianen Rhythmus gestört. Die Sonne geht auf und unter, ohne dass die biologische Uhr noch etwas davon mitbekommt.

Infolgedessen kann man aufgrund der ausbleibenden Melatoninbildung nicht mehr einschlafen und es entsteht chronischer Schlafmangel, der sogar die physische Kommunikation zwischen unseren Gehirnzellen und Gehirnregionen stören kann. Schlafmangel wirkt sich negativ auf Konzentration, Stimmung, Appetit und Libido aus. Auch die Verarbeitung und Anwendung von Informationen wird verlangsamt. Außerdem führt schlechter Schlaf zu einer verminderten Abfallentsorgung in unserm Hirn. Dies könnte auf lange Sicht zur Entstehung von Alzheimer beitragen.

 

Zeitgeber als Ratgeber

Licht ist nicht der einzige Zeitgeber. Auch Ernährung, Bewegung, Temperatur und soziale Interaktion haben einen regulierenden Einfluss auf unsere biologische Uhr. Unter den Inhaltsstoffen unserer Nahrung ist Koffein für seine stimulierende Wirkung bekannt, während zum Beispiel die Aminosäure L-Tryptophan direkt in Melatonin umgewandelt wird. Diese kann daher in Supplementform bei Jetlag und Schlafstörungen verabreicht werden.

Eine solche Supplementierung kann in bestimmten Fällen recht wirksam sein, aber auf lange Sicht ist sie natürlich keine Lösung. Will man auf seriöse Weise Gesundheit schaffen und erhalten, ist es wichtig, den Biorhythmus wiederherzustellen. Der beste Ratgeber ist dabei unser evolutionärer Hintergrund. Zeitgeber, denen wir in unserer natürlichen Umgebung vertrauten, sind Sonnenlicht, Luftbewegungen, Temperaturwechsel, hereinbrechende Dunkelheit, variierendes Nahrungsangebot und soziale Interaktion.

Und was tun, wenn bereits akuter psychosozialer Stress vorhanden ist? Dann sollte man am besten einen Spaziergang in natürlicher, reizarmer Umgebung wie zum Beispiel im Wald unternehmen, um innerlich wieder zur Ruhe zu kommen. Denn natürliche Zeitgeber sind die besten Ratgeber.

 

Literatur

Jesus Minguillon et al. Blue lighting accelerates post-stress relaxation: Results of a preliminary study, PLOS ONE (2017). DOI: 10.1371/journal.pone.0186399

Till Roenneberg, Het innerlijk uurwerk (vertaald uit het Duits), Babel & Vos Uitgevers, Amsterdam, 2012

Selective neuronal lapses precede human cognitive lapses following sleep deprivation, Nature Medicine

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