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Stressfolgen über Vaginalflora übertragbar

Mittwoch 28 November 2018

Bereits seit längerem war bekannt, dass bestimmte perinatale Ereignisse unsere Epigenetik beeinflussen können. Nun zeigt sich, dass offenbar auch die bei der Geburt vorliegende Vaginalflora die Genaktivität der Nachkommen und damit deren (zukünftige) Gesundheit beeinflusst.

Epigenetik ist die Wissenschaft, die Anpassungen der Genaktivität untersucht. Die Wahrscheinlichkeit von Gesundheit oder Krankheit hängt nicht nur von unseren Genen ab, sondern auch davon, welche Gene ein- und ausgeschaltet werden. Welche Gene exprimiert werden, hängt unter anderem von Ernährungs-, Umwelt- und Lebensstilfaktoren ab. Dazu zählen schlechte Ernährung, Tabak- und Alkoholkonsum, psychische und soziale Bedingungen, aber auch Umweltverschmutzung. Diese Faktoren können bereits in frühen Lebensphasen durch epigenetische Prozesse wie die DNA-Methylierung das Risiko, im späteren Leben eine bestimmte Krankheit zu entwickeln, beeinflussen. Und sogar noch früher.

 

Präkonzeptionell und pränatal

Die oben genannten epigenetischen Faktoren spielen nicht nur nach der Geburt eine Rolle. Schon vor der Empfängnis kann die Epigenetik unserer Nachkommen beeinflusst werden. Nicht nur von mütterlicher Seite her, sondern auch über die Qualität der Samenzellen des Vaters kann die Epigenetik einen Einfluss ausüben. Noch bevor die Samenzelle den Hoden verlässt und auch anschließend, während ihres Aufenthalts in der Gebärmutter, wirken epigenetische Mechanismen auf die Samenzelle.

Diese Effekte treten vor der Befruchtung auf, aber auch danach kann der Fötus in der Gebärmutter durch die oben genannten Faktoren epigenetisch ungünstig programmiert werden. Wachstum, Entwicklung und Gesundheit des entstehenden Kindes werden davon beeinflusst. Epigenetische Faktoren haben sogar Einfluss auf die Entstehung chronischer Erkrankungen wie Herzinfarkt- und Schlaganfallneigung, Immunerkrankungen und Diabetes. Außerdem wurde maternaler Stress während der Schwangerschaft bereits als Risikofaktor für psychiatrische Störungen bei den Nachkommen nachgewiesen. Alle diese Folgen können sich über mehrere Generationen erstrecken.

 

Stress bei Mäusen verursacht kognitive Störungen

Stress bei männlichen Mäusen kann über Veränderungen des Spermas die Entwicklung des Gehirns bei Nachkommen negativ beeinflussen. Weiterhin wurde gezeigt, dass Nachkommen männlicher Mäuse, die chronischem leichtem Stress ausgesetzt waren, eine reduzierte hormonelle Reaktion auf Stress entwickeln. Diese Reaktionsweise wird mit einer Reihe von neuropsychiatrischen Störungen in Verbindung gebracht, einschließlich PTBS. Das deutet darauf hin, dass selbst milde Umweltprobleme einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Nachkommen ausüben können.

 

Neue Forschung zu pränatalem Stress

Es war bereits bekannt, dass pränataler Stress bei Mäusen das vaginale Mikrobiom verändert und die Gehirnfunktion männlicher Nachkommen beeinträchtigt. Die nun vorliegende neue Studie kann zu einem besseren Verständnis dafür führen, wie maternale Beschwerden wie Stress die Gehirnentwicklung der Nachkommen beeinflussen.
Die Ergebnisse der an der University of Maryland School of Medicine durchgeführten Studie deuten darauf hin, dass die Folgen von Stress auf neugeborene Mäuse übertragen werden können, wenn sie mit den Vaginalmikroben gestresster weiblicher Mäuse in Berührung kommen. Während des Geburtsvorgangs besiedeln die Mikroben aus der Vaginalflüssigkeit den Darm der neugeborenen Maus und die Zusammensetzung dieses Darmmikrobioms beeinflusst anschließend die Entwicklung des Gehirns und die Art und Weise, in der die Maus im späteren Leben auf Stress reagiert.

 

Studiendesign und Resultate

In dieser Studie wurden Mikroben aus der Vaginalflüssigkeit von gestressten oder nicht gestressten schwangeren Mäusen sowohl in pränatal gestresste als auch in nicht gestresste männliche Nachkommen verpflanzt, unmittelbar nachdem diese Kaiserschnittgeborenen entnommen wurden, also nicht mit den vaginalen Mikroben ihrer Mutter in Berührung gekommen waren.

Die Nachkommen, die in der Gebärmutter einer gestressten Mutter gereift waren und dem Mikrobiom gestresster Müttern ausgesetzt wurden, wogen weniger und wuchsen schlechter. Darüber hinaus zeigten sie im Erwachsenenalter erhöhte Stresshormonspiegel. Durch die Übertragung von Vaginalmikroben gestresster Mütter auf Nachkommen nicht gestresster Mütter wurden diese Effekte teilweise reproduziert. Leider können die Mikroben nicht gestresster Mütter die Auswirkungen von bereits in der Gebärmutter erfahrenem Stress nicht vollständig rückgängig machen.

 

Fazit

Eine Vielzahl epigenetischer Faktoren – die vor, während und nach der Schwangerschaft auftreten – kann die Gesundheit der Nachkommen beeinflussen. Einer dieser Faktoren ist Stress während der Schwangerschaft. Er übt während der Schwangerschaft einen direkten Einfluss auf den Fötus aus, aber auch indirekt über das veränderte vaginale Mikrobiom der Mutter. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob auch beim Menschen das Risiko für psychiatrische Störungen bei den Nachkommen nicht nur durch maternalen Stress, sondern auch durch das vaginale Mikrobiom beeinflusst wird.

 

Literatur

Jasarevic E., et al. The maternal vaginal microbiome partially mediates the effects of prenatal stress on offspring gut and hypothalamus. Nature Neurosci. (2018).
https://medicalxpress.com/news/2018-07-vaginal-microbiome-stress-offspring.html#nRlv
https://www.bonusan.com/nl/nieuws/voeding-voor-conceptie-be%C3%AFnvloedt-gezondheid-kind/
https://www.bonusan.com/nl/uw-gezondheid/hoofd-hersenen/slechte-nachtrust-be%C3%AFnvloedt-ons-dna/
https://www.bonusan.com/nl/nieuws/5-onderzoeken-naar-epigenetica/

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