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Untersuchung des Gehirns von Wim Hof

Dienstag 16 Juni 2020

Der niederländische Abenteurer Wim Hof (61) ist als "The Iceman" (der Eismann) bekannt. In den USA ist untersucht worden, wie das Gehirn von Hof bei Kälteeinwirkung reagiert und welche physiologischen Mechanismen ihm diesen Widerstand ermöglichen.

Wim Hof trainiert seinen Körper und Geist unter extrem kalten Bedingungen in der Natur. So hat Hof inzwischen mehrere Weltrekorde für das langanhaltende Ertragen extremer Kälte vorzuweisen. In ein Eisbad eintauchen, in kurzer Hose verschneite Gipfel erklimmen und Marathonläufe rund um den Polarkreis sind relativ einfach für ihn.

Spezielle Physiologie

Wim Hof steht im Zentrum einer wissenschaftlichen Studie auf dem Gebiet seiner außergewöhnlichen Körperphysiologie. Es sieht sehr danach aus, dass er sein autonomes Nervensystem selbst beeinflussen kann. Eine Fähigkeit, die er auf eine Reihe selbst entwickelter Atem- und Meditationstechniken zurückführt. Die drei Komponenten der Wim-Hof-Methode (WHM) umfassen nicht nur Atemübungen und die Schulung von Geisteshaltung/Konzentration, sondern auch die allmähliche Kälteexposition.

In den USA wurde 2018 untersucht, wie das Gehirn von Hof bei Kälteeinwirkung reagiert und welche physiologischen Mechanismen ihm diesen Widerstand ermöglichen. Diese Untersuchung ist Teil einer Reihe von neurobiologischen Studien im Zusammenhang mit der Temperaturregulierung und befasst sich speziell mit der Funktionsweise des Gehirns des "Eismannes" bei extrem niedrigen Temperaturen. Aspekte der WHM können für die psychische Gesundheitsversorgung oder für die Behandlung von Erkrankungen des Immunsystems von Interesse sein.

Interessante Ergebnisse

Die Forscher setzten bildgebende Verfahren ein, darunter einen MRT-Scan und einen PET-Scan, um die Gehirn- und Körperfunktionen von Hof zu untersuchen. Während der dreitägigen Messungen trug Hof einen speziell entworfenen Anzug, der einem Neoprenanzug ähnelte und den die Forscher mit temperaturkontrolliertem Wasser füllten. Darüber hinaus wurden Bilddaten gesammelt und physiologische Daten gemessen, um sie mit der kontrollierten Kälteeinwirkung in Beziehung zu setzen. Natürlich wurden die vom "Eismann" erhaltenen Messergebnisse auch mit denen einer Kontrollgruppe gesunder Teilnehmer verglichen. Dies führte zu interessanten Ergebnissen.

Hof scheint dank seiner eigenen WHM über eine ausgezeichnete Kältetoleranz zu verfügen. Die Studie zeigt, dass sich Hofs Hauttemperatur nach Kälteeinwirkung nur wenig verändert. Die Wissenschaftler führen dies auf seine Fähigkeit zurück, die sympathische Komponente des autonomen Nervensystems in erhöhtem Maße zu innervieren. Die PET-Untersuchung zeigte auch eine erhöhte Glukoseverbrennung durch die Zwischenrippenmuskeln. Diese Tatsache ermöglicht es ihm, Wärme zu erzeugen, die über die Lunge und das zirkulierende Blut die kleinen Blutgefäße um die Lungenbläschen herum erwärmt. Die Steuerung und Regelung der (peripheren) Hauttemperatur und gleichzeitig der (zentralen) Kerntemperatur ist nicht jedem möglich. Es erklärt aber, wie Hof Erfrierungserscheinungen abwenden kann.

Die Wim-Hof-Methode beeinflusst das Immunsystem

Die Atemübungen, die Geisteshaltung und die wiederholte Kälteexposition aktivieren nicht nur das vegetative Nervensystem. Diese Übungen hemmen auch die Reaktion des Immunsystems. Forscher der Uniklinik Radboud in Nimwegen lieferten den ersten wissenschaftlichen Beweis dafür. Sie ließen Hof zwölf gesunde Männer zehn Tage lang mit seinen spezifischen Techniken trainieren. Anschließend wurde sowohl der trainierten Gruppe als auch der untrainierten Kontrollgruppe ein Endotoxin injiziert. Das Immunsystem reagiert auf das Endotoxin, als ob lebende Bakterien eindringen würden, indem es Entzündungsproteine produziert. Grippesymptome wie Kopfschmerzen und Fieber können eine Folge davon sein.

Diese Studie zeigte, dass die trainierte Gruppe mehr Adrenalin produzierte, ein Stresshormon, das bei erhöhter Aktivität des sympathischen Nervensystems freigesetzt wird und die Immunantwort unterdrückt. Die trainierte Gruppe hatte weniger Entzündungsproteine und weniger Grippesymptome. Daraus kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die WHM das Immunsystem positiv beeinflussen kann.

Wissen in der Praxis

Die drei Komponenten der WHM, die Atemübungen, die Geisteshaltung und die wiederholte Kälteeinwirkung, haben eine positive Wirkung auf das autonome Nervensystem. Außerdem wird Adrenalin produziert, das die Immunantwort unterdrücken kann. Derartige Übungen können Teil Ihres Behandlungsplans für Ihre Patienten werden. Denken Sie an Atemübungen, die Hypoxie und Hyperkapnie auslösen, an Meditationsübungen und regelmäßige kalte Duschen oder Eisbäder, alles Interventionen zur Regulierung der Funktionsweise des Stress- und Immunsystems.

Literatur

Matthijs Kox et al, Sympathetic nervous system limits immune response, Proceedings of the National Academy of Sciences May 2014, 111 (20) 7379-7384; DOI: 10.1073/pnas.1322174111

Otto Muzik et al, "Brain over body"–A study on the willful regulation of autonomic function during cold exposure, NeuroImage (2018). DOI: 10.1016/j.neuroimage.2018.01.067

 

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