Alternate Text

Wie viele Alterungssysteme kennen Sie?

Dienstag 10 Oktober 2017
Beim Stichwort Alterung denken wir meist sofort an Telomerverkürzung. Doch diese bildet nur eines der Alterungssysteme, die unsere Lebensdauer auf Zellebene bestimmen. Was ist das Gute daran? Die Faktoren, die hierbei mitspielen, können Sie als Gesundheitsexperte positiv beeinflussen. Sowohl präventiv als auch kurativ.

Im Laufe der Evolution hat sich beim Menschen – aber auch bei Tieren und Pflanzen – eine Reihe von Alterungssystemen entwickelt. Es scheint, dass das Funktionieren dieser Systeme einen entscheidenden Einfluss auf unsere maximale Lebenserwartung hat. Aber wie stehen diese Systeme in Wechselwirkung mit dem Individuum und seiner Umgebung? Mit anderen Worten: Gibt es interne und externe Faktoren, die wir positiv beeinflussen können?

 

Telomerverkürzung

Das älteste Alterungssystem – und das System, das für die Festlegung der maximalen Lebensdauer verantwortlich ist – ist der Vorgang der Verkürzung von Telomeren. Die fortschreitende Telomerverkürzung nach jeder Zellteilung bewirkt den schließlichen Wegfall des Telomersiegels am Ende des Chromosoms. Dadurch wird das Chromosom instabil, was letztlich die Zelle zur Apoptose treibt. Aber worin besteht die Ursache der Telomerverkürzung?

Oxidativer Stress scheint eine der Hauptursachen der Telomerverkürzung zu sein. Telomere sind besonders empfindlich gegenüber freien Radikalen, vermutlich aufgrund ihrer Lage am Ende der Chromosomen. Dadurch sind sie für Oxidantien leicht zugänglich. Der heutige Mensch steht unter hohem oxidativem Stress. Hinzu kommt, dass der heutige Mensch im Zuge des Alterungsprozesses und aufgrund seiner nicht-evolutionären Ernährung und Lebensstils schneller seine Abwehrkraft gegenüber Oxidantien verliert.

 

Mitochondriale Alterung

Mitochondrien werden auch als Kraftwerke der Zelle bezeichnet. Alle Zellen, von den Hepatozyten bis zu den Neuronen, benötigen die in den Mitochondrien erzeugte Energie, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Manche Zellen und Organe können dabei einen (zeitweilig) erhöhten Energiebedarf entwickeln, zum Beispiel aufgrund von Stress oder (chronischen) Entzündungen. Solche Zellen sind dann besonders anfällig gegenüber Degeneration durch mitochondriale Dysfunktion. 

Die im Jahr 1988 gemachte Entdeckung, dass viele degenerative Erkrankungen durch mitochondriale Dysfunktionen verursacht wurden, führte zu einer wahren Forschungsexplosion auf diesem Gebiet. Dabei hat sich gezeigt, dass bestimmte Alterserscheinungen wie Taubheit und Muskelatrophie in Wirklichkeit ein Energieproblem sind. Auch an der Entwicklung bestimmter Alterserkrankungen wie Parkinson und Alzheimer scheinen mitochondriale Dysfunktionen einen beträchtlichen Anteil zu haben.

 

Genexpressionsalterung

Der in diesem Zusammenhang vielleicht interessanteste Alterungsmechanismus ist Alterung der Genexpression: Ein wichtiges Merkmal des Alterns ist, dass Körperfunktionen und -prozesse immer ineffizienter verlaufen. Dass Krankheiten, die zuvor nicht in Erscheinung traten, beginnen, eine zentrale Rolle im Leben einzunehmen. Die Gene spielen dabei eine Rolle, jedoch wird ihr Einfluss immer noch oft überschätzt. Die Expression von Genen steht nämlich unter dem Einfluss eines wichtigen Vermittlers: der Epigenetik.

In den biomedizinischen Wissenschaften beginnt sich immer stärker die Erkenntnis durchzusetzen, dass eine Wechselwirkung zwischen Genen und Umwelt besteht. Dabei bildet Epigenetik die Schnittstelle: zwischen Innen- und Außenwelt, zwischen erblicher Vorbelastung und dem tatsächlichen Erkrankungsrisiko. Diese Erkenntnis ist so wichtig, dass jeder Gesundheitsprofi die Basics der Epigenetik kennen sollte. Daher: Was ist Epigenetik?

Um dies gut zu veranschaulichen, wollen wir mit einem Beispiel zu beginnen.

 

Gene und Epigene

Vielleicht haben Ihr Klient oder Klientin eine Kombination von Genen geerbt, die ihnen eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber Depressionen mitgeben. Vielleicht hatten er oder sie auch noch eine traumatische Geburtserfahrung. Dann kann Stress im weiteren Leben ein wichtiger Auslöser von trauriger Verstimmtheit sein. Was geschieht nun, wenn wir möglichst viele exogene Stressoren wie falsche Ernährung, Bewegungsarmut, Rauchen und Alkohol aus der Umgebung herausnehmen?

Der Auslöser fällt weg und die Depressionen nehmen tatsächlich ab. Und was geschieht, wenn wir uns jetzt vollständig auf einen gesunden, evolutionären Lebensstil umstellen (und sich der Klient auch tatsächlich daran hält)? Dann werden Sie feststellen, dass sich eine zunehmende Widerstandskraft gegen Stress und Depressionen entwickelt. Wäre das möglich, wenn alles durch unsere Gene vorherbestimmt wäre? Müsste eine Anfälligkeit gegenüber depressiven Erkrankungen, die „in den Genen festgelegt ist“, nicht unabänderlich fortbestehen? Hier kommt die Epigenetik ins Spiel.

 

Ein- und Ausschalten von Genen

Epigenetik ist ein Mechanismus, der auf die Gene einwirkt. Er sorgt dafür, dass bestimmte Gene „ein- und ausgeschaltet“ werden und dadurch entweder in Proteine übersetzt werden oder nicht. Dies kann die Bildung, Menge und Qualität von Monoaminen wie Serotonin, einem Neurotransmitter, häufig mit Depressionen assoziiert wird, beeinflussen. Dieses „Ein- und Ausschalten“ wird in der Epigenetik als Demethylierung bzw. Methylierung bezeichnet.

Das programmierte Methylierungsmuster wird durch die Prozesse der genomischen und metabolischen Prägung, das heißt, von außen und von innen her bestimmt. Das Genexpressionsalterungssystem entspricht dabei dem während des Älterwerdens stattfindenden kontinuierlichen Verlusts an methylierter DNA. Der stärkte Verlust tritt während der Wachstumsphase des Organismus auf. Eine Ratte verliert innerhalb der ersten 15 Tage ihres Lebens bereits 49 % ihrer methylierten Gene.

Beim Menschen ist das Ausmaß des innerhalb vergleichbarer Zeiträume stattfindenden Verlusts noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass diese Werte den bei anderen Säugetieren beobachteten Werten ähneln, wobei der Verlust einem logarithmischen Muster zu folgen scheint.

Das Ausmaß des Verlustes pro Tag bei erwachsenen Tieren und dem Menschen scheint umgekehrt proportional zur Lebensdauer des betreffenden Lebewesens zu sein. Und wie bereits gesagt: Der Lebensstil hat darauf einen lebenslangen Einfluss. Daher ist es wichtig zu wissen, wie Epigenetik funktioniert, aber vor allem, wie wir die Macht dieses Mechanismus zum Nutzen unserer Klienten ins Positive wenden können.

 

Internetbureau W3S

Bonusan verwendet Cookies um die Webseite zu verbessern und Ihnen eine bessere Dienstleistung anbieten zu können. Möchten Sie wissen, welche Cookies wir gebrauchen? Lesen Sie hier mehr.

Accepteer Alleen Functionele Cookies