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Zusammenhang zwischen Zöliakie und Gluten erneut bestätigt

Dienstag 08 Oktober 2019
Je mehr Gluten die Nahrung enthält, desto größer ist das Risiko, an Zöliakie zu erkranken. Dieser Zusammenhang wurde in einer großangelegten Studie mit mehr als 6.600 Kindern im Alter von 0-5 Jahren mit erblicher Veranlagung zu dieser Erkrankung nachgewiesen. Bereits ein einziges Butterbrot führte zu einem erhöhten Risiko.

Menschen mit Zöliakie (Glutenintoleranz) vertragen kein Gluten. Dies führt, kurz gesagt, zu einer Entzündung des Darmepithels mit all ihren unangenehmen Folgen. Die vorliegende Studie der Universität Lund hat bestätigt, dass das Risiko für Zöliakie im Zusammenhang mit der Glutenmenge steht, die erblich belastete Kinder mit der Nahrung aufnehmen. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, kann daraus kein kausaler Zusammenhang abgeleitet werden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift JAMA präsentiert. [1]


Kinder von null bis fünf Jahren untersucht

Insgesamt wurden 6.605 Kinder aus Schweden, Finnland, Deutschland und den USA von der Geburt bis zum Alter von fünf Jahren begleitet. Diese nahmen zugleich auch an der Studie The Environmental Determinants of Diabetes in the Young (TEDDY) teil, einer Beobachtungsstudie zur Klärung der Umweltfaktoren, die zu Typ-1-Diabetes und Zöliakie führen können. Alle in der Studie erfassten Kinder waren Träger von Antigenen, die unter anderem mit Zöliakie in Verbindung gebracht werden.

 

Höheres Risiko schon bei einer Scheibe Brot

Von den 6.605 begleiteten Kindern entwickelten 1.216 (18 %) eine Vorstufe von Zöliakie. Dies wurde anhand des Gehalts von Transglutaminase im Blut gemessen. 447 Kinder (7 %) erkrankten tatsächlich an Zöliakie. Dies wurde durch Darmuntersuchung bestätigt. Die Inzidenz erreichte vor allem im Alter von 2 bis 3 Jahren ihren Höhepunkt.


Das erhöhte Risiko ließ sich schon bei kleinsten Mengen Gluten nachweisen: bereits bei einer Tagesdosis von 2 Gramm, was einer Scheibe Weißbrot entspricht. „Im Vergleich zu Kindern, die täglich weniger als 2 Gramm Gluten zu sich nahmen, war eine tägliche Aufnahme von mehr als 2 Gramm Gluten mit einem um 75 Prozent höheren Risiko für die Entwicklung von Zöliakie assoziiert“, erklärt einer der Forscher. [2]


Und fügt hinzu, dass diese Ergebnisse frühere Ergebnisse einer kleinen Pilotstudie bestätigten, die die gleiche Forschungsgruppe 2016 durchgeführt hatte. [3] An dieser Studie hatten nur schwedische Kinder teilgenommen und die Follow-up-Zeit war kürzer gewesen.

 

Richtlinien ändern?

Mit einem Rat an die nationalen Nahrungsmittelbehörden, die Empfehlungen zur Glutenaufnahme anzupassen, halten sich die Forscher jedoch noch zurück. Einer der Gründe für diese Zurückhaltung besteht darin, dass die Mehrheit der Risikogruppe für Zöliakie die Krankheit trotzdem nicht entwickelt hat: „Daher sollte zunächst sorgfältig abgewogen werden, ob bereits zum jetzigen Zeitpunkt eine Empfehlung zu bestimmten Ernährungskonzepten oder Einschränkungen von Nahrungsmitteln gegeben werden sollte.“

 

Unser Standpunkt zu glutenfreien Nahrungsmitteln

Beim jetzigen Stand der Forschung sind die Wissenschaftler noch vorsichtig bei Ratschlägen zur richtigen Ernährungsweise bei erblich bedingter Disposition für Zöliakie. Daher möchten wir Ihnen unseren Standpunkt bezüglich des Verzehrs von Gluten erläutern. Vor allem ist es dabei wichtig, zu wissen, dass wir evolutionär gesehen keine Getreideesser sind. Erst vor 10.000 Jahren, während der Agrarrevolution, hat das Getreide einen festen Platz in unserer Ernährung gefunden. So gesehen, kann Getreide nicht wirklich als „Menschennahrung“ bezeichnet werden.

Aber nicht nur evolutionäre Überlegungen spielen eine Rolle bei der Entscheidung, nur glutenfreie Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Getreidegluten enthält eine Proteinkomponente namens Gliadin, die unter anderem die Produktion von Zonulin aktiviert. Zonulin führt seinerseits zu einer Schwächung der Tight Junctions des Darms, was zu einem Leaky-Gut-Syndrom führen kann. Dann können Gliadin und andere unerwünschte Substanzen direkt in die Blutbahn eindringen. Darauf reagiert das Immunsystem natürlich mit einer Immunreaktion, die langfristig zu einer Low-grade-Entzündung führen kann.

Ist es daher für jeden sinnvoll, sich glutenfrei zu ernähren? Offiziell leiden 1 Prozent aller Menschen an Zöliakie[4]: Sie sollten Gluten auf jeden Fall meiden. Weiterhin klagen viele Menschen über Glutenempfindlichkeit: Non-Celiac-Gluten-Sensitivity (NCGS). Diese wird inzwischen als Erkrankung anerkannt [4]. Die Betroffenen zeigen zwar keine nachweisbare Zöliakie im klassischen Sinne, dennoch führt die Vermeidung glutenhaltiger Produkte bei Ihnen zu einer Verringerung von Symptomen wie Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder chronischer Erschöpfung. Bisher ist noch unklar, wie viele Menschen an NCGS leiden, da diese Erkrankung nur schwer nachzuweisen ist. In unserer Therapiepraxis gilt der Grundsatz, dass es das Beste ist, den Klienten zu ermöglichen, selbst herauszufinden, wie sich glutenfreie Ernährung auf ihr Befinden und ihre Lebensqualität auswirkt.

 

Literatur

[1] Aronsson C.A. et al, Association of Gluten Intake During the First 5 Years of Life With Incidence of Celiac Disease Autoimmunity and Celiac Disease Among Children at Increased Risk, Lund University, JAMA (2019). DOI: 10.1001/jama.2019.10329
[2] https://medicalxpress.com/news/2019-08-association-coeliac-disease-gluten-intake.html
[3] https://www.lunduniversity.lu.se/article/new-research-delimits-the-possible-causes-of-celiac-disease
[4] https://www.voedingscentrum.nl/encyclopedie/coeliakie.aspx en https://www.voedingscentrum.nl/encyclopedie/glutensensitiviteit.aspx

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