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Angst und Depression beginnen im Darm

Montag 25 September 2017

Leidet Ihr Klient an Angst oder Depressionen? Eine neue, in der Fachzeitschrift Microbiome veröffentlichte Studie bestätigt erneut die Erkenntnis, dass geistige Widerstandskraft im Darm beginnt. Aber um zu verstehen, warum das so ist, müssen wir uns zunächst einmal mit Micro-RNA befassen.

 

Dass der Darm und das Gehirn miteinander „plaudern“, ist inzwischen Allgemeingut. Die Verbreitung dieser Erkenntnis verdanken wir populären Büchern wie Darm mit Charme. Allerdings bleibt es weiterhin Spekulation, über welche Medien die Kommunikation zwischen Darm und dem Gehirn stattfindet. Die neue Microbiome-Studie bringt hier einen Wandel, indem sie der Micro-RNA eine spezifische Rolle zuschreibt [1].

 

Was ist Micro-RNA?

Vielleicht kennen Sie bereits Messenger-RNA, das Botenmolekül, das Informationen aus der DNA kopiert. Diese Informationen werden zur Synthese von Proteinen verwendet. Wie der Name schon sagt, sind Micro-RNAs ein ganzes Stück kleiner. Außerdem codieren sie keine Informationen, sondern bilden Bestandteile des Epigenoms. Dieser Komplex bestimmt, welche Gene exprimiert werden und welche nicht. Dies wird durch Umweltfaktoren wie Ernährung und Bewegung beeinflusst.

 

Seit 2006 ist die Erforschung der Micro-RNA geradezu explodiert. Ein kurzer Blick auf PubMed zeigt einen exponentiellen Anstieg der Zahl der wissenschaftlichen Publikationen [2]. Gab es im Jahr 2006 erst 772 Untersuchungen, waren es im Jahr 2011 bereits 4362 und im Jahr 2015 sogar mehr als 10.000. Viele dieser Studien zeigen, dass Micro-RNA eine zentrale Rolle bei Krankheit und Gesundheit spielt. Aber was nützt Ihnen das nun in Ihrer Praxis?

 

Darmflora beeinflusst Micro-RNA

Bereits frühere Studien zur Micro-RNA hatten zu spektakulären Einsichten geführt. So können bestimmte Varianten offenbar als Biomarker für allergisches Asthma fungieren [3]. Außerdem können sie laut Studien, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurden, den Alterungsprozess verzögern [4] und sind stark an der Entstehung klinischer Depressionen beteiligt [5]. Die Microbiome-Studie zeigt, dass unsere Darmflora dies hemmen oder verstärken kann.

 

„Darmbakterien scheinen einen Einfluss auf die Micro-RNA des zentralen Nervensystems einschließlich der Amygdala und des präfrontalen Cortex auszuüben. Diese Hirnareale sind stark an der Entstehung von Angst und Depressionen beteiligt“, erklären die Forscher.

 

Die Studie

Zu ihrer Aussage gelangen die Forscher durch ihre Untersuchung an keimfreien Mäusen. Dies sind Labormäuse, die in einer bakterienfreien Umgebung aufgewachsen sind. Häufig zeigen sie abnorme Ängste, Probleme bei der sozialen Interaktion, reduzierte Kognition und depressives Verhalten. Bei Hirnuntersuchungen zeigten diese Mäuse signifikante Abweichungen bei Dutzenden von Micro-RNAs. Diese bildeten sich teilweise zurück, wenn die keimfreien Mäuse eine Floratransplantation von gesunden Mäusen erhielten.

 

„Es sollte möglich sein, Micro-RNAs direkt im Gehirn zu modulieren, um psychiatrische Störungen zu behandeln. Die Forschung in diesem Bereich hat jedoch mit einer Reihe von Hindernissen zu kämpfen. So ist es zum Beispiel schwierig, sichere und biostabile Verbindungen zu finden, die die Blut-Hirn-Schranke passieren und an der richtigen Stelle im Gehirn aktiv werden. Unsere Studie zeigt, dass einige dieser Hindernisse überwunden werden können: durch das Freisetzen des therapeutischen Potenzials von Micro-RNA über direkte Eingriffe in die Darmflora.“

 

Und dabei kommt unseren Gesundheitsexperten natürlich eine wichtige Rolle zu!

 

Literatur

[1] Alan E. Hoban et al, Microbial regulation of microRNA expression in the amygdala and prefrontal cortex, Microbiome (2017).

[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=micro+rna (Results by year)

[3] Milger K, Götschke J, Krause L, et al. Identification of a plasma miRNA biomarker signature for allergic asthma: A translational approach. Allergy. 2017;00:1–10.

[4] Zhang Y. et al., Hypothalamic stem cells control ageing speed partly through exosomal miRNAs, Nature 548, 52–57 (03 August 2017)

[5] Bhaskar Roy, Michael Dunbar, Richard C Shelton and Yogesh Dwivedi, Identification of MicroRNA-124-3p as a Putative Epigenetic Signature of Major Depressive Disorder, Neuropsychopharmacology (31 August 2016).

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