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Bewegung ist gesund fürs Hirn

Dienstag 27 Februar 2018

Auch kleinere Änderungen des Lebensstils können sich schon nach kurzer Zeit positiv auf das Gehirn auswirken. Eine neue Studie zeigt beispielsweise, dass körperliche Aktivität dazu beiträgt, neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz vorzubeugen.

Die Wirkung von Aerobic-Übungen auf den Hippocampus wurde in einem Gemeinschaftsprojekt der Universitäten von Sydney (Australien) und Manchester (Großbritannien) untersucht [1]. Dabei zeigte sich, dass Aerobic-Übungen die Gedächtnisfunktion verbessern und die Gesundheit des Gehirns beim Älterwerden erhalten können.

 

Schrumpfung des Hippocampus

Die Gesundheit des Gehirns lässt mit zunehmendem Alter nach. Im Durchschnitt beginnt das Gehirn nach dem vierzigsten Lebensjahr um fünf Prozent pro Jahrzehnt zu schrumpfen. Dabei schrumpft auch der Hippocampus, jener Teil des Gehirns, der die Verhaltensmuster des Individuums mitbestimmt.

Im Hippocampus spielt die Substanz BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) eine Rolle beim Zellüberleben und der neuralen Entwicklung [2,3]. Außerdem steuert BDNF die molekularen Mechanismen zur Veränderung der individuellen Gehirnstruktur infolge von Wachstum und Entwicklung, Lernen und Erfahrung (synaptische Plastizität). Kurz gesagt: BDNF spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Gehirns.

Und Bewegung führt der neuen Studie zufolge offenbar zu einer Zunahme von BDNF. Bewegung könnte daher unter anderem auch bei neuropsychiatrischen Erkrankungen einen therapeutischen Nutzen aufweisen.

 

Aufbau der Studie

Es wurden die Gehirnscans von 737 Personen vor und nach aeroben Trainingsprogrammen und der Kontrollgruppen untersucht. Diese Trainingsprogramme bestanden unter anderem in stationärem Radfahren sowie Laufen und Gehen auf dem Laufband. Nicht nur gesunde Erwachsene wurden untersucht, sondern auch Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen wie Alzheimer und Menschen mit psychischen Störungen wie Depression und Schizophrenie. Das Durchschnittsalter lag bei 66 (< 24; 76>). Die Dauer der Interventionen variierte von 3 bis 24 Monaten mit 2-5 Sitzungen pro Woche.

Obwohl das Training keinen Einfluss auf das gesamte Hippocampusvolumen hatte, nahm die Größe der linken Hippocampusregion bei den Trainierenden beträchtlich zu. Die Gesundheit des Hippocampus profitiert daher offensichtlich von körperlicher Bewegung. Bewegung kommt dennoch auch dem ganzen Gehirn zugute. Durch das beim Trainieren freigesetzte BDNF wird der Rückgang des Gehirnvolumens verlangsamt.


Diese Ergebnisse haben jedoch nicht nur Implikationen für das normale gesunde Altern, sondern auch für die Vorbeugung altersbedingter neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz. Hierfür ist weitergehende Forschung erforderlich. Körperliche Aktivität ist eine der sehr wenigen „nachweislichen“ Methoden, um Größe und Funktion des Gehirns bis ins hohe Alter zu erhalten.

 

HUNT-Studie

Vor einiger Zeit haben wir Ihnen bereits über die HUNT-Studie berichtet, eine sehr großangelegte Gesundheitsstudie in Norwegen, die gezeigt hat, dass körperliche Aktivität wesentlich zu einer guten psychischen Gesundheit beiträgt [4]. Teilnehmer, die körperlich nicht aktiv waren, zeigten eine um 44 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu erkranken als Teilnehmer, die sich ein bis zwei Stunden pro Woche bewegten. Diese Wahrscheinlichkeit wurde mithilfe der Hospital Anxiety and Depression Scale bestimmt.

Körperliche Aktivität ist unter anderem wichtig für das Immunsystem und die Motilität des Darmes und trägt daher unmittelbar zur körperlichen Gesundheit bei, was sich positiv auf die Psyche auswirken könnte. Außerdem kann auch der soziale Aspekt der körperlichen Aktivität eine Rolle spielen. Zu nennen sind hier so wichtige Aspekte wie Selbstbild und soziale Interaktion.

Wahrscheinlich hätten 12 Prozent der Depressionen durch mindestens eine Stunde Bewegung pro Woche verhindert werden können. Die Intensität erwies sich dabei als nicht wichtig. Auch kleinere Änderungen des Lebensstils können sich daher schon nach kurzer Zeit vorteilhaft auf das Gehirn auswirken.

 

Literatur

  1. Joseph Firth et al. Effect of aerobic exercise on hippocampal volume in humans: A systematic review and meta-analysis, NeuroImage (2017). DOI: 10.1016/j.neuroimage.2017.11.007
  2. Binder DK1, Scharfman HE, Brain-derived neurotrophic factor. Growth Factors. 2004 Sep;22(3):123-31.
  3. Heyman E1, Gamelin FX, Goekint M, Piscitelli F, Roelands B, Leclair E, Di Marzo V, Meeusen R. Intense exercise increases circulating endocannabinoid and BDNF levels in humans--possible implications for reward and depression. Psychoneuroendocrinology. 2012 Jun;37(6):844-51. doi: 10.1016/j.psyneuen.2011.09.017. Epub 2011 Oct 24.
  4. Harvey SB, et al., Exercise and the Prevention of Depression: Results of the HUNT Cohort Study, AJP, October 03, 2017

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