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Die Pioppi-Diät

Montag 26 November 2018

Seit ein paar Monaten steht das Buch „Die Pioppi-Diät“ auf den Bestsellerlisten. Worum geht es bei der Pioppi-Diät? Wo liegen Gemeinsamkeiten und Gegensätze zur Mittelmeerdiät und zur Urdiät der klinischen PNI?

Pioppi ist ein kleines Dorf im Süden Italiens mit 197 Einwohnern. Das Leben der Menschen dort ist einfach, aber lang und gesund. Es gibt dort weder einen Supermarkt noch ein Fitnessstudio. Die Bewohner ernähren sich schmackhaft und gesund und gönnen sich jeden Tag ein Glas (Rot-) Wein. Das Buch Die Pioppi-Diät enthält ein auf dieser Lebensweise aufbauendes Livestyle-Konzept, das nach Ansicht der Autoren schon nach 21 Tagen die Gesundheit stärkt und das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert.

Autoren sind der Kardiologe Dr. Aseem Malhotra und der Dokumentarfilmer Donal O'Neill. Gemeinsam hatten sie zuvor schon in Pioppi den Dokumentarfilm The Big Fat Fix gedreht. Die in Ernährungsfragen in den Niederlanden tonangebende Stiftung Voedingscentrum Nederland erklärt, dass bislang noch keine wissenschaftlichen Studien zu den gesundheitlichen Wirkungen der Pioppi-Diät und ihren langfristigen Folgen vorliegen. Weiterhin äußert sich das Voedingscentrum insbesondere besorgt hinsichtlich der Reduzierung von Kohlenhydraten und der Erhöhung des Verzehrs von Eiern, rotem Fleisch und (gesättigten) Fetten, einschließlich Kokosöl, die im Rahmen der Pioppi-Diät empfohlen werden. [1] Um was genau geht es nun bei der Pioppi-Diät und was macht sie so besonders?

 

Pioppi und Keys

Bekannt wurde das Dorf durch den Ernährungswissenschaftler Dr. Ancel Keys, der dort vierzig Jahre lang (bis zu seinem Tod) lebte. Seine Forschungen zu den Essgewohnheiten in diesem Dorf lieferten die Grundlage für die moderne mediterrane Diät, die er weltweit bekannt machte. Außerdem ist Keys auch durch seine Sieben-Länder-Studie [2] bekannt geworden, eine Studie, die gesättigte Fettsäuren mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verknüpft.

Die Autoren der Pioppi-Diät widerlegen in ihrem Buch jedoch Keys Aussagen bezüglich gesättigter Fettsäuren und sehen seine Forschung als „Grundlage unserer modernen, jedoch falschen Interpretation der traditionellen mediterranen Diät“. Damit stehen sie auch im Widerspruch zum Voedingscentrum, das weiterhin die Auffassung vertritt, dass der wissenschaftliche Konsens nach wie vor darin besteht, dass der Ersatz von gesättigten Fettsäuren durch ungesättigte Fettsäuren den LDL-Cholesterinspiegel senkt und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert. [3] Darüber denken auch wir im Rahmen der Urdiät anders und werden darauf weiter unten zurückkommen. Doch zunächst zur Frage:

 

Worum geht es bei der Pioppi-Diät?

Vorgestellt wird die Pioppi-Diät als ein Lifestyle-Konzept, das nicht nur Ernährungsrichtlinien, sondern auch Regeln für ausreichende Bewegung, Entspannung, Schlaf und soziale Kontakte umfasst. Außerdem wird empfohlen, regelmäßig zu fasten. Die Ernährungsempfehlungen basieren auf einer Low-Carb-, High-Fat-Diät mit Komponenten aus der mediterranen Küche.

Die Top 10 unter den Lebensmittel bestehen bei Malhotra und O'Neill aus ballaststoffreichem Obst und Gemüse, fettreichem Fisch (mindestens dreimal pro Woche), ungesalzenen Nüssen (eine Handvoll pro Tag), nativem Olivenöl extra (2 bis 4 Esslöffel pro Tag), Kokosöl, dunkler Schokolade (mindestens 85 %, maximal 30 Gramm), fermentierten Milchprodukten (Joghurt, Käse, Kefir und Butter von Weidekühen), Eiern (mindestens 10 pro Woche) und schließlich Kräutern und Gewürzen wie Knoblauch, Ingwer, Curcuma und Basilikum. Auch rotes Fleisch wird in begrenztem Umfang als gesund erachtet, bis zu 500 Gramm pro Woche, vorzugsweise unverarbeitet und von grasgefütterten Tieren. Als Getränke werden Kaffee, Tee und Wasser sowie Rotwein (in Maßen, ein Glas pro Tag) empfohlen.

Von kohlenhydratreichen Produkten mit einer hohen glykämischen Last wird abgeraten. Hierzu zählen alle Produkte mit hohem Zuckergehalt wie Limonaden, Cola, Fruchtsäfte, Honig und Sirup und alle verpackten und verarbeiteten Kohlenhydrate, wie Brot, Gebäck, Nudeln, Couscous, Reis, Kekse, Müsliriegel usw. Gleiches gilt für Öle aus Samen wie Sonnenblumen-, Mais- oder Sojaöl. Hülsenfrüchte werden übrigens nicht explizit erwähnt, finden sich aber in zahlreichen Rezepten.

 

Unterschiede zur mediterranen Diät

Die Pioppi-Diät ist keine typische mediterrane Diät, da Getreideprodukte vermieden werden und Produkte wie Kokosöl hinzugefügt werden. Die traditionelle mediterrane Diät enthält insgesamt auch viel Obst und Gemüse, Fisch, Olivenöl, etwas Käse, Fleisch, Nüsse und Eier und wird durch Pasta, Reis und Brot ergänzt. Diese Ernährung ist daher nicht kohlenhydratarm und darin besteht wahrscheinlich ihr wichtigster Unterschied zur Pioppi-Diät. Diese könnte man daher im Wesentlichen als eine kohlenhydratarme Version der herkömmlichen mediterranen Diät bezeichnen.

Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Gegensätze der Pioppi-Diät zur Urdiät der klinischen PNI?

Gemeinsamkeiten:
• Die größte Gemeinsamkeit liegt darin, dass beide Diäten als Hauptbestandteile die folgenden wichtigen Nahrungsmittel enthalten: (fettreicher) Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Samen, Nüsse, Gemüse, Obst, Kräuter, Gewürze und gesunde Fette aus pflanzlichen Ölen, wie Olivenöl und Kokosöl. Eine weitere Übereinstimmung liegt darin, dass beide Diäten von Getreide, verarbeiteten, kohlenhydratreichen Produkten und Zucker (-zusätzen) abraten.

• Beide Diäten erkennen die gesundheitlichen Vorteile von gesättigten Fettsäuren [4] und bauen darauf auf, dass viel eher eine Ernährung mit einem Übermaß an schnellen Kohlenhydraten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. Dies steht im Gegensatz zu den Aussagen der Sieben-Länder-Studie von Keys und der Auffassung, wie sie das Voedingscentrum heute noch vertritt. (Mehr Informationen zu gesättigten Fetten finden Sie im Artikel: Kokosöl, gesund oder nicht? https://www.bonusan.com/nl/nieuws/kokosolie-gezond-of-niet/).

• Beide Diäten umfassen auch intermittierendes Fasten. Die Pioppi-Diät empfiehlt, 24 Stunden pro Woche zu fasten und an den restlichen Tagen maximal drei Mahlzeiten pro Tag zu sich zu nehmen. Die Urdiät ist hier etwas flexibler und rät, die Anzahl der Mahlzeiten pro Tag von 1 bis 3 zu variieren, bei einem Maximum von 17 bis 21 pro Woche. Außerdem wird im Rahmen der Urdiät empfohlen, zwischen dem Abendessen und dem Frühstück mindestens 13 Stunden Abstand zu halten, sich vorher nüchtern zu bewegen und erst dann zu essen.


Unterschiede:

• Aus verschiedenen Gründen wird bei der Urdiät dazu geraten, so weitgehend wie möglich auf den Verzehr von Nachtschattengewächsen, Hülsenfrüchten und Milchprodukten zu verzichten. Vor allem Caseine, Lektine und Saponine (und Gluten aus Getreide) können die Darmwand reizen und so zu Verdauungsbeschwerden beitragen. Diese Substanzen werden in der Pioppi-Diät nicht erwähnt. Jedoch dürfen diese Nahrungsmittel auch in der Urdiät durchaus gelegentlich verzehrt werden, vorausgesetzt, dass eine gesunde Verdauung vorliegt.

• Für Fleisch von Säugetieren gilt das gleiche: Es enthält Neu5Gc, ein Protein, das dem menschlichen Neu5Ac ähnelt und unser Immunsystem stören kann. Auch hierbei gilt, dass rotes Fleisch in Maßen auch im Rahmen der Urdiät verzehrt werden darf, vorausgesetzt, man ist gesund und bewegt sich nüchtern (dann wird Neu5Gc als Energiequelle genutzt). Die Pioppi-Diät ist hier etwas weiter gefasst und empfiehlt, wie bereits erwähnt, maximal 500 Gramm Fleisch von grasgefütterten Säugetieren pro Woche. Übrigens: Das Voedingscentrum behauptet auf seiner Website, dass die Pioppi-Diät keine Höchstmenge an Fleisch angebe, was jedoch unrichtig ist (siehe Literaturhinweis [5]). Das Voedingscentrum empfiehlt jedoch ebenfalls, nicht mehr als 500 Gramm Fleisch pro Woche (vorzugsweise unverarbeitet) zu verzehren, wobei der Anteil von rotem Fleisch nicht über 300 Gramm liegen sollte.

 

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Die Urdiät nach den Grundsätzen der kPNI und die Pioppi-Diät haben viele Gemeinsamkeiten, da beide sowohl die Kohlenhydratmenge einschränken als auch einen täglichen Speisezettel mit viel Obst und Gemüse und gesunden Fetten aus fettreichem Fisch, Eiern und Olivenöl empfehlen. Das Voedingscentrum äußert sich insbesondere besorgt über die Einschränkung von Kohlenhydraten und die Erhöhung des Verzehrs von (gesättigten) Fetten, Eiern und Kokosöl in beiden Diäten. Obwohl dies nach Ansicht des Voedingscentrums zufolge noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht sei, stimmen beide Diäten im Großen und Ganzen recht gut mit einer Reihe anderer Low-Carb-, High-Fat-Diäten überein, mit denen zahlreiche vorteilhafte Gesundheitswirkungen erzielt werden.

Das Buch „Die Pioppi-Diät“ enthält an seinem Ende übrigens ein langes Literaturverzeichnis, das eine Vielzahl wissenschaftlicher Quellen umfasst. [6]


Die Urdiät geht bei der Vermeidung bestimmter Arten von Nahrungsmitteln jedoch noch weiter als die Pioppi-Diät. Wichtige Beispiele hierfür sind Nachtschattengewächse, Hülsenfrüchte und Milchprodukte. Zudem bietet die Pioppi-Diät nur ein eher allgemein gehaltenes Livestyle-Konzept, während die Urdiät der kPNI – in Verbindung mit den kPNI-Lebensstilrichtlinien – das Fundament der Wiederherstellung der Verdauung (und der allgemeinen Gesundheit) im Rahmen einer integralen Therapie bildet.


Literatur

[1] https://www.voedingscentrum.nl/encyclopedie/pioppi-dieet.aspx

[2] Mehr Informationen zur Siben-Länder-Studie: https://www.sevencountriesstudy.com

[3] https://www.voedingscentrum.nl/encyclopedie/pioppi-dieet.aspx

[4] F.A.J. Muskiet, M.H.A. Muskiet en R.S. Kuipers, Het faillissement van de verzadigd vethypothese van cardiovasculaire ziektes, Ned Tijdschr Klin Chem Labgeneesk 2012; 37: 192-211
https://www.nvkc.nl/sites/default/files/NTKC/2012-3-p192-211.pdf

[5] In Kapitel 14 des Buchs Die Pioppi-Diät zitieren die Autoren im Abschnitt „Rotes Fleisch“ die Empfehlung des World Cancer Research Fund, der eine Obergrenze von 500 g rotes Fleisch empfiehlt, schließen sichdieser an und fügen hinzu, dass rotes Fleisch, wenn es verzehrt wird, bevorzugt von grasgefütterten Tieren stammen sollte.

[6] Unter „Quellen“ enthält Die Pioppi-Diät zahlreiche Verweise auf (wissenschaftliche) Veröffentlichungen, die die Fundiertheit des Pioppi-Diätkonzepts belegen.

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