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Getreide: mehr als nur Gluten

Donnerstag 16 November 2017

Gluten ist für die meisten Menschen eher unvorteilhaft. Die im Gluten enthaltenen prolinreichen Bindungen können im Darm nur mühsam mit Proteasen aufgespalten werden. Dabei entstehen Peptide (Exorphine), die mit verschiedenen glutenbedingten Symptomen in Zusammenhang gebracht werden.

Exorphine gehören zu den morphinähnlichen Substanzen. Daher können auch sie sich an die Rezeptoren des Endorphinsystems binden und so das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren – unter anderem über die Dopaminbildung. Dies kann bei empfindlichen Personen zu nachteiligen psychologischen Auswirkungen wie zum Beispiel Suchtverhalten, Wahrnehmungsstörungen und ADHS-ähnlichem Verhalten führen.

 

Mehr als nur Gluten

Wenn nach dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel Beschwerden auftreten, muss das nicht zwangsläufig immer auf Zöliakie oder eine Allergie gegen Weizenproteine hindeuten. In den letzten Jahren wurde eine dritte, weniger bekannte Störung entdeckt, bei der die Beschwerden durch eine glutenfreie Diät verschwinden: Probleme durch Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI).

ATI sind von Natur aus in Getreide enthaltene Proteine, die bestimmte Zellen des angeborenen Immunsystems aktivieren. Im Tierexperiment verstärken diese ATI Beschwerden, die durch ein chronisch aktiviertes Immunsystem, akute Entzündungen und Autoimmunreaktionen verursacht werden. Es liegen eindeutige Hinweise darauf vor, dass Menschen mit akuten oder chronischen Entzündungen und Autoimmunerkrankungen auf diese Weise nach Gluten-Exposition eine Verschlechterung ihrer Beschwerden erfahren können.

Dabei kann es nicht nur zu Beschwerden im Magen-Darm-Bereich kommen, sondern auch zu Kopfschmerzen, Migräne, chronischer Müdigkeit, Muskel- und Gelenkbeschwerden. Diese werden traditionell mit dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln in Zusammenhang gebracht.

 

Glutenarm oder glutenfrei?

Wie viele Menschen an dieser Form von Unverträglichkeit leiden, ist unbekannt, aber einer vorsichtigen Schätzung zufolge sind mindestens 10 % der Bevölkerung in irgendeiner Weise dafür anfällig. Im Gegensatz zur Zöliakie erfordert diese Form der Überempfindlichkeit wahrscheinlich keine streng glutenfreie Diät. In der Praxis scheint eine starke Reduktion (um ca. 90 %) auszureichen, um die Symptome verschwinden zu lassen.

Alte Getreidearten wie Dinkel enthalten deutlich (ca. 50 %) weniger ATI als neuere Arten. Wer also ganz sicher gehen will, entscheidet sich natürlich für glutenfrei.

 

Literatur

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