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Hochfructose-Maissirup (HFCS) fördert Tumorwachstum im Dickdarm

Montag 29 April 2019

Eine tägliche Dosis Erfrischungsgetränk beschleunigt das Wachstum von Tumoren im Dickdarm von Mäusen. Forscher fanden außerdem heraus, wie fructosereiche Getränke das Tumorwachstum fördern. Die entsprechende Studie wurde in Science veröffentlicht.

 

Kann Zucker Krebszellen auf direkte Weise ernähren und so deren Wachstum anregen? Die Antwort darauf scheint „ja“ zu lauten, zumindest bei Mäusen, wie eine Studie des Baylor College of Medicine und Weill Cornell Medicine College zeigt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht. [1]


Die Studie zeigt, dass eine tägliche, moderate Menge an HFCS aus einem stark zuckerhaltigen Getränk das Wachstum von Darmtumoren bei Mäusen stimulierte, unabhängig davon, ob sie adipös waren oder nicht. Das Team entdeckte außerdem den Mechanismus, durch den der Konsum zuckerreicher Getränke das Krebswachstum direkt fördert.

 

Suche nach direktem Zusammenhang

„Bisher wurde angenommen, dass Zucker für unsere Gesundheit schädlich ist, weil er im Übermaß zu Adipositas führen kann. Und Adipositas erhöht das Risiko für viele Krebsarten, einschließlich Darmkrebs. Aber wir wussten bisher noch nicht genau, ob es einen direkten und kausalen Zusammenhang zwischen Zuckerverbrauch und Krebs gibt“, erklärt ein Forscher. [2]


In der Studie wurde bei den Mäusen zunächst das APC-Gen (Adenomatous Polyposis Coli Gene) deaktiviert. „APC ist der Torwächter für Darmkrebs“, heißt es weiter in der Studie. „Ohne die Wirkung dieses Gens hören Darmzellen nicht mehr auf zu wachsen und sterben nicht mehr ab, sodass es zur Entstehung von Polypen kommt, einer Vorstufe von Tumoren. Bei mehr als 90 Prozent aller Darmkrebspatienten liegt diese APC-Mutation vor.“

 

Einfluss von Zuckerwasser

Das Forschungsteam untersuchte den Einfluss des Konsums von Zuckerwasser auf die Entstehung von Tumoren bei Mäusen. Das Zuckerwasser enthielt 25 % HFCS, den wichtigsten Süßstoff zuckerhaltiger (Erfrischungs-) Getränke. HFCS setzt sich aus Glucose und Fructose im Verhältnis 45:55 zusammen.


Anfänglich durften die APC-Mäuse so viel Zuckerwasser trinken, wie sie wollten. Die Folge war, dass sie bereits in einem Monat erheblich zunahmen. Von da an erhielten die Mäuse nur noch eine genau bemessene Menge des Zuckerwassers. Dies sollte verhindern, dass sie adipös wurden. Darüber hinaus wollten die Forscher auf diese Weise den täglichen menschlichen Konsum nachahmen, der in etwa einer Portion Erfrischungsgetränk von gut 350 ml entspricht. Nach zwei Monaten waren die Mäuse zwar nicht adipös, aber ihre Tumoren waren deutlich größer und entwickelter als die derjenigen Mäuse, die nur gewöhnliches Wasser erhalten hatten.


Um dieses Ergebnis auf den Menschen zu übertragen, bedarf es weiterer Forschung, aber die Forscher kommen halten es bereits jetzt für erwiesen, dass sich aus ihrer Mausstudie darauf schließen lässt, dass chronischer Konsum zuckerreicher Getränke Tumorwachstum und -progression fördert.


Beim Menschen dauert es normalerweise 20 bis 30 Jahre, bis sich Darmkrebs von einem frühen Stadium gutartiger Polypen bis zum aggressiven Krebs entwickelt: „Dieser Befund der Mausstudie mag erklären, warum die Zunahme von Darmkrebs bei 25- bis 50-Jährigen in den Vereinigten Staaten mit dem gesteigerte Konsum von Süßgetränken und anderen zuckerhaltigen Nahrungsmitteln zusammenhängt.“

 

Mechanismus untersucht

Im Anschluss untersuchte das Team den Mechanismus, mit dessen Hilfe Zucker das Tumorwachstum fördert. Sie fanden heraus, dass zuckerhaltige Getränke die Fructosemenge im Dickdarm und im Blut erhöhten und dass Tumoren diese Fructose und Glucose effizient aufnehmen konnten. Mit fortschrittlichen Techniken konnten sie der Glucose und der Fructose im Tumorgewebe folgen und zeigen, dass sich die Fructose zunächst chemisch veränderte und anschließend die Fettsäuresynthese durch Glucose stimulierte. Das daraus resultierende Überangebot an Fettsäuren trägt zum Tumorwachstum bei.

 

Fazit

Diese Studie zeigt, dass Darmtumoren HFCS als Treibstoff zur Förderung des Tumorwachstums verwenden. In vielen anderen Studien wurde bereits die erhöhte Inzidenz dieser Krebsart mit zuckerreicher Ernährung korreliert. Während Glucose einen essenziellen Nährstoff für unsere Körperzellen darstellt, gilt dies nicht für Fructose. Daher ist es vielversprechend, Therapien zu entwickeln, die diese Erkenntnis nutzen. Auf jeden Fall ist es ratsam, HFCS-reiche Nahrungsmittel und Getränke so weitgehend wie möglich zu vermeiden, um das Risiko für Darmkrebs zu verringern.

 

Literatur

[1] M.D. Goncalves el al., High-fructose corn syrup enhances intestinal tumor growth in mice, Science (2019). science.sciencemag.org/cgi/doi … 1126/science.aat8515

[2] https://medicalxpress.com/news/2019-03-high-fructose-corn-syrup-boosts-intestinal.html

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