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Kokosöl, gesund oder nicht?

Dienstag 11 Juni 2019

Ist Kokosöl nun gesund oder nicht? Diese Frage sorgt derzeit aufgrund einer Warnung von Harvard-Professorin Karen Michels für beträchtliche Aufregung. Sie bezeichnet Kokosöl als „reines Gift“, weil es den Cholesterinspiegel und damit das Risiko einer Atherosklerose erhöhe.

 

Laut Karen Michels, stellvertretender Professorin für Epidemiologie an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, enthält Kokosöl viel zu viele gesättigte Fettsäuren. Und diese wiederum verursachen einen erhöhten Cholesterinspiegel im Blut, der zu Atherosklerose führt. Daher bezeichnet sie Kokosöl als „reines Gift“, das wir besser meiden sollten.

 

Was sind die Fakten?

Kokosöl, oder Kokosfett, enthält in der Tat viele gesättigte Fettsäuren: über 85 %. Insbesondere seit dem Jahr 1985 gilt der Zusammenhang zwischen dem Konsum von gesättigten Fettsäuren, Cholesterin und „Speisefett“ im Allgemeinen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als erwiesen. [1] Auch heute ist dies noch immer die vorherrschende Sicht der Dinge. So vertritt zum Beispiel auch die Stiftung Voedingscentrum Nederland auf ihrer Website die Auffassung, dass gesättigte Fettsäuren das „schädliche“ LDL-Cholesterin im Blut erhöhen und dass dies von Nachteil für die Blutgefäße sei. Sie empfiehlt daher, gesättigte Fettsäuren einschließlich Kokosfett so weit wie möglich durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu ersetzen. [2]


Tatsächlich ist es jedoch fraglich, ob gesättigte Fettsäuren und erhöhte Cholesterinwerte wirklich zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Eine großangelegte neue Studie zeigt zum Beispiel, dass erhöhte LDL-Cholesterinwerte die Lebenserwartung älterer Menschen nicht verringern. Im Gegenteil: Ein erhöhter LDL-Wert geht häufig sogar mit einer längeren Lebensdauer einher. [3] Was ist unser Standpunkt zu diesem Thema?

 

Die Funktionen von gesättigten Fetten

Gesättigte Fette lassen sich in kurz-, mittel- und langkettige Fettsäuren unterteilen. Kurzkettige Fettsäuren (Buttersäure und Milchsäure) bilden einen Nährboden für die Epithelzellen des Darms. Langkettige Fettsäuren (wie Palmitinsäure) finden sich unter anderem in Fleisch, Milchprodukten und Kakao und regen die LDL-Bildung in der Leber an.


Mittelkettige Fettsäuren (MCT, medium chain tryglycerides) finden sich unter anderem in Avocado (Caprylsäure) und Kokosnuss. Kokosnuss besteht zu mehr als der Hälfte aus der gesättigten MCT Laurinsäure. MCT bilden eine Energiequelle für die Beta-Oxidation in den Mitochondrien. Diese Art von Fettverbrennung liefert nicht nur Energie, sondern auch die Substanz Acetyl-CoA. Aus dieser kann die Leber dann Ketone bilden. Neben Glucose sind nur diese Ketone als Energiequelle für das Gehirn geeignet (Fettsäuren können die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren, Ketone jedoch sehr wohl). Daher spielen MCT und insbesondere Kokosfett eine wichtige Rolle in der ketogenen Ernährung.

 

Die vielfältigen Funktionen von Cholesterin

Wie bereits erwähnt, hat insbesondere LDL-Cholesterin einen schlechten Ruf. Cholesterin, eine fettähnliche Substanz, erfüllt jedoch viele äußerst nützliche Funktionen in unserem Körper:

• es bildet einen Grundbestandteil unserer Geschlechtshormone und des Hormons Cortisol,
• es wird zum Aufbau unserer Zellmembranen benötigt,
• Vitamin D wird aus Cholesterin gebildet,
• es wird zur Bildung von Gallensäuresalzen benötigt (die für die Verdauung von Fetten im Dünndarm wichtig sind),
• es erfüllt wichtige Funktionen im angeborenen Immunsystem, indem es als Reparaturmittel für Schäden dient, Bakterien, Viren und Toxine neutralisiert und so die Endotoxämie im Blut reduziert. [4]

 

Was sind die Eigenschaften von HDL und LDL?

HDL und LDL sind Lipoproteine, die Cholesterin und Triglyceride im Blut transportieren. LDL enthält viel Cholesterin und wenig Proteine und transportiert das Cholesterin von der Leber zum Gewebe. HDL transportiert das Cholesterin wieder zurück zur Leber. In der Leber wird das übriggebliebene Cholesterin zur Bildung von Gallensäure-Salzen verwendet. LDL und HDL erfüllen daher verschiedene, aber gleich wichtige Aufgaben im Cholesterinhaushalt.


Erhöhte LDL-Werte können dann auftreten, wenn Zellen und Gewebe zusätzliches Cholesterin benötigen, zum Beispiel in Situationen mit (erhöhtem) Stress und/oder einer Endotoxämie im Blutkreislauf. Ein erhöhter LDL-Spiegel stellt in solchen Situationen also eine physiologische Reaktion unseres Körpers dar, die ihm helfen soll, mehr Cortisol zu bilden oder eine Endotoxämie zu bekämpfen. Auch wenn diese Reaktion unter Umständen unnötig oder übertrieben sein kann, ist es bei übermäßigem Stress oder Endotoxämie dennoch auf jeden Fall sinnvoller, nach deren tatsächlicher Ursache zu fragen.

 

Wann wird ein erhöhter LDL-Spiegel zum Problem?

LDL enthält eine relativ große Menge an Fett, wodurch es relativ leicht an der Wand von Blutgefäßen kleben bleiben kann. Bei glatten Blutgefäßen (vergleichbar mit dem Inneren eines Gartenschlauchs) kann LDL grundsätzlich nicht haften bleiben. Wann und warum treten dann aber Probleme wie insbesondere Atherosklerose auf?


Zum ersten, weil LDL anfällig gegenüber Oxidation ist. Daher ist es wichtig, dass unsere Nahrung genügend Antioxidantien, insbesondere Vitamin E, enthält, um diese Oxidation von LDL zu verhindern. Weiterhin können durch erhöhte Homocysteinwerte im Blut Schäden an den Gefäßwänden entstehen. Dies kann geschehen, wenn die Nahrung keine ausreichenden Mengen der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin und der Vitamine B6, B12 und Folsäure enthält. An solchen rauen Gefäßwänden kann das LDL dann leicht haften bleiben und oxidieren. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion mit der Bildung von Schaumzellen durch Monozyten. Dadurch entsteht dann Atherosklerose.

 

Einfluss der Ernährung

Daher kann der Verzehr von Nahrung, die nicht in ausreichendem Maß schwefelhaltige Aminosäuren, B-Vitamine und Antioxidantien enthält, zu Problemen mit den Blutgefäßen führen. Dies hat jedoch nichts mit dem Verzehr von gesättigten Fetten wie Kokosöl und/oder cholesterinreichen Lebensmitteln wie Eiern, Innereien und Garnelen zu tun. Im Prinzip hält der Körper die Cholesterinmenge nämlich von selbst im Gleichgewicht. Je mehr Cholesterin über die Nahrung aufgenommen wird, desto weniger Cholesterin synthetisiert die Leber und umgekehrt. [5]


Allerdings kann sich eine Mahlzeit mit einem hohen Überschuss an schnellen Kohlenhydraten sehr wohl negativ auf den Cholesterinspiegel auswirken. Kurz gesagt führen eine zuckerreiche Mahlzeit und Insulinresistenz zu einem Überschuss an Glucose im Blut, was zu einer Schädigung – „Verzuckerung“ – der Blutgefäßwand mit allen damit verbundenen Folgen führen kann, wie oben beschrieben.


Darüber hinaus wird der Überschuss an Glucose die Leber dazu anregen, sie in Fett umzuwandeln und mehr Cholesterin zu bilden, welches dann in der LDL-Form in den Blutkreislauf abgegeben wird. Eine systematische Übersichtsstudie hat gezeigt, dass eine Reduzierung der Kohlenhydrataufnahme dieses Gleichgewicht wieder verbessert: der HDL-Spiegel steigt, während sich der LDL-Spiegel nicht verändert. [6]

 

Kurz zusammengefasst

Um Atherosklerose zu verhindern, ist es nicht notwendig, den Verbrauch von gesättigten Fetten und damit von Kokosöl auf null zu reduzieren. Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine (moderate) Aufnahme von gesättigten Fetten zu einem erhöhten Cholesterinspiegel und damit zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. [7] Eine Ernährung mit einem Übermaß an (schnellen) Kohlenhydraten und einem Mangel an bestimmten Nährstoffen (Vitamin E, Methionin, Vitamin B6, B12 und Folsäure) kann zu Schäden an den Blutgefäßen führen. Dann kann LDL an der Gefäßwand haften bleiben, oxidieren und schließlich zu Atherosklerose führen.

 

Literatur

[1] Keys A. Atherosclerosis: a problem in newer public health. J Mt Sinai Hosp N Y 1953; 20; 1: 18-39. Meer informatie: https://www.sevencountriesstudy.com

[2] https://www.voedingscentrum.nl/encyclopedie/verzadigd-vet.aspx en https://www.voedingscentrum.nl/encyclopedie/kokos-en-kokosvet.aspx

[3] Uffe Ravnskov, David M Diamond, Rokura Hama, Tomohito Hamazaki, Björn Hammarskjöld, Niamh Hynes, Malcolm Kendrick, Peter H Langsjoen, Aseem Malhotra, Luca Mascitelli, Kilmer S McCully, Yoichi Ogushi, Harumi Okuyama, Paul J Rosch, Tore Schersten, Sherif Sultan, Ralf Sundberg, Lack of an association or an inverse association between low-density-lipoprotein cholesterol and mortality in the elderly: a systematic review, BMJ Open, 2016;6:e010401

[4] U. Ravnskov, High cholesterol may protect against infections and atherosclerosis
QJM: An International Journal of Medicine, Volume 96, Issue 12, 1 December 2003, Pages 927–934, https://doi.org/10.1093/qjmed/hcg150

[5] Djoussé L1, Gaziano JM., Dietary cholesterol and coronary artery disease: a systematic review. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19852882

[6] Santos FL1, Esteves SS, da Costa Pereira A, Yancy WS Jr, Nunes JP, Systematic review and meta-analysis of clinical trials of the effects of low carbohydrate diets on cardiovascular risk factors. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22905670

[7] F.A.J. Muskiet, M.H.A. Muskiet en R.S. Kuipers, Het faillissement van de verzadigd vethypothese van cardiovasculaire ziektes, Ned Tijdschr Klin Chem Labgeneesk 2012; 37: 192-211
https://www.nvkc.nl/sites/default/files/NTKC/2012-3-p192-211.pdf

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