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Bei metabolischem Syndrom senken Heidelbeeren das Risiko für Herzkrankheiten

Dienstag 09 Juli 2019
Täglich 150 Gramm Heidelbeeren verringern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit metabolischem Syndrom um bis zu 15 Prozent. Bei der halben Portion stellte sich dieser Effekt laut einer Langzeitstudie nicht ein. Daher raten die Forscher allen Betroffenen in Risikogruppen, jeden Tag eine reichliche Portion zu verzehren.

 

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass sich bei Menschen, die regelmäßig Heidelbeeren verzehren, das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Heidelbeeren viele Anthocyane enthalten, eine bestimmte Art von Flavonoiden, die für die Blaufärbung dieser Frucht verantwortlich sind. Flavonoide besitzen unter anderem eine antioxidative Wirkung (mehr dazu am Ende dieses Artikels).


In der vorliegenden Studie der University of East Anglia verringerte eine tägliche Portion von 150 Gramm Heidelbeeren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit metabolischem Syndrom um 15 Prozent. Eine halbe Portion von 75 Gramm erwies sich als unzureichend, um diese Wirkung zu erzielen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht. [1]

 

Ernährungs- und Lifestyle-Änderungen helfen auch

Das metabolische Syndrom ist eine Erkrankung, von der etwa ein Drittel der westlichen Erwachsenen betroffen ist. Es ist durch mindestens drei der folgenden Risikofaktoren gekennzeichnet: Bluthochdruck, übermäßiges Bauchfett, erhöhter Blutzuckerspiegel, zu wenig HDL (nützliches Cholesterin) und zu viele Triglyceride im Blut.


Ein Forscher: „Das metabolische Syndrom erhöht das Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfall und Diabetes erheblich und häufig werden Statine und andere Medikamente eingesetzt, um dieses Risiko zu verringern. Es ist jedoch allgemein anerkannt, dass hier auch Änderungen des Lebensstils – einschließlich einfacher Änderungen der Ernährungsgewohnheiten – helfen können.“ [2]

 

Verbesserung der Gefäßfunktion

Das Team untersuchte die Auswirkungen des Verzehrs von Heidelbeeren bei 138 Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und metabolischem Syndrom im Alter zwischen 50 und 75 Jahren. Die Studie dauerte 6 Monate und ist somit die längste ihrer Art. Untersucht wurden die Vorteile des Verzehrs von 150 Gramm im Vergleich zur halben Portion. Die Teilnehmer erhielten die Heidelbeeren in gefriergetrockneter Form. Einer Placebogruppe wurde eine farblich gleich erscheinende Alternative verabreicht.


Ein Forscher: „Wir stellten fest, dass der Verzehr von 150 Gramm Heidelbeeren pro Tag zu einer nachhaltigen Verbesserung der Gefäßfunktion und arteriellen Gefäßsteifigkeit führte und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 12 bis 15 Prozent verringerte. Die einfache und leicht zu befolgende Schlussfolgerung lautet nun also, dass man 150 Gramm Heidelbeeren pro Tag essen sollte, um seine kardiovaskuläre Gesundheit zu verbessern.“

 

Keine Vorteile bei halber Portion

Ein weiteres, überraschendes Resultat der Studie bestand darin, dass eine halbe Portion pro Tag entgegen den Erwartungen der Forscher überhaupt keinen Nutzen brachte. Sie vermuten, dass bei Menschen mit Übergewicht und metabolischem Syndrom eine höhere Tagesdosis notwendig ist als bei der Allgemeinbevölkerung, um Vorteile für das Herz-Kreislauf-System zu erreichen.


Das Forscherteam empfiehlt daher, große Mengen von Heidelbeeren und anderen Beerenarten zur Nahrung hinzuzufügen, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. Und das gilt ganz besonders für Menschen, die zu Risikogruppen gehören.

 

Worin unterscheiden sich Blau- und Heidelbeeren?

Blaubeeren, die wir aus den Supermärkten kennen, sind für den kommerziellen Anbau gezüchtete Varianten der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Beerenarten Vaccinium corymbosum und Vaccinium angustifolium. Die europäische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) wird hingegen nicht für den kommerziellen Anbau verwendet und findet sich nur in den heimischen Wäldern, wo sie von Hand gesammelt wird. In der Studie der University of East Anglia wird leider nicht präzise benannt, welche Beerenart für die Untersuchung verwendet wurde. Allerdings geben zwei Studien, die als Ausgangspunkt für die vorliegende Studie dienten, an, die Beerenart Vaccinium angustifolium verwendet zu haben. Auch diese nordamerikanische Blaubeerenart stammt jedoch heute zumeist aus kommerziellem Anbau. In einer weiteren Studie wurde Vaccinium corymbosum verwendet. Insgesamt lässt sich daher der Schluss ziehen, dass sowohl Heidel- als auch Blaubeeren nützliche Inhaltsstoffe besitzen.


Besonders kommt es dabei jedoch auf den Gehalt an Anthocyanen an, denn je mehr eine Beere davon besitzt, desto gesünder ist sie. In einer Studie wurde der Gehalt an Anthocyanen in reifen Früchten verschiedener Vaccinium-Arten verglichen, wobei sich eine erhebliche Variabilität zwischen den Arten zeigte. [5] Der höchste Gehalt an Anthocyanen wurde in der europäischen Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) gemessen.


Kommerzielle Zuchtformen von Vaccinium angustifolium („Lowbush Blueberry“) besaßen etwa 43 % des Anthocyangehalts der Heidelbeere. Bei den kommerziellen Zuchtformen von Vaccinium corymbosum („Highbush Blueberry“) erwies sich der Anthocyangehalt als nochmals um bis zu 30 % geringer. Dennoch vermuten die Forscher, dass die gemessenen Unterschiede bei den Konzentrationen von Anthocyanen die antioxidative Wirkung der Beeren nicht allzu stark beeinträchtigen. Mit anderen Worten: Um von den gesundheitlichen Vorteilen der Blau- oder Heidelbeere zu profitieren, kann Ihr Klient getrost ein Eimerchen Blaubeeren im Supermarkt kaufen – aber natürlich aus biologischem Anbau.

 

Literatur

[1] Peter J Curtis et al., Blueberries improve biomarkers of cardiometabolic function in participants with metabolic syndrome—results from a 6-month, double-blind, randomized controlled trial, The American Journal of Clinical Nutrition (2018). DOI: 10.1093/ajcn/nqy380

[2] https://medicalxpress.com/news/2019-05-blueberries-day-heart-health.html

[3] Kalt, W. et al., Anthocyanin content and profile within and among blueberry species, Canadian Journal of Plant Science, 1999, 79(4): 617-623, https://doi.org/10.4141/P99-009

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