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Bluttest kann CFS nachweisen

Freitag 10 August 2018

In den Niederlanden leiden vermutlich 30-40.000 Menschen am chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS). Da jedoch die Symptome diffus sind, wird die Erkrankung oft nicht erkannt. Aber jetzt gibt es Hoffnung: In einer neuen Studie wurde CFS bei mehr als 80 Prozent der Patienten korrekt diagnostiziert.

 

CFS wird häufig auch als myalgische Enzephalomyelitis (ME) bezeichnet. Drei von vier CFS-Patienten sind Frauen. Die Prävalenz lässt sich in zwei Zeiträume unterteilen: zwischen 15 und 20 Jahren und zwischen 30 und 35 Jahren. Im ersten Jahr kann gelegentlich spontane Heilung auftreten, danach immer seltener und nach fünf Jahren so gut wie gar nicht mehr. Meist bleibt die Erkrankung jahrzehntelang bestehen.

Da die Symptome diffus sind, wird die Erkrankung oft nicht erkannt oder erst nach langwierigen Untersuchungen durch (mehrere) Spezialisten. Aber jetzt gibt es Hoffnung: In einer kürzlich durchgeführten Studie wurde CFS mithilfe von Stuhl- und Bluttests bei mehr als 80 Prozent der Patienten korrekt diagnostiziert.

 

Krankheitsbild

CFS war lange von einen Hauch des Geheimnisses umgeben. Bei dieser Erkrankung führen bereits geringe Anstrengungen zu starker Ermüdung, die sich auch durch mehrere Ruhepausen am Tag und ausreichenden Schlaf bei Nacht nicht verringern lässt. Zusätzlich kann sich ein sogenanntes postexertionales Unwohlsein einstellen, was bedeutet, dass Wochen benötigt werden, um sich von leichtester Anstrengung zu erholen.

Viele CFS-Patienten erfahren grippeähnliche Symptome, wie sie auch bei entzündlichen Erkrankungen auftreten: Beobachtet werden Herzprobleme, Migräne, manchmal auch kognitive Probleme wie Benommenheit, Magen-Darm-Beschwerden, Muskel- und Gelenkschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Durch CFS kann sich ein produktives Leben in ein einsames und abhängiges Leben verwandeln.

Bei der Frage nach den Ursachen tappte man bisher weitgehend im Dunkeln. Wissenschaftliche Befunde deuten darauf hin, dass eine übermäßige Aktivität des Immunsystems wie zum Beispiel bei Low-grade-Entzündungen (LGI) eine Rolle spielt.

 

Nebel beginnt sich zu lichten

Aufgrund des rätselhaften Charakters von CFS wurde zuweilen vermutet, die Krankheit sei psychosomatisch. Doch seit etwa zwei Jahren beginnt sich der Nebel zunehmend zu lichten: Biomarker der Erkrankung wurden in Darmbakterien identifiziert sowie entzündliche mikrobielle Substanzen im Blut. Jetzt zeigt sich auch, dass die Darmflora bei CFS-Patienten im Allgemeinen weniger vielfältig ist. Darüber hinaus enthält sie weniger Bakterienarten, von denen bekannt ist, dass sie entzündungshemmend wirken. Gleichzeitig lassen sich Entzündungsmarker im Blut nachweisen. Wahrscheinlich gelangen diese aufgrund eines undichten Darms, der durch Darmprobleme verursacht wurde, ins Blut. Die ins Blut gelangenden Bakterien verursachen eine Immunantwort, die die Symptome verschlimmern kann.

 

Messbare Entzündung

Nachfolgende Studien (n=582), bei denen die Konzentrationen von 51 Cytokinen im Blut gemessen wurden, zeigten, dass 17 dieser Cytokine mit dem Schweregrad der Erkrankung korrelierten. Dreizehn dieser siebzehn Cytokine sind pro-inflammatorisch. Dies deutet darauf hin, dass ein starker Zusammenhang zwischen Entzündungen und CFS besteht. Für diesen Nachweis wurden Blutproben von Patienten mit einer durchschnittlichen Symptomdauer von ca. 10 Jahren analysiert.

Demnach weisen CFS-Patienten offenbar im Allgemeinen höhere TGF-β-Spiegel und niedrigere Resistinspiegel auf. TGF-β ist ein entzündungshemmendes Cytokin, nimmt aber in einigen Fällen einen pro-inflammatorischen Charakter an, zum Beispiel bei bestimmten Krebsarten. Daher ist es sehr wahrscheinlich auch keineswegs ein Zufall, dass die Lymphominzidenz bei CFS-Patienten überdurchschnittlich hoch ist.

Leptin ist ein weiteres Cytokin, dessen Konzentration mit dem Schweregrad der Erkrankung übereinstimmt. Neben seiner Funktion im Sättigungsmechanismus ist Leptin auch eine aktive entzündungsfördernde Substanz. Im Allgemeinen liegt der Leptinspiegel im Blut bei Frauen höher als bei Männern.

 

Diagnostik und Behandlung

CFS kann durch Belastungstests festgestellt werden. CFS-Patienten, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen einen kardiopulmonalen Belastungstest absolvieren, gelingt es am zweiten Tag nicht mehr, gleich hohe Leistungen wie am erste Tag zu erreichen. Dies ist jedoch für gesunde Menschen und sogar für Menschen mit Herzkrankheiten kein Problem.

Weiterhin ist eine Untersuchung auf bestehende Low-Grade-Entzündungen sinnvoll, da diese offenbar die Grundlage von CFS bilden. Solche latent vorhandenen Entzündungen sind sehr wahrscheinlich oft auch Hinterlassenschaften von Erkrankungen, die man irrtümlich für völlig ausgeheilt gehalten hatte. LGI können jahrelang bestehen bleiben und bilden dann den Keim vieler Zivilisationskrankheiten.

 

Weitere Risikofaktoren

Nähr- und ballaststoffarme Lebensmittel mit hohem glykämischen Index sind Risikofaktoren für LGI, ebenso wie ein gestörtes Fettsäurengleichgewicht und übermäßiger Alkoholkonsum, Mykotoxine, Saponine und Lektine. Daher kann die Ernährungsweise ein Indikator sein.

Ein erhöhter Gehalt an CRP-Protein im Blut deutet auf eine (latente) Entzündung hin. Möglicherweise können Stuhl- und Bluttests in Zukunft eine Ergänzung für diese und andere Methoden bieten.

 

Fazit

Die Erkrankung CFS wurde bisher nur unzureichend verstanden und teilweise sogar auf psychische Ursachen zurückgeführt. Nun kommen endlich bessere Möglichkeiten zur Erkennung, Diagnose und Behandlung in Sicht. Stuhl- und Bluttests können bei der Diagnostik helfen. Außerdem hat sich gezeigt, dass eine Verbesserung der Darmflora und der Fettsäurenzusammensetzung über die Nahrung wirksam sein kann.

 

Literatur

Jose G. Montoya el al.: Cytokine signature associated with disease severity in chronic fatigue syndrome patients. PNAS (2017).
Ludovic Giloteaux et al.: Reduced diversity and altered composition of the gut microbiome in individuals with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. Microbiome (2016).
Simopoulos AP: The importance of the omega-6/omega-3 fatty acid ratio in cardiovascular disease and other chronic diseases. Exp Biol Med (Maywood) (2008)

https://medicalxpress.com/news/2017-07-biomarkers-chronic-fatigue-syndrome-severity.html
https://medicalxpress.com/news/2016-06-indicator-chronic-fatigue-syndrome-gut.html

 

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