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Darmbakterien können Autoimmunerkrankungen verursachen

Samstag 28 April 2018
Eine ungünstige Flora kann die Grundlage zahlreicher Erkrankungen bilden. Auch von Autoimmunerkrankungen, wie eine Studie der Yale University (USA) nun zeigt. Das Bakterium Enterococcus gallinarum benötigt zum Eindringen in den Blutkreislauf keine geöffneten Tight Junctions.

Darmbakterien werden mit zahlreichen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Nun auch mit Autoimmunerkrankungen, bei denen gesundes Gewebe vom eigenen Immunsystem angegriffen wird. Eine neue Studie der Yale University hat in diesem Zusammenhang das Bakterium Enterococcus gallinarum untersucht. Dieses Bakterium war bereits für seine Resistenz gegenüber dem Antibiotikum Vancomycin bekannt. Außerdem kann es Meningitis bei Neugeborenen verursachen.

Vor kurzem wurde entdeckt, dass dieses Bakterium spontan aus dem Darmtrakt in die Lymphknoten, Leber und Milz eindringen kann. Dies bezeichnet man auch als Translokation. Mitunter erfordert diese Translokation offene Tight Junctions, aber bei E. gallinarum ist dies nicht erforderlich.

 

Die Studie

Besagte Studie wies nicht nur die Ausbreitung des Bakteriums aus dem Dünndarm von Mäusen nach, sondern fand ebenfalls heraus, dass E. gallinarum in Geweben außerhalb des Darms die Bildung von Autoantikörpern und Entzündungen auslösen kann. Dies ist charakteristisch für eine Autoimmunreaktion.

Dieser Mechanismus konnte in kultivierten Leberzellen gesunder Menschen bestätigt werden. Darüber hinaus wurde das Bakterium auch bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen der Leber gefunden. Die Autoimmunreaktion kann mit einem Antibiotikum oder Impfstoff gegen das betreffende Bakterium unterdrückt werden.

Beide Herangehensweisen unterdrücken das Wachstum der Bakterien im Gewebe und milderten ihre Auswirkungen auf das Immunsystem. Hierbei greift das Antibiotikum bereits im Darm ein, wodurch eine Translokation vollständig verhindert wird, während der Impfstoff erst später ansetzt.

Das Ergebnis der Studie eröffnet vielversprechende Perspektiven für die Behandlung von chronischen Autoimmunerkrankungen einschließlich des systemischen Lupus. Dabei handelt es sich um eine zu den Bindegewebserkrankungen zählende Autoimmunstörung, die durch das Vorhandensein von Antikörpern gegen verschiedene Kernbestandteile gekennzeichnet ist.

 

Fleischfertigprodukte

Verzehrfertige Fleischprodukte können offenbar unter bestimmten Umständen E. gallinarum enthalten. Antibiotika können im Kampf gegen dieses Bakterium erfolgreich eingesetzt werden. Allerdings werden dabei auch nützliche Bakterien vernichtet, sodass eine Entartung der Darmflora und vermehrtes Eindringen schädlicher Bakterien droht.

Daher ist es besser, stattdessen das Darmmilieu zu optimieren. Nützliche Bakterien sorgen dafür, dass weder Platz noch Nahrung für schädliche Bakterien übrig bleiben. Dadurch werden schädliche Bakterien bereits im Vorfeld abgewehrt, bevor sie eine Chance erhalten, in den Körper einzudringen.

 

Literatur

Rashidi A, Ebadi M, Shields-Cutler RR, DeFor TE, Al-Ghalith GA, Ferrieri P, Young JH, Dunny GM, Knights D, Weisdorf DJ, Pretransplant Gut Colonization with Intrinsically Vancomycin-Resistant Enterococci (E. gallinarum and E. casseliflavus) and Outcomes of Allogeneic Hematopoietic Cell Transplantation, Biol Blood Marrow Transplant. 2018 Jan 31. pii: S1083-8791(18)30041-7.

Chajęcka-Wierzchowska W, Zadernowska A, Łaniewska-Trokenheim Ł., Diversity of Antibiotic Resistance Genes in Enterococcus Strains Isolated from Ready-to-Eat Meat Products, J Food Sci. 2016 Oct 25.

Manfredo Vieira S. el al., "Translocation of a gut pathobiont drives autoimmunity in mice and humans," SCIENCE09 MAR 2018 : 1156-1161
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