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Eine Stunde Bewegung pro Woche verhindert Depressionen

Donnerstag 10 Januar 2019

Die Forscher verwendeten Daten, die zwischen 1984 und 1997 unter 33.908 norwegischen Männern und Frauen aller Altersgruppen gesammelt worden waren [1]. Dabei wurde gemessen, wie oft sich die Teilnehmer körperlich bewegt hatten und ob bei ihnen danach Symptome von Angst und Depression aufgetreten waren. Die Daten stammen aus der HUNT-Studie, einer sehr großen medizinischen Studie, die in der Region Nord-Trøndelag in Norwegen durchgeführt worden war.

 

Zusammenhang zwischen Bewegung und geistigem Wohlbefinden

Zu Beginn der Studie waren alle Teilnehmer gesund. Eingangs wurden sie gefragt, wie oft und wie intensiv sie sich körperlich bewegten. Bei den nachfolgenden Untersuchungen wurden sie gebeten, einen Fragebogen auszufüllen (Hospital Anxiety and Depression Scale). Darin wurde untersucht, wie oft die Teilnehmer Symptome von Angst oder Depression erlebt hatten.

Der Einfluss störender Variablen wie sozioökonomische Faktoren, BMI, körperliche Verfassung und Drogenkonsum wurde kontrolliert. Trotzdem zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität einerseits und mentalem Wohlbefinden andererseits. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass körperliche Aktivität in einem beträchtlichen Ausmaß zu einer guten psychischen Gesundheit beiträgt.

 

Depression ja, Angst nein

Bei Depressionen erwies sich der Effekt übrigens als besonders stark. Teilnehmer, die zu Beginn der Studie angegeben hatten, körperlich nicht aktiv zu sein, zeigten eine um 44 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu erkranken als Teilnehmer, die sich ein bis zwei Stunden pro Woche bewegten. Wenn man annimmt, dass hierbei ein Kausalzusammenhang vorliegt, hätten 12 Prozent der Depressionen durch mindestens eine Stunde Bewegung pro Woche verhindert werden können. Die Intensität erwies sich dabei als nicht wichtig.

Bei Symptomen von Angst wurde dieser Effekt jedoch nicht beobachtet. Weder die Häufigkeit noch die Intensität der körperlichen Bewegung hatten eine signifikante Wirkung.

 

Warum es wirkt

Die Forscher nennen zwei mögliche Gründe, warum Bewegung bei Depressionen vorteilhaft ist: Zunächst ist sie wichtig für eine gute körperliche Gesundheit, die sich dann wiederum positiv auf die Psyche auswirken kann (zum Beispiel durch Verbesserung des Immunsystems und der Darmmotilität).

Außerdem gehen sie davon aus, dass der soziale Aspekt der körperlichen Aktivität eine Rolle spielt. Frühere Untersuchungen unter 7000 niederländischen Studenten legen nahe, dass psychosoziale Faktoren wie Selbstachtung und soziale Interaktion zumindest teilweise zu einer positiven Wirkung auf das psychische Wohlbefinden in dieser Zielgruppe beitragen [2].

 

Wie viel ist genug?

Zwei bis vier Stunden körperliche Bewegung pro Woche scheinen für eine bessere psychische Gesundheit optimal zu sein, wie bereits in einer früheren Studie unter 7600 Erwachsenen gezeigt wurde [3]. Ab etwa vier Stunden pro Woche verringerte sich der Effekt wieder. Ab 7,5 Stunden pro Woche war sogar eine starke Zunahme von Depressionen und Angstzuständen zu verzeichnen.

Dafür fanden die Forscher keine Erklärung und betonen, dass es sich bei diesem statistischen Zusammenhang nicht notwendigerweise um eine tatsächliche Ursache-Wirkungs-Beziehung handeln müsse. Doch wenn wir der HUNT-Studie Glauben schenken, brauchen wir jedenfalls gar nicht unbedingt eine Stunde Bewegung pro Tag oder jede Menge Sport, um Depressionen spürbar vorzubeugen.

„Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass schon eine leichte Veränderung des Lebensstils einen positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden haben kann.“ [4]

 

Literatur

[1] Harvey SB, et al., Exercise and the Prevention of Depression: Results of the HUNT Cohort Study, AJP, October 03, 2017

[2] Monshouwer K., Possible Mechanisms Explaining the Association Between Physical Activity and Mental Health, Clinical Psychological Science (September 2012)

Findings From the 2001 Dutch Health Behaviour in School-Aged Children Survey

[3] Kim SK., Relationship between physical activity and general mental health,  Preventive Medicine

Volume 55, Issue 5, November 2012, Pages 458-463

[4] http://www.huffingtonpost.co.uk/entry/one-hour-of-exercise-per-week-can-prevent-depression-research-suggests_uk_59d34ed2e4b0655781552e80

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