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Fasten verringert Entzündungen, aber wie?

Montag 30 September 2019

Immer mehr Menschen entscheiden sich aus gesundheitlichen Gründen für Intermittent Fasting. Auch unter Wissenschaftlern herrscht großes Interesse am Fasten, da bekannt ist, dass Kalorienrestriktion entzündliche und Autoimmunerkrankungen verbessern kann. Jedoch ist immer noch nicht ganz genau geklärt, auf welche Weise Fasten diese gesundheitlichen Vorteile zustande bringt.


Die vorliegende Studie der Icahn School of Medicine at Mount Sinai (USA) zeigt, dass Fasten die metabolische und entzündliche Aktivität von Monocyten und die Anzahl zirkulierender Monocyten verringert. Übrigens ohne dabei die Reaktion des Immunsystems auf akute Infektionen zu beeinträchtigen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Cell veröffentlicht. [1]


Monocyten sind stark proinflammatorische Immunzellen, die schwere Gewebsschäden verursachen können. Aufgrund moderner Essgewohnheiten zirkulieren im Blut heutiger Menschen durchschnittlich mehr Monocyten als bei früheren Generationen, erklärt einer der Forscher. [2]

 

Im Schlafmodus

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler Immunzellen von Menschen und Mäusen. Dabei zeigte sich, dass die Regulierung der Monocytenzahl von der im Blut befindlichen Menge an Glucose und Proteinen abhing. Bei verminderter Nährstoffzufuhr wurde der „Niedrigenergiesensor“ AMPK (5’-AMP-aktivierte Proteinkinase) in den Leberzellen aktiviert, wodurch sich die Mobilisierung von Monocyten aus dem Knochenmark verringerte. Außerdem führte dies zu einer Unterdrückung der Produktion von CCL2 (CC-Chemokinligand 2, ein Cytokin, das unter anderem Monocyten stimuliert) durch PPAR-α (Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor α), wodurch die Freisetzung von Monocyten ebenfalls verringert wurde. Mit anderen Worten: Während des Fastens wechselten die Monocyten in den Schlafmodus. Weiterhin zeigte die Studie, dass Fasten die Handlungsfähigkeit der Monocyten im Falle einer akuten Infektion und Gewebsschädigung nicht beeinträchtigt.

 

Weitere Forschung notwendig

In Anbetracht der Tatsache, dass viele Krankheiten durch chronische Entzündung verursacht werden, ziehen die Wissenschaftler den Schluss, dass es sinnvoll wäre, die antiinflammatorischen Wirkungen des Fastens weitergehend zu untersuchen und die dabei wirksam werdenden molekularen Mechanismen zu entschlüsseln. Dies könnte zur Entwicklung neuer präventiver Strategien und Therapien für die Behandlung zahlreicher Krankheiten führen, erklären sie.

 

Formen von Intermittent Fasting

Intermittent Fasting ist eine Form des alternierenden Fastens. Es kann auf unterschiedlichste Weise durchgeführt werden. Bekannte Formen sind:

  • Periodisches Fasten: An fünf Tagen der Woche wird normal gegessen und an zwei Tagen eingeschränkt (300 Kalorien).
  • Zeitrestriktion: Es wird nur während einer bestimmten Zahl von Stunden am Tag gegessen, zum Beispiel von 8 bis 16 Uhr oder von 11 bis 19 Uhr.


Dabei ist es natürlich ist in jedem Fall wichtig, dass die Nahrung, die man zu sich nimmt, vollwertig ist. In Frage kommen hier hochwertige Ernährungsformen wie Urdiät oder mediterrane Diät. Weiterhin ist es wichtig, dass die zu den Nicht-Fasten-Zeiten verzehrten Portionen größer sind und eventuell durch ein Breitband-Multivitaminpräparat ergänzt werden, insbesondere bei großen Abständen zwischen den Mahlzeiten, die wir ebenfalls empfehlen.

 

Studie zu einem Fastenschema mit 36 Stunden Fasten und 12 Stunden (uneingeschränktem) Essen

In dieser Studie wurde eine extreme Form des Fastens untersucht. Bei der klinischen Untersuchung der Karl-Franzens-Universität (Graz) aßen sechzig gesunde, leicht übergewichtige Teilnehmer über vier Wochen abwechselnd 36 Stunden lang gar nichts und dann 12 Stunden lang so viel sie wollten. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Zeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht.


Es wurden vielfältige Auswirkungen gemessen. Während der Zeit, in der die Teilnehmer so viel essen durften wie sie wollten, nahmen sie zwar etwas mehr Kalorien zu sich als gewöhnlich, aber insgesamt nahmen sie dennoch 35 % weniger Kalorien auf als vor dem Fasten. Im Durchschnitt verlor jeder Teilnehmer 3,5 kg an Gewicht. Außerdem konnte eine Reihe von biologischen Effekten festgestellt werden: So zeigten die Teilnehmer unter anderem einen niedrigeren Cholesterinspiegel, weniger Bauchfett und mehr Ketone im Blut (letzteren schreiben die Forscher eine gesundheitsfördernde Wirkung zu). Diese Form des Intermittent Fasting ist allerdings recht streng und eignet sich nach Ansicht der Forscher wahrscheinlich am besten für adipöse Menschen, die schnell und viel abnehmen wollen, oder als kurzfristige Intervention bei entzündlichen Erkrankungen. Sie halten eine solche Diät daher mit Sicherheit ungeeignet als allgemeine Ernährungsempfehlung. [3]


Weiterhin ist unbedingt zu beachten, dass sich beim Intermittent Fasting die Zufuhr von Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen mit der Nahrung verringert. Dies muss gegebenenfalls durch Supplementierung ausgeglichen werden. Auf jeden Fall stimmen wir der Schlussfolgerung der Wissenschaftler zu, dass diese extreme Form des Intermittent Fasting besonders für den kurzzeitigen Einsatz in bestimmten Situationen geeignet ist.

 

Erfahren Sie mehr über Intermittent Fasting auf unserer Website:

7 Gesundheitsvorteile von Intermittent Fasting

Der evolutionäre Hintergrund von Intermittent Fasting

Warum wir durch Kalorienrestriktion länger leben

 

Literatur

[1] Jordan, S. et al., Dietary Intake Regulates the Circulating Inflammatory Monocyte Pool, Cell. 2019 Aug 22;178(5):1102-1114.e17. doi: 10.1016/j.cell.2019.07.050, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=merad+fasting+inflammation+mount+sinai+2019+monocytes

[2] https://medicalxpress.com/news/2019-08-fasting-inflammation-chronic-inflammatory-diseases.html

 

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