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Fünf Dinge, die Sie wissen sollten: Zucker

Freitag 15 Dezember 2017
  1. Süßstoff nicht besser als echter Zucker

In den achtziger Jahren kamen die sogenannten Light-Produkte in Mode. Wer abnehmen wollte, stieg auf Softdrinks mit künstlichen Süßstoffen um. Auch heute noch steigt der Verbrauch von beispielsweise Aspartam und Sucralose. Forschungen zu den gesundheitlichen Auswirkungen führten jedoch bis heute nicht zu eindeutigen Ergebnissen. Darum haben Forscher an der Universität von Manitoba (Kanada) vor kurzem eine große Übersichtsstudie durchgeführt [1].

Auffällig war dabei, dass sich von 37 vorliegenden Studien nur 7 vom Aufbau her als genügend aussagekräftig erwiesen, um für die Übersichtsstudie geeignet zu sein. Dabei handelte es sich durchgängig um RCTs. So blieb schließlich eine Studienpopulation von etwa 1000 Männern und Frauen übrig. Aus diesen Studien geht nun hervor, dass künstliche Süßstoffe keinen konsistenten Effekt auf den Gewichtsverlust ausüben. Es wurden jedoch Zusammenhänge zwischen solchen Süßstoffen und einem erhöhten Risiko für unter anderem Gewichtszunahme, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen gefunden.

 

  1. Zuckerkonsum während der Schwangerschaft und Asthma

Eine Studie an mehr als 9.000 Müttern und ihren Kindern hat kürzlich einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Zucker während der Schwangerschaft durch die Mütter einerseits und allergischem Asthma bei ihren Kindern andererseits aufgezeigt [2]. Die Daten stammen aus der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC). In dieser Kohortenstudie wurden Mütter, die in den 1990er Jahren schwanger waren, und ihre Kinder stetig verfolgt.

Dabei wurden 20 Prozent der Teilnehmerinnen, die am meisten Zucker konsumierten, mit den 20 Prozent verglichen, die am wenigsten konsumierten. Es zeigte sich, dass bei den oberen 20 Prozent das Risiko, dass ihre Kinder eine Allergie entwickelten, um 38 Prozent erhöht war. Bei Allergien gegen zwei oder mehr Allergene war das Risiko sogar um 73 Prozent erhöht. Doch das größte Risiko wurde im Bereich des allergischen Asthmas gefunden: Hier lag es bei nicht weniger als 101 Prozent. Übrigens wurde dabei jedoch keinerlei Zusammenhänge mit Ekzemen oder Heuschnupfen festgestellt.

 

  1. Kaum Nährwert

Jedes Jahr könnten Tausende neue Diabetesfälle vermieden werden, wenn auf den Konsum von Getränken mit Zuckerzusätzen verzichtet würde [3]. Dies gilt übrigens auch für Süßstoffe, wie wir ja bereits weiter oben erfahren haben [2]. Zu diesem Schluss gelangten thailändische Forscher als Resultat ihrer Studie an 40.000 thailändischen Erwachsenen. Die Forscher weisen nachdrücklich darauf hin, dass es mindestens zwei gute Gründe gibt, auf sogenannte Erfrischungsgetränke zu verzichten: Sie haben erstens wenig Nährwert und schützen zweitens nicht vor Krankheiten. Die Frauen der Studie trugen übrigens ein zweifach höheres Diabetesrisiko als die Männer, wenn sie häufig Erfrischungsgetränke zu sich nahmen. Dies liegt den Forschern zufolge an ihrer geringeren Muskelmasse und dem geringeren Energiebedarf.

 

  1. Interessante Wechselwirkung

Ein in der Zeitschrift BMC Nutrition veröffentlichte Studie zeigt, dass die Kombination aus Proteinen und stark zuckerhaltigen Getränken die Energiebilanz stört und für zusätzliche Fettablagerungen sorgt [4]. Außerdem verändert diese Kombination noch bis zu Stunden nach dem Verzehr unser Ernährungsverhalten, indem sie ein gesteigertes Verlangen nach herzhaften und salzigen Nahrungsmitteln hervorruft. Dreizehn Männer und vierzehn Frauen erhielten ein Frühstück und Mittagessen mit jeweils 15 Prozent Proteingehalt. Darauf folgte ein overnight fasting. Bei einem zweiten Besuch erhielten sie zwei Mahlzeiten mit 30 Prozent Protein (nach einem overnight fasting). Mit der Erhöhung der Proteine erfolgte gleichzeitig eine Reduktion der Kohlenhydrate. Zu einer der Mahlzeiten erhielten die Probanden immer ein Getränk mit Zuckerzusatz, während sie zur anderen ein zuckerfreies Getränk erhielten.

Mit einem Raumkalorimeter wurden Bewegung, Sauerstoff, CO2 und weitere Variablen gemessen. Auf diese Weise konnten der Energieverbrauch und Stoffwechsel von Nährstoffen gemessen werden.

Den Forschern zufolge zeigen die Ergebnisse, dass die Kombination von Proteinen und Zucker dafür sorgt, dass weniger Energie für die Verbrennung der Makronährstoffe benötigt wird. Die überschüssige Energie wird daher als Fett gespeichert. Die Kombination von Protein und Zucker scheint daher gesundheitsschädlicher zu sein als Zucker allein.

 

  1. Zucker und psychische Gesundheit

Wie steht es eigentlich mit dem Einfluss von Zucker auf unsere psychische Gesundheit? Nehmen wir zum Beispiel das Thema Zuckersucht, über das schon seit einiger Zeit heftig diskutiert wird. Erst kürzlich wies der Gesundheitswissenschaftler Professor Jaap Seidell in seiner Kolumne in der niederländischen Tageszeitung Het Parool darauf hin, dass die Zuckersucht viele authentische Merkmale einer „echten“ Sucht aufweist [5].

„Es gibt daher tatsächlich Menschen, die eine Reihe von typischen Suchtsymptomen zeigen. Das Suchtverhalten bleibt dabei jedoch in der Regel nicht auf eine einzige Substanz wie Zucker beschränkt. Es handelt sich vielmehr um eine generelle Esssucht. Allerdings geht es dabei zumeist um süße und fettige Lebensmittel“, erklärt Seidell.

 

Wissenszentrum Zucker

Das niederländische „Kenniscentrum Suiker“ (Wissenszentrum Zucker) kann übrigens keinerlei Übereinstimmung von Symptomen erkennen und bezeichnet eine solche als physiologisch unmöglich [6]. Dabei ist es hilfreich zu wissen, dass dieses Wissenszentrum vom Lebensmittelkonzern Suiker Unie finanziert wird, für den sich – als einer der größten europäischen Zuckerprozenten – mit dieser Frage sicherlich auch ein nicht geringes wirtschaftliches Interesse verbindet. Wenn dazu behauptet wird, sich auf fundierte wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu stützen, stellt sich die Frage, ob dabei auch die folgende Studie zur Kenntnis genommen wurde:

Forscher des University College London (UCL) haben untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen der berichteten Zuckeraufnahme und dem psychischen Wohlbefinden besteht [7]. An dieser Studie nahmen 8.000 Menschen drei Jahre lang teil. Die Forscher fanden heraus, dass Männer, die überdurchschnittlich viel Süßes zu sich nehmen, innerhalb von fünf Jahren vermehrt psychische Störungen entwickeln. Außerdem wurden allgemeine negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von sowohl Männern als auch Frauen gefunden.

„Eine verringerte Aufnahme von Zucker kann daher durchaus mit einer besseren psychischen Gesundheit assoziiert sein“, erklären die Forscher.

 

Literatur

[1] Meghan B. Azad et al., Nonnutritive sweeteners and cardiometabolic health: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials and prospective cohort studies, CMAJ July 17, 2017 vol. 189 no. 28

[2] Annabelle Bédard, Kate Northstone, A. John Henderson, Seif O. Shaheen, Maternal intake of sugar during pregnancy and childhood respiratory and atopic outcomes, European Respiratory Journal 2017 50: 1700073

[3] K Papier, C D'Este, C Bain, C Banwell, S Seubsman, A Sleigh & S Jordan, Consumption of sugar-sweetened beverages and type 2 diabetes incidence in Thai adults: results from an 8-year prospective study, Nutrition & Diabetes (2017) 7, e283 (2017)

[4] Shanon L. Casperson et al, Postprandial energy metabolism and substrate oxidation in response to the inclusion of a sugar- or non-nutritive sweetened beverage with meals differing in protein content, BMC Nutrition (2017).

[5] www.parool.nl/

[6] http://www.kenniscentrumsuiker.nl/thema-s/verslaving

[7] Anika Knüppel et al. Sugar intake from sweet food and beverages, common mental disorder and depression: prospective findings from the Whitehall II study, Scientific Reports (2017).

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