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Jeden Tag ein Ei: gesund oder nicht?

Donnerstag 15 August 2019

In einer aktuellen amerikanischen Studie geraten Eier – und Cholesterin – erneut unter Beschuss. Müssen wir an Ostern nun ganz und gar auf Eier verzichten? Wir bleiben dabei, dass das Verspeisen von Ostereiern aus unserer Sicht ein gesunder Brauch ist und erklären Ihnen auch gerne, warum.

 

Eier sind reich an den Vitaminen A, B2, B12, D und Folsäure sowie Phosphor, Selen, Eisen, Zink und Cholin und enthalten etwa 200 mg Cholesterin pro Ei. Eier sind daher eine reichhaltige Quelle für eine Vielzahl gesunder Nährstoffe und enthalten außerdem viel Cholesterin. Dürfen wir deshalb Eier nur mit Vorsicht genießen?


Wenn die Ergebnisse einer neuen amerikanischen Studie zutreffen, wäre dies leider der Fall. In der Studie wurden 29.615 Personen aus sechs prospektiven Kohortenstudien zusammengefasst, die durchschnittlich 17,5 Jahre lang begleitet worden waren [1]. Gegenstand der Analyse waren die Ernährungsgewohnheiten und während dieser Zeit auftretenden Erkrankungen. Letztlich gelangte die Studie zu dem Schluss, dass jede weiteren 300 mg Cholesterin aus der Nahrung mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert waren (17-18 %), während der Verzehr von drei oder vier zusätzlichen Eiern pro Woche zu einem Anstieg von 6 % führte.

 

Inkonsistent mit früheren Untersuchungen

Ein britischer Ernährungswissenschaftler weist jedoch auf offensichtliche Inkonsistenzen der Ergebnisse dieser Studie mit den Ergebnissen anderer Studien hin: „Zuvor durchgeführte gründliche Untersuchungen haben zeigen, dass der tägliche Verzehr eines Eis keinen signifikanten klinischen Effekt auf den LDL-Cholesterinspiegel der meisten Menschen ausübt. [2]


Dieser Befund wird durch eine ebenfalls über einen langen Zeitraum durchgeführte, groß angelegte Studie mit mehr als 1.000 finnischen Männern bestätigt. Aus dieser Studie hatte sich ergeben, dass eine Aufnahme von 520 mg Cholesterin pro Tag nicht mit einem erhöhten Cholesterinspiegel und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Relation steht. Dies galt auch dann, wenn spezifisch auf den Verzehr von bis zu sieben Eiern pro Woche hin untersucht wurde. [3]


Es ist ohnehin fraglich, ob erhöhte Cholesterinwerte tatsächlich zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. In letzterer, groß angelegter Studie zeigte sich zum Beispiel auch, dass erhöhte LDL-Cholesterinwerte die Lebenserwartung älterer Menschen nicht verringern. Im Gegenteil: Ein erhöhter LDL-Spiegel schien sogar oft mit einer höheren Lebenserwartung einherzugehen. [4]

 

Welche Auffassung vertreten wir zu diesem Thema?

Dazu sollten wir uns zunächst einmal genau anschauen, was Cholesterin eigentlich ist. Cholesterin ist eine äußerst nützliche Fettsubstanz in unserem Körper, die viele verschiedene Funktionen erfüllt:

• Es bildet einen Grundbestandteil unserer Geschlechtshormone und des Hormons Cortisol.
• Es wird zum Aufbau unserer Zellmembranen benötigt.
• Vitamin D wird aus Cholesterin gebildet.
• Es wird zur Bildung von Gallensäuresalzen benötigt (die für die Verdauung von Fetten im Dünndarm wichtig sind).
• Es erfüllt wichtige Funktionen im angeborenen Immunsystem als eine Reparatursubstanz, die im Schadensfall kurzzeitig lokal aktiv wird, um Bakterien, Viren und Toxine zu neutralisieren. [5]


HDL und LDL sind Lipoproteine, die Cholesterin im Blutkreislauf transportieren. Sie erfüllen beide verschiedene, gleich wichtige Aufgaben im Cholesterinhaushalt. LDL enthält viel Cholesterin und transportiert es von der Leber zu den Geweben und Zellen. HDL transportiert Cholesterin wieder zurück zur Leber. Hier wird dieses übriggebliebene Cholesterin zur Bildung von Gallensäuresalzen verwendet. Die körpereigene Cholesterinproduktion in der Leber richtet sich nach der Nahrungsaufnahme. Wird mehr Cholesterin über die Nahrung aufgenommen, bildet die Leber automatisch weniger Cholesterin und umgekehrt.

 

Wann wird ein erhöhter LDL-Spiegel zum Problem?

Langfristig erhöhte LDL-Blutwerte können zum Beispiel in verlängerten Perioden mit (übermäßigem) Stress und/oder bei Endotoxämie auftreten. Ein erhöhter LDL-Spiegel ist in solchen Situationen eine physiologische Reaktion, die dabei helfen soll, mehr Cortisol zu bilden oder eine Endotoxämie zu bekämpfen. Im Prinzip ist LDL jedoch evolutionär nicht in länger andauernden Situationen vorgesehen: LDL ist nämlich, wie gesagt, eigentlich nur dazu da, kurze, lokale Aktivitäten des angeborenen Immunsystems zu unterstützen.


Daher kann ein länger andauernder erhöhter LDL-Wert im Blut zu Atherosklerose (Adernverkalkung) führen, vorausgesetzt, dass bereits eine Schädigung der Blutgefäße vorliegt. LDL enthält nämlich eine relativ große Menge an Fett, wodurch es relativ leicht an der Wand von Blutgefäßen kleben bleiben kann. Außerdem ist LDL anfällig gegenüber Oxidation. An glatten Gefäßinnenwänden (vergleichbar mit dem Inneren eines Gartenschlauchs) bleibt LDL nicht haften. Auf verschiedene Weise können jedoch Schäden an der Gefäßwand entstehen, sodass sie nicht mehr glatt ist:

• Die Nahrung enthält zu wenige Antioxidantien, insbesondere Vitamin E, um die Oxidation von LDL zu verhindern oder
• die Nahrung enthält keine ausreichenden Mengen der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin und zu geringe Mengen der Vitamine B6, B12 und Folsäure, was zu erhöhten Homocysteinwerten führt.
• Darüber hinaus kann eine zu zuckerhaltige Ernährung zu einer „Verzuckerung“ der Gefäßwände führen.


Auf diese Weise können sich raue Gefäßinnenwände bilden, an denen LDL leicht anhaften und dann oxidieren kann. Dies führt – kurz gesagt – zu einer Entzündungsreaktion mit der Bildung von Schaumzellen durch Monocyten. Dadurch entsteht Atherosklerose.

 

Fazit

Cholesterin erfüllt in unserem Körper viele nützliche Funktionen. Prinzipiell hält die Leber die im Blut vorhandene Cholesterinmenge von selbst im Gleichgewicht. Daran ändert auch ein tägliches Ei nichts. Zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es vielmehr besonders wichtig, dass unsere Nahrung ausreichend Vitamin E, Methionin sowie die Vitamine B6, B12 und Folsäure und wenig schnelle Kohlenhydrate enthält, damit die Blutgefäße glatt bleiben und LDL nicht anhaften kann. Eier enthalten übrigens viele der notwendigen Nährstoffe, um die Blutgefäße gesund zu halten. Bei einem erhöhten LDL-Spiegel kann es interessant sein, zu schauen, ob Ihr Klient unter übermäßigem Stress oder einer Endotoxämie leidet. Eine gezielte Therapie und/oder eine angemessene Lebensstilberatung bieten dann sicherlich eine gute Möglichkeit, das Problem erfolgreich anzugehen.

 

Literatur

[1] Zhong VW, Van Horn L, Cornelis MC et al., Associations of Dietary Cholesterol or Egg Consumption With Incident Cardiovascular Disease and Mortality, JAMA. 2019 Mar 19;321(11):1081-1095

[2] https://www.poultryworld.net/Home/General/2019/4/Row-continues-over-eggs-and-cholesterol-411577E/

[3] Virtanen,J.K. et al., Associations of egg and cholesterol intakes with carotid intima-media thickness and risk of incident coronary heart disease according to apolipoprotein E phenotype in men: The Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study, Am J Clin Nutr, March 2016, vol. 103, no. 3 895-901

[4] Ravnskov, u. et al., Lack of an association or an inverse association between low-density-lipoprotein cholesterol and mortality in the elderly: a systematic review, BMJ Open, 2016;6:e010401, https://bmjopen.bmj.com/content/6/6/e010401

[5] Ravnskov U., High cholesterol may protect against infections and atherosclerosis,
QJM: An International Journal of Medicine, Volume 96, Issue 12, 1 December 2003, Pages 927–934, https://doi.org/10.1093/qjmed/hcg150

en

Paciullo, F. et al., PCSK9 at the crossroad of cholesterol metabolism and immune function during infections, J Cell Physiol. 2017 Sep;232(9):2330-2338. doi: 10.1002/jcp.25767. Epub 2017 Jan 31, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28063230

[6] Santos FL1, Esteves SS, da Costa Pereira A, Yancy WS Jr, Nunes JP, Systematic review and meta-analysis of clinical trials of the effects of low carbohydrate diets on cardiovascular risk factorshttps://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22905670

 

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