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Kinder besonders anfällig für Störungen der Melatoninproduktion

Dienstag 01 September 2020

Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für Störungen bei der Produktion von Melatonin durch künstliches Licht. Biologische, neurologische und psychologische Faktoren spielen eine Rolle, wie Studien der Universität von Colorado zeigen.

Melatonin als Schlafhormon beeinflusst unseren Biorhythmus, d. h. den Schlaf-Wach-Rhythmus. Seine Produktion in unserem Gehirn wird durch Dunkelheit, die uns schläfrig macht, angeregt und durch (Sonnen-)Licht auf der Netzhaut gehemmt. Kurz bevor wir schlafen gehen, ist der Melatoninspiegel am höchsten.

Nun umgeben sich die meisten von uns, auch Kinder und Jugendliche, den ganzen Tag und noch am Abend mit künstlichem Licht. Außerdem schauen wir oft unmittelbar vor dem Schlafengehen noch kurz auf unser Handy oder Tablet. Wegen des hellen Lichts, das dieses Smartphone oder Tablet erzeugt, 'denkt' unsere innere biologische Uhr, es sei noch Tag, wodurch die Produktion von Melatonin verzögert wird.

Schlafstörungen bei Heranwachsenden

Es wurden bereits viele Untersuchungen durchgeführt, die zeigen, dass Kinder und Jugendliche, die viel Zeit am Handy oder Computer verbringen, alle möglichen Schlafprobleme haben: Sie schlafen später ein, schlafen weniger Stunden und obendrein ist die Qualität ihres Schlafes geringer. Aber warum sind Kinder besonders anfällig für Schlafstörungen?

Um diese Frage zu beantworten, hat die Universität von Colorado at Boulder mehr als sechzig Studien mit Kindern im Alter zwischen 5 und 17 Jahren erneut ausgewertet. Diese systematische Übersicht - veröffentlicht in der Zeitschrift Pediatrics - zeigt, dass biologische, neurologische und Umweltfaktoren eine Rolle spielen (Lebourgeois 2017).

Augen noch nicht vollständig entwickelt

Zum Beispiel sind Kinder empfindlicher für den Einfluss von Licht auf ihren Biorhythmus, weil ihre Augen noch nicht voll entwickelt sind. Die Untersuchungsleitung: „Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche größere Pupillen haben und dass ihre Linsen transparenter sind, so dass die Exposition und Empfindlichkeit gegenüber diesem Licht größer ist als bei Erwachsenen.“

Und dieser Einfluss ist groß: Eine der Studien zeigte zum Beispiel, dass, wenn Erwachsene und Kinder im Schulalter der gleichen Menge und Intensität von Licht ausgesetzt waren, der Melatoninspiegel von Kindern doppelt so schnell sank. Darüber hinaus haben eine Reihe anderer Studien gezeigt, dass das blaue Licht - das in Mobiltelefonen allgegenwärtig ist - Melatonin außergewöhnlich stark unterdrückt.

Aufregung durch digitale Medien

Darüber hinaus kann die psychologische Stimulation der digitalen Medien eine Rolle spielen, wenn es darum geht, den Schlaf zu erschweren: „Ob es darum geht, einen Gewaltfilm anzuschauen, ein aufregendes Spiel zu spielen oder mit Freunden zu „appen“, all diese Interaktionen erhöhen die Aufregung, was wiederum die jungen Menschen länger wach hält", so die Untersuchungsleitung. Die Forscher stellten auch fest, dass Kinder und Jugendliche, die ihr Handy auf dem Nachttisch liegen ließen - und dies waren mehr als drei Viertel von ihnen - deutlich mehr Schlafprobleme hatten.

Neue Forschung unter Kleinkindern

Unterdessen hat die Universität von Colorado eine fünfjährige Studie begonnen, um den Einfluss von künstlichem Licht auf Vorschulkinder bei den Familien zu Hause zu untersuchen. Auch sie machen nämlich zunehmend Gebrauch von digitalen Medien, während sich diese kleinen Kinder in einer verletzlichen Phase ihrer Entwicklung befinden. Das Ergebnis einer ersten Studie wurde kürzlich in der Zeitschrift Physiological Reports (Akacem 2018) veröffentlicht.

Produktion von Melatonin fast vollständig eingestellt

Es handelte sich um eine klein angelegte Studie an zehn gesunden Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren. Bei diesen Kleinkindern schien die Produktion von Melatonin fast vollständig zu stoppen, wenn sie eine Stunde vor dem Schlafengehen hellem Licht ausgesetzt wurden. Nachdem das Licht ausgeschaltet wurde, setzte die Melatoninproduktion erst nach 50 Minuten wieder ein. Es ist die erste Studie zur Bestimmung des hormonellen Einflusses von Licht auf Kleinkinder.

Die Forschung wird wiederholt, mit einer größeren Anzahl von Kleinkindern und bei unterschiedlichen Lichtintensitäten. Die Untersuchungsleitung erwartet, dass nach fünf Jahren klar sein wird, welchen Einfluss künstliches Licht auf den Schlaf und den Biorhythmus von Kleinkindern hat. Sie vermutet, dass dies zu wissenschaftlich fundierten Richtlinien für Eltern und politische Entscheidungsträger führen wird.

Wissen in der Praxis

Sie wussten natürlich schon, dass es für Ihre erwachsenen Klienten wichtig ist, aber für Ihre jungen Klienten scheint es noch dringlicher zu sein, Schlafprobleme zu lösen, indem man ihre Exposition gegenüber künstlichem Licht am Abend begrenzt. Sie können ihnen raten, die Bildschirme lange vor dem Schlafengehen abzuschalten, Mobiltelefone wegzuräumen und das Licht zu dimmen, damit die Melatoninproduktion wieder auf natürliche Weise angeregt werden kann.

Literatur

  1. Lebourgeois M, Hale L, Chang A-M, Akacem L, Montgomery-Downs H, Buxton O. Digital Media and Sleep in Childhood and Adolescence. Pediatrics. 1 november 2017;140:S92–6.
  2. Kids uniquely vulnerable to sleep disruption from electronics [Internet]. [geciteerd 28 juli 2020]. Beschikbaar op: https://medicalxpress.com/news/2017-11-video-kids-uniquely-vulnerable-disruption.html
  3. Akacem LD, Wright KP, LeBourgeois MK. Sensitivity of the circadian system to evening bright light in preschool-age children. Physiological Reports. 2018;6(5):e13617.
  4. Preschoolers exposed to nighttime light lack melatonin [Internet]. [geciteerd 28 juli 2020]. Beschikbaar op: https://medicalxpress.com/news/2018-03-preschoolers-exposed-nighttime-lack-melatonin.html
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