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Stress bei Kindern beeinflusst Cortisolmuster im Erwachsenenalter

Freitag 10 Mai 2019

Eine stresserfüllte Kindheit in Kombination mit hohen Stressniveaus im Erwachsenenalter kann zu einem hormonellen Muster führen, das mit gesundheitlichen Problemen assoziiert ist. Dies zeigt eine Analyse, die im Rahmen der Minnesota Longitudinal Study of Risk and Adaptation durchgeführt wurde.

 

Wenn der Körper unter Stress steht, wird das Hormon Cortisol freigesetzt. Selbst kleine alltägliche Stressoren lösen diese Freisetzung aus. Morgens, bei der sogenannten Cortisolaufwachreaktion, sollten die Cortisolwerte am höchsten sein. Bei manchen Menschen ist der Cortisolhaushalt jedoch gestört, sodass ein gewissermaßen „flacheres“ Muster auftritt. Bereits in frühere Studien wurde gezeigt, dass dies negative Folgen für die Gesundheit haben kann.

 

Welche Arten von Stress sind ausschlaggebend?

Bei der aktuellen Analyse interessierte die Forscher vor allem, wie Stresserfahrungen das Stressreaktionssystem des Gehirns (von Erwachsenen) beeinflussen. Dabei interessierten sie drei Fragen:

  1. Ist die Gesamtmenge an Stress, die ein Mensch während seines Lebens erfährt (kumulativer Stress) relevant?
  2. Haben bestimmte Stresserfahrungen, vor allem während der Kindheit, die gravierendsten Auswirkungen?
  3. Macht Stress während der Kindheit das Stressreaktionssystem anfälliger gegenüber Stressoren im späteren Leben?

 

Vom Kindheitstrauma zum Beziehungsstress

Insgesamt hatten 90 Personen teilgenommen. Zur Bestimmung von Stresserfahrungen verwendeten die Forscher den sogenannten Life Events Schedule (LES). Dabei wird mithilfe von Fragebögen ermittelt, wann welche Stresserfahrungen stattgefunden haben. Dabei wird jede Stresserfahrung nach einer Skala von Null bis drei bewertet.


Bei Klein- und Kindergartenkindern (1 - 5 Jahre) wurden die Fragebögen ebenso wie bei Grundschülern und Teenagern (bis 17 Jahre) von den Eltern ausgefüllt. Erwachsene füllten die Fragebögen alle 2 bis 3 Jahre selbst aus. Beim Ausfüllen der Fragebögen wurden unter anderem Angaben zu Stresswerten bei finanziellen Problemen, Beziehungsproblemen, körperlichen Gefahren und Tod gemacht.


Im Alter von 37 Jahren wurden die Cortisolwerte gemessen. Zwei Tage lang wurde den Teilnehmern unmittelbar nach dem Aufstehen, 30 und 60 Minuten später, am Nachmittag und vor dem Schlafengehen Blut abgenommen.

 

Langfristige gesundheitliche Probleme

Die Gesamtmenge an Stress (das kumulative Modell) und das zweite Szenario, besonderer Stress vor allem in frühen Lebensphasen, konnten nicht zur Voraussage der im Alter von 37 Jahren gemessenen Cortisolmuster verwendet werden. Teilnehmer, von denen im Kindesalter oder als Heranwachsende relativ niedrige Stressniveaus berichtet wurden, zeigten als Erwachsene relativ normale Cortisolwerte, und zwar unabhängig von den von ihnen im Erwachsenenalter tatsächlich individuell erfahrenen Stressniveaus. Diejenigen Teilnehmer, die als Kinder ungewöhnlich viel Stress erlebt hatten, zeigten gestörte Cortisolmuster, jedoch nur, wenn sie auch im Erwachsenenalter unter starkem Stress standen. Stress während Schulzeit, Pubertät und im jungen Erwachsenenalter war nicht mit abweichenden Cortisolmustern assoziiert.


Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass belastende Kindheitssituationen und dadurch gestörte Cortisolspiegel einen negativen Einfluss auf die langfristige Gesundheit haben können. Möglicherweise tragen Kindheitstraumata zur Entwicklung des Gehirnreaktionssystems bei, doch ist dies mit der vorliegenden Studie noch nicht zweifelsfrei belegt.

 

In der vorliegenden Studie haben sich die Forscher ausschließlich auf Cortisol als Teil des menschlichen Stressreaktionssystems konzentriert, beabsichtigen aber, in Zukunft weitere Komponenten wie das intestinale Mikrobiom, das bei der langfristigen Gesundheit des Menschen ebenfalls eine Rolle spielt, in ihre Untersuchungen mit aufzunehmen (MedicalXpress, 2019).

 

Quellen

[1] MedicalXpress (2019). Stress in childhood and adulthood have combined impact on hormones and health. Abgerufen unter: https://medicalxpress.com/news/2019-04-stress-childhood-adulthood-combined-impact.html

[2] Young et al. (2019). The Dual Impact of Early and Concurrent Life Stress on Adults’ Diurnal Cortisol Patterns: A Prospective Study. Psychological Science. https://doi.org/10.1177/0956797619833664

 

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