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Toxine und Lectine können in Kombination Parkinson auslösen

Dienstag 19 Februar 2019

Ein Pestizid und Lectine können Parkinson-ähnliche Symptome hervorrufen, wie eine Rattenstudie zeigt. Die Studie liefert Hinweise auf neuartige Behandlungsansätze. Das heißt jedoch nicht, dass Lectine auf jeden Fall schädlich sind.

 

In einer Studie mit Ratten, die am Penn State College of Medicine durchgeführt wurde, haben Forscher entdeckt, dass die kombinierte Aufnahme eines toxischen Pestizids und Lectinen Parkinson-ähnliche Symptome bei den Tieren hervorrufen kann: Zittern und verlangsamte Bewegungen. Die Studie wurde in der Zeitschrift Parkinson’s Disease veröffentlicht.

In der Studie erhielten die Tiere eine Woche lang eine niedrige Dosis an Lectinen und Paraquat. Paraquat war bis zum Jahr 2007 ein in den USA weit verbreitetes Pestizid. Lectine sind zuckerbindende Proteine, die in der Nahrung recht häufig vorkommen, insbesondere in Getreide und Hülsenfrüchten (mehr über Lectine können Sie am Ende dieses Artikels lesen). Nach zwei Wochen Wartezeit führten die Forscher zahlreiche Tests an den Ratten durch. Dabei stellten sie eine Verringerung der motorischen Fähigkeiten fest, die mit den Symptomen der Parkinson-Krankheit assoziiert werden kann.

 

Falsch gefaltetes Protein

In der Studie beobachteten die Forscher die Bildung und Verbreitung eines falsch gefalteten Proteins: Alpha-Synuclein. Dieses Protein wurde bereits in früheren Forschungen mit der Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht. Ein Forscher: „Wir konnten zeigen, dass die Aufnahme von Paraquat selbst in sehr niedriger Dosis bei gleichzeitiger Aufnahme von Lectinen dazu führen können, dass im Darm die Bildung des Proteins Alpha-Synuclein hervorgerufen wird. Wenn dies geschieht, kann dieses Protein über den Vagusnerv in denjenigen Teil des Gehirns wandern, der den Ausbruch der Parkinson-Krankheit verursacht.“

Um zu bestätigen, dass die Symptome keine andere Ursache haben konnten, führten die Forscher verschiedene andere Tests durch: „Wir gaben den Tieren Levodopa, ein gebräuchliches Mittel gegen die Parkinson-Krankheit, und beobachteten die Rückkehr fast normaler motorischer Fähigkeiten, was ein klarer Hinweis darauf war, dass wir es mit einer Form der Parkinson-Krankheit zu tun hatten. Außerdem: Wenn der Vagusnerv zuvor vom Darm isoliert wurde, waren die Tiere vor dem Ausbruch der Parkinson-Krankheit geschützt, was bestätigt, dass das Alpha-Synuclein über den Vagusnerv ins Gehirn gelangt.

 

Giftstoffe bereits seit Jahrzehnten im Verdacht

Pestizide wie Paraquat stehen bereits seit Jahrzehnten im Verdacht, zur Parkinson-Krankheit beizutragen, doch lagen dazu bisher noch immer nicht genügend wissenschaftliche Beweise vor. Bereits frühere Studien hatten Paraquat mit dieser Erkrankung in Verbindung gebracht, aber in diesen Experimenten wurden hohe Dosen des Pestizids verwendet. Viel höhere Dosen, als Menschen im Alltag jemals aufnehmen können.

 

Kombination als mögliche Ursache

Lectine werden Arzneimitteln zugesetzt, um andere Substanzen an die richtige Stelle im Gehirn oder Bauch zu bringen. Lectine wurden zudem bereits in der Vergangenheit mit bestimmten seltenen Formen der Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht. Allerdings waren sich die Forscher nicht ganz sicher, ob es die Lectine selbst oder die von ihnen unterstützten Substanzen sind, die die Parkinson-Krankheit verursachen. Aus der jetzigen Studie schließen sie jedoch, dass die Kombination von Lectinen mit bestimmten Toxinen die mögliche Ursache für die Parkinson-Krankheit darstellen könnte.

Die Ergebnisse der Studie liefern Anknüpfungspunkte für neue Behandlungsmethoden und Medikamente. Nun wollen die Forscher herausfinden, ob sie den Transport von Alpha-Synuclein über den Vagusnerv verhindern können, zum Beispiel durch Ernährungsumstellungen oder Medikamente. Außerdem ziehen sie eine Verabreichung der natürlichen Substanz Squalamin in Betracht, von der bekannt ist, dass sie Alpha-Synuclein aus dem Darm entfernt.

 

Sind Lectine per Definition schädlich?

In dieser Studie helfen Lectine Giftstoffen dabei, ins Gehirn zu gelangen und dort Parkinson-ähnliche Symptome auszulösen. Sind sie deswegen ganz und gar schädlich?

Lectine gehören zur Kategorie der Phytotoxine (genau wie Saponine und Phytinsäure), die von Pflanzen gebildet werden, um sich resistenter gegen natürliche Feinde wie Pathogene und Insekten zu machen. Lectine kommen vor allem in Getreide, Hülsenfrüchten, Nachtschattengewächsen (zum Beispiel Tomaten, Auberginen, Paprika und Kartoffeln), Soja und Erdnüssen vor: in einer Vielzahl von Nahrungsmitteln also. In rohen Bohnen ist der Gehalt an Lectinen besonders hoch. [3]

Bei der Verarbeitung dieser Nahrungsmittel verwendete Verfahren wie Fermentation (zum Beispiel bei der traditionellen Art des Backens von Brot mit Sauerteig) oder durch das Einweichen und Kochen von Hülsenfrüchten, kann der Lectingehalt bereits stark reduziert werden. [4] Dadurch verursachen diese Nahrungsmittel im Prinzip keine Schäden, wie zum Beispiel aus dieser Einstufung in Health Effects of Wheat Lectins hervorgeht. [5]

Das soll natürlich nicht als Freibrief verstanden werden, unbegrenzt lectinreiche Produkte auf die Speisekarte zu setzen. In kleinen Mengen, im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung und gut zubereitet, stellen sie für Menschen mit einem gesunden Magen-Darm-Trakt aber kein Problem dar. In großen Mengen können sie jedoch die Darmwand schädigen. Dann verbinden sie sich mit Zucker und gelangen in die Blutbahn, wo sie Erythrocyten verklumpen und Entzündungsreaktionen hervorrufen können. [6] Besonders für Menschen mit Leaky Gut oder anderen Darmproblemen ist es daher ratsam, Lectine (zumindest vorübergehend) aus dem Menü zu entfernen.

 

Fazit

Es kann geschlussfolgert werden, dass Lectine in Kombination mit Toxinen, aber auch im Falle eines durchlässigen Darms oder überlasteten Immunsystems Probleme verursachen können. Lectinreiche Nahrungsmittel können von gesunden Menschen problemlos verzehrt werden, vorausgesetzt, dass dies im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung, in kleinen Mengen und gut fermentiert bzw. eingeweicht und erhitzt erfolgt. Bei Menschen, die sich in Therapie befinden, ist es ratsam, Lectine vorübergehend ganz zu meiden, um die Darmfunktion zu verbessern, das Immunsystem zu beruhigen und möglicherweise auch neurologische Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit zu verhindern.

 

Literatur

[1] L. Anselmi et al, Ingestion of subthreshold doses of environmental toxins induces ascending Parkinsonism in the rat, npj Parkinson's Disease (2018). DOI: 10.1038/s41531-018-0066-0

[2] https://medicalxpress.com/news/2018-12-toxin-stomach-brain-trigger-parkinsonism.html

[3] Lee, M.R., The Solanaceae: foods and poisons, University of Edinburgh, Edinburgh, Scotland, J R Coll Physicians Edinburgh, 2006 Jun;36(2):162-9, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17153152

[4] Miyke, K. et al, Lectin-Based Food Poisoning: A New Mechanism of Protein Toxicity, PLOSone, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0000687, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0000687

[5] Van Buul, Vincent, Health effects of wheat lectins: A review, Maastricht University, School of Nutrition Toxicology and Metabolism (NUTRIM), Journal of Cereal Science
Volume 59, Issue 2, March 2014, Pages 112-117, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0733521014000228

[6] Charungchitraka, S. et al, Antifungal and antibacterial activities of lectin from the seeds of Archidendron jiringa, Food Chemistry, Volume 126, Issue 3, 1 June 2011, pages 1025-1032, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308814610015323

Babot, J.D. et al., Cytotoxic damage of soybean agglutinin on intestinal epithelial cells of broiler chicks: in vitro protection by Bifidobacterium infantis CRL1395,
FEMS Microbiol Lett. 2016 Jun;363(12). pii: fnw114. doi: 10.1093/femsle/fnw114. Epub 2016 Apr 25, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27190155

Pan, L. et al., The Influences of Soybean Agglutinin and Functional Oligosaccharides on the Intestinal Tract of Monogastric Animals, Int J Mol Sci. 2018 Feb 12;19(2). pii: E554. doi: 10.3390/ijms19020554, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29439523

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