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Was Sie über ketogene Diät wissen sollten

Dienstag 19 Mai 2020

Was Sie über ketogene Diät wissen sollten

Die ketogene Diät erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Beim breiten Publikum gilt sie als Methode zum schnellen Abnehmen. Einige wissen auch, dass sie zur Regulierung des Blutzuckerspiegels und damit zur Umkehrung von Typ-2-Diabetes eingesetzt werden kann. Oft herrscht jedoch noch erhebliches Unwissen bezüglich dieser Diät. Manchmal wird sogar befürchtet, sie sei ungesund oder führe zu Mangelerscheinungen. In diesem Artikel erläutern wir die Grundlagen der ketogenen Diät und erklären Ihnen, warum sie für viele Ihrer Klienten eine wirkungsvolle therapeutische Intervention bieten kann.

 

Was ist ketogene Diät?

Die ketogene Diät ist sehr kohlenhydratarm und fettreich. Hoher Fettgehalt bedeutet, dass die Ernährung viele gesunde Fette wie Olivenöl, Kokosöl, Butter und Ghee enthält und zusätzlich fettreiche Nahrungsmittel wie Fisch, Avocado, Nüsse und Samen eingesetzt werden. Außerdem werden viel Gemüse, normale Mengen von Proteinen und in Maßen auch Obst verzehrt. Wichtig ist, dass nur vollwertige Nahrungsmittel auf der Speisekarte stehen. Denn schließlich handelt es sich hierbei ja um eine reine Ernährungsintervention, für die keine sonstigen teuren Zusätze und Präparate benötigt werden. Häufig entsteht der oberflächliche Eindruck, bei der ketogenen Diät ginge es vor allem darum, viele Milchprodukte und Speck zu sich zu nehmen. Das ist jedoch unzutreffend. Es geht vielmehr darum, das für die Wirkung dieser Diät benötigte Verhältnis zwischen Kohlenhydraten, Protein und Fett zu erreichen, und das ist auch ganz ohne Milchprodukte und rotes Fleisch möglich.

 

Alternativer Brennstoff

Ziel einer ketogenen Diät ist es, dem Körper beizubringen, eine andere Energiequelle zu nutzen: nämlich Fett anstelle von Kohlenhydraten. Durch die drastische Einschränkung des Kohlenhydratanteils der Nahrung auf maximal 30 Gramm pro Tag gerät der Körper zunächst in eine Energiekrise und muss sich nach einer alternativen Energiequelle umsehen. Dabei hat er die Wahl zwischen Fetten und Proteinen. Um den Abbau körpereigener Proteine zu verhindern, muss daher – jedenfalls zu Beginn der Diät – die Aufnahme gesunder Fette mit der Nahrung deutlich erhöht werden – damit dem Körper keine andere Wahl bleibt, als Fett zu verbrennen.

 

Beim Abbau von Fetten entsteht unter anderem die Substanz Acetyl-Coenzym-A (Acetyl-CoA). Dieses Coenzym spielt eine wichtige Rolle im Citratzyklus. Ernährt man sich fettreich genug, stehen dem Körper große Mengen von Acetyl-CoA zu Verfügung. Daraus bildet die Leber dann Ketonkörper. Diese Ketonkörper, auch Ketone genannt, sind energiereiche Moleküle, die als Brennstoff verwendet werden können. Der dazu erforderliche Umwandlungsprozess wird als Ketogenese bezeichnet und ist im Laufe der Evolution entstanden, um dem Menschen zu ermöglichen, länger ohne Nahrung auszukommen.

 

Der Stoffwechselmodus, bei dem durch Fettverbrennung Ketone gebildet werden, wird als Ketose bezeichnet. Hierauf beruht die ketogene Diät. Auch bei Grippe und beim Fasten bildet die Leber Ketone. Damit beginnt sie bereits nach zwölf Stunden Fasten. Sobald erneut Kohlenhydrate verzehrt werden, stellt die Leber die Produktion sofort wieder ein. Man kann seinen Stoffwechsel also bereits nach einem Tag in den Zustand der Ketose versetzen, doch kann es Wochen bis Monate dauern, bis eine nachhaltige „Ketoadaption“ erreicht ist. Ob man sich im Zustand der Ketose befindet, kann mit speziellen Urinteststreifen gemessen werden, die den Ketongehalt des Urins anzeigen.

 

Ketoadaption

Zwischen der ketogenen Diät und einer kohlenhydratarmen Diät bestehen deutliche Unterschiede. Die meisten kohlenhydratarmen Diäten enthalten immer noch zu viele Kohlenhydrate und zu wenig Fett, um einen Wechsel zur Fettverbrennung und Ketogenese zu bewirken. Häufig werden einfach mehr Proteine verzehrt, um dennoch satt zu werden, wodurch der Körper zur Gluconeogenese und nur in geringerem Maße zur Ketogenese angeregt wird. Unter Gluconeogenese versteht man die Neubildung von Glucose unter anderem aus Aminosäuren. Diese neu gebildete Glucose wird vom Körper bevorzugt verbrannt, sodass die Ketone zum größten Teil ungenutzt über Urin und Atem ausgeschieden werden. Daher kann die Ketoadaption nie erreicht werden.

 

Ketoadaption bedeutet, dass sich der betreffende Mensch an den Ketonstoffwechsel angepasst hat und somit Ketone effizient als Brennstoff für Gehirn und Gewebe verwendet.

 

Ketone als Energiequelle und Regulator

Ketone können genau wie Glucose die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Neben der Glucose kann das Gehirn die Ketone nun als zusätzliche Energiequelle nutzen, sodass plötzlich viel mehr Energie für die Gehirnfunktionen zur Verfügung steht. Dies äußert sich beispielsweise in verbesserter Gedächtnisleistung, positiverer Gestimmtheit und erhöhter Stressresistenz.

 

Den Ketonen werden jedoch noch weitere Vorteile zugeschrieben. So üben Ketone zum Beispiel eine immunregulierende Wirkung aus, die zu einer schnelleren Genesung von Krankheiten führt. Außerdem werden neuropathische Schmerzen und chronische Entzündungsreaktionen verringert. Dies ist auch auf den Abbau von oxidativem Stress durch die Ketone zurückzuführen, sodass weniger Schäden auftreten.

 

Bei neurologischen Erkrankungen tragen Ketone zur Energieversorgung des Gehirns bei, wodurch sich verschiedene Funktionen wie Kognition, Motorik und Sinneswahrnehmung verbessern können. Bei Hirntrauma oder neurodegenerativen Erkrankungen verstärkt ketogene Diät die Bildung von Adenosintriphosphat (ATP), verringert oxidative Schäden, senkt die Glutamatsynthese, vermindert Apoptose und den Verlust von Neuronen, erhöht den Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) und übt eine hemmende Wirkung auf Krampfanfälle aus. Aus diesen Gründen kann ketogene Diät eine wichtige unterstützende Rolle bei verschiedenen Krankheitsbildern übernehmen.

 

Ist sie gefährlich?

Da sich rund um die Phänomene und Prozesse der Ketogenese und Ketoadaption viel mangelhaftes Wissen und viele Missverständnisse ranken, schrecken viele vor dem Einsatz einer ketogenen Diät zurück. Ist man jedoch gut informiert und versteht die Wirkmechanismen, kann eine ketogene Diät hervorragend als therapeutische Intervention eingesetzt werden. Eine gut aufgebaute ketogene Diät führt nicht zu Mangelerscheinungen, verursacht keine Probleme wie etwa „Ketogrippe“ und bringt auch auf lange Sicht keine Probleme mit der Verdauung und der Darmflora mit sich. Wenn die Diät gut durchgeführt wird, erzeugt sie eine erhöhte metabolische Flexibilität, sodass zu einem späteren Zeitpunkt wieder mehr Kohlenhydrate verzehrt werden können und dennoch ein gewisser Grad an Ketose bestehen bleibt. Dies ermöglicht es dann, der Diät wieder stärkehaltiges Gemüse und bestimmte Obstsorten hinzuzufügen.

 

Anwendung in Ihrer Praxis

Eine gut aufgebaute ketogene Diät mit der richtigen Menge an gesunden Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen, die individuell auf die Bedürfnisse Ihres Klienten zugeschnitten ist, kann eine wirkungsvolle Ernährungsintervention bei verschiedenen Krankheiten darstellen und vorbeugend wirken, indem sie die metabolische Flexibilität stimuliert. Wichtig ist, dass eine ausreichende Menge an gesunden Fetten und eine im Vergleich dazu niedrigere Menge an gesunden Kohlenhydraten zugeführt wird, damit der Stoffwechsel in den Zustand der Ketose übergeht, was mit speziellen Urinteststreifen überwacht werden kann. Ziel der ketogenen Diät ist Ketoadaption und die Erhöhung der metabolischen Flexibilität, wodurch sich Ihren Klienten zusätzliche Energiequellen erschließen und ihnen dadurch mehr Energie zur Verfügung steht.

 

Mit Dank an Louisette Blikkenhorst, Ketogeen Instituut Nederland

 

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